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Hemberger wehren sich gegen 5G-Antennen in der Gemeinde

74 Bürger fordern in einer Petition den Verzicht auf die Aufschaltung von 5G in der Antenne im Kirchturm.
Cecilia Hess-Lombriser
Die Mobilfunkantenne in der katholischen Kirche Hemberg soll nicht für die 5G-Technologie aufgerüstet werden. (Bild: Olivia Hug)

Die Mobilfunkantenne in der katholischen Kirche Hemberg soll nicht für die 5G-Technologie aufgerüstet werden. (Bild: Olivia Hug)

Die fünfte Generation von drahtlosen Netzwerken, 5G, ist seit Monaten in den Schlagzeilen. Schweizweit läuft eine Petition an Bundesrätin Simonetta Sommaruga, im St.Galler Kantonsparlament verlangt ein Vorstoss aus den Reihen von SP, Grünen und SVP ein Bau-Moratorium für die neuen 5G-Antennen, der Kantonsrat lehnte ein Moratorium allerdings ab.

Die Diskussionen über die Schädlichkeit der Hochfrequenzstrahlung verlaufen kontrovers. Auch mehrere Ärzte und Wissenschaftler sprechen sich dagegen aus, weil sie schädigende Auswirkungen auf Mensch, Tier und Pflanzen befürchten. Eine Gruppe von Hemberger Einwohnern hat die Diskussion in der eigenen Gemeinde lanciert, Unterschriften gesammelt und diese zusammen mit einer Bitte an den Gemeindepräsidenten Christian Gertsch über­geben.

Informationen an 
Haushalte verteilt

Gemeindepräsident Christian Gertsch hätte gestern Morgen eigentlich keinen Dienst gehabt. Aber er kam, um das Schreiben der Arbeitsgruppe 5G entgegenzunehmen. Evelyne Reich, Josef Wüllner und Marcel Recher vertraten die Gruppe, der ausserdem Silvia Recher und Benedikt Jeisy angehören. Sie hatte vorgängig einen Flyer mit Informationen zur Technologie, zu den gesetzlichen Bestimmungen und zu den Bewegungen gegen 5G, die im In- und Ausland im Gang sind, an alle Haushaltungen verteilt. 74 Hembergerinnen und Hemberger stellten sich schliesslich mit ihrem Namen hinter die Initianten.

Übergabe der Bitte an Gemeindepräsident Christian Gertsch (links aussen), 5G in der Gemeinde Hemberg zu verhindern: Evelyne Reich, Marcel Recher und Josef Wüllner (von links). (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Übergabe der Bitte an Gemeindepräsident Christian Gertsch (links aussen), 5G in der Gemeinde Hemberg zu verhindern: Evelyne Reich, Marcel Recher und Josef Wüllner (von links). (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

In ihrem Begleitschreiben bitten sie den Gemeinderat, die Aufschaltung von 5G in der Antenne im Kirchturm der katholischen Kirche und den Bau weiterer Antennen in Hemberg zu verhindern. Sie beziehen sich dabei auf den Artