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«Heute wird beim Gamen alles auf dem Silbertablett serviert»: Mosnangs Schulsozialarbeiter will Schwerpunkt bei digitalen Medien setzen

Daniel Handschin ist Mosnangs erster Schulsozialarbeiter. Der 38-Jährige weiss viel über Kinder, aber auch über Games. Früher hat er mit viel Leidenschaft die Supermario-Serie auf Nintendo gespielt.
Timon Kobelt
Daniel Handschin ist ein leidenschaftlicher Gamer und Fan von Mario Kart (im Hintergrund). Seit er Vater ist, greift er jedoch seltener zur Konsole. Ausserdem baut er in Mosnang die Schulsozialarbeit auf. (Bild: PD)

Daniel Handschin ist ein leidenschaftlicher Gamer und Fan von Mario Kart (im Hintergrund). Seit er Vater ist, greift er jedoch seltener zur Konsole. Ausserdem baut er in Mosnang die Schulsozialarbeit auf. (Bild: PD)

Er erweckt den Eindruck, als würde er in einer irischen Rockband spielen. In Wahrheit ist er aber der erste Schulsozialarbeiter von Mosnang. Daniel Handschin ist gross, kräftig gebaut und hat einen voluminösen braunen Bart. Zudem trägt er an einem Elternanlass, bei dem es um den Umgang mit digitalen Medien geht, ein T-Shirt mit der Aufschrift Ireland. Und tatsächlich ist das T-Shirt mehr als nur ein Souvenir: Seine Frau mit dem unschweizerischen Namen Linda Power ist zur Hälfte Irin, weshalb sie oft auf der Insel sind. «Die Ireland-T-Shirts sind immer am billigsten, daher decken wir uns mit denen ein», sagt Handschin mit einem Augenzwinkern. Das Land mit dem Kleeblatt gefalle ihm sehr gut, «wenn sie am Flughafen den Pass meiner Frau sehen, sagen die Zöllner ‹welcome home›. Das finde ich superschön.»

Auch deshalb trägt die zweijährige Tochter einen irischen Namen gälischer Abstammung: Aoife. Doch noch ein anderer Grund steckt dahinter: «Meine Frau und ich sind beides Pädagogen und hatten unser Leben lang mit Kindern zu tun. Irgendwie hatten wir zu fast jedem Namen bereits ein Bild und das wollten wir bei unserer Tochter nicht», erklärt der 38-jährige Handschin.

Die Autofahrt nach Mosnang ist schöner

Daniel Handschin hat Soziale Arbeit an der Fachhochschule in Zürich studiert. Parallel hat er in einem Heim gearbeitet. Die Zustände dort seien zu Beginn sehr turbulent oder gar chaotisch gewesen, allerdings habe sich die Institution sehr entwickelt. Es sei cool gewesen, mitzuwirken und zu manchen Kindern habe er eine enge Beziehung aufgebaut.

«Das hat mir meinen Abschied erschwert, da ich das Gefühl hatte, ich würde die Kinder im Stich lassen. Der Weggang war dann auch eher turbulent, aber im Nachhinein das Richtige zur Erfüllung meines lang gehegten Wunsches in der Schulsozialarbeit Fuss zu fassen.»

Schliesslich wechselte er in die Schulsozialarbeit nach Dübendorf. Nun hat ihn sein Weg nach Mosnang geführt, wo er seit April 2019 ebenfalls als Schulsozialarbeiter tätig ist. «Die rund 40-minütige Autofahrt von meinem Wohnort Sonterswil ist nun auf jeden Fall schöner», sagt Handschin lachend.

Die Freizeit auf dem Land ist weniger stark geführt

Der Arbeitsweg war jedoch keineswegs der ausschlaggebende Faktor, weshalb es den Familienvater nach Mosnang verschlagen hat. Er sei der Typ, der gerne etwas aufbaue, wozu er hier die Möglichkeit bekomme. Ausserdem habe er gespürt, dass in Mosnang in die Schule und die Kinder investiert werde und dass er gut mit seinem «innovativen und pragmatischen» Chef Max Gmür harmonieren könne.

Daniel Handschin ist selber auf dem Land aufgewachsen. Daher kennt er die Strukturen und Themen in einer ländlichen Gemeinde bestens. Er freue sich über viele Dinge, die er hier angetroffen habe. «Die Kinder gehen hier nach draussen und sind wetterfest, das finde ich cool. Die Freizeit der Kinder ist weniger stark geführt als in der Stadt, wo es viele Angebote wie etwa den Jugendtreff gibt», sagt der 38-Jährige. Er habe gemerkt, dass in der Stadt viele Kinder nicht nach draussen gingen, weil die Eltern aus Angst um ihre Kinder es nicht zuliessen. Ein weiterer Unterschied sei die Tatsache, dass in Mosnang alle Lehrpersonen mit den Eltern per Du seien. «Das wäre in der Stadt undenkbar. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und es ist manchmal auch ein Vorteil für meinen Job, der niedrigschwellig sein soll. Es ist intimer, wenn ich mit Eltern zusammensitze und diese mit dem Vornamen ansprechen kann», berichtet Handschin von seinen ersten Erfahrungen.

Gamen und Digitalisierung als Steckenpferd

Als ehrlich und sehr direkt bezeichnet sich der Schulsozialarbeiter von Mosnang.

«Ich will aber nicht mit dem Vorschlaghammer an die Sache herangehen.»

Er versuche immer den Weg zu finden, der dem Ziel diene. Als seine grosse Stärke sieht der Pädagoge seine Fähigkeit, strukturiert zu denken. «Ich bekomme stets viele Geschichten zu hören. Meine Aufgabe ist es, diese um eine Stufe zu abstrahieren und einen Oberbegriff wie etwa Mobbing zu finden, nach dem man im Internet suchen könnte. Nur dann können nachhaltige Lösungen gefunden und nicht einfach Symptome bekämpft werden», erklärt Handschin.

Daniel Handschin referiert an einem Elternbildungsanlass zum Thema digitale Medien. (Bild: Timon Kobelt)

Daniel Handschin referiert an einem Elternbildungsanlass zum Thema digitale Medien. (Bild: Timon Kobelt)

Wer ihm zuhört, gewinnt den Eindruck, dass der gebürtige Zürcher stets im menschlichen Bereich gearbeitet hat – doch weit gefehlt. Er interessierte sich einst mehr für die Maschine als den Menschen und hat Wirtschaftsinformatik studiert. Das Studium hat Handschin zwar nie abgeschlossen, die Faszination für die Themen Gamen und Digitalisierung ist jedoch geblieben. Hier will er auch einen Schwerpunkt in der Schulsozialarbeit setzen. «Das ist mein Steckenpferd. Ich versuche, am Puls der Zeit zu bleiben, indem ich Fachartikel und Studien lese. Dann zieht es mich jeweils sofort ins Thema hinein. Ich würde gerne lauter darüber sprechen, dass viele Games nicht mehr vorteilhaft für die Kinder entwickelt werden», sagt Handschin. Er habe beispielsweise schon einmal eine Anfrage an die Eidgenössische Spieldatenbankenkommission gerichtet und auch Präventionsstellen für das Thema zu sensibilisieren versucht.

Die Leidenschaft und Begeisterung ist Daniel Handschin anzusehen, wenn er über die Games spricht, mit denen er aufgewachsen ist. Er bedauert jedoch, dass sich die Spiele in eine aus seiner Sicht negative Richtung entwickeln.

«Heute wird dir beim Gamen alles auf dem Silbertablett serviert. Man kann sich während eines Spiels zum Beispiel Ausrüstung dazukaufen oder die Kinder schauen sich ein Hilfsvideo an, wenn sie nicht weiterkommen.»

Es fehle die Bereitschaft, auch mal zu knobeln oder innovativ eine eigene Lösung zu finden, so der Nintendo-Fan, der vor allem für die Super-Mario-Spiele eine Schwäche hat.

Die Tochter hat sein Bewusstsein verändert

Seit der Geburt seiner Tochter hat Daniel Handschin viel weniger Zeit, um zu gamen. Und auch beruflich hat sich durch das Vatersein viel verändert:

«Ich hatte so lange mit Eltern zu tun und habe ihnen Tipps zum Umgang mit ihren Kindern gegeben. Trotzdem hätte mich nichts davon darauf vorbereiten können, wie es ist Vater zu sein.»

Er verstehe nun nochmals viel besser, weshalb es als Elternteil schwierig sei, bei der Betrachtung des eigenen Kindes objektiv zu bleiben. «Meine Frau und ich sind beides Fachidioten und wissen viel über die Entwicklung von Kindern. In der Kita die Rolle der Eltern zu verkörpern ist manchmal noch schwierig, da wir in der Pädagogik viel mehr Erfahrung mitbringen», erklärt Handschin.

Hinter dem 1,90-Meter-Hünen mit Vollbart steckt eine herzliche und freundliche Person. Dieser «Kontrast» komme bei den Kindern gut an. Dass er trotz seiner Affinität für die Sozialarbeit auch gut in eine irische Rockband passen würde, zeigt Handschins Hobby: Er spielt Gitarre in einer Band. «Wir treten aber nur für uns, den Kühlschrank und die Bierflaschen in diesem auf.»

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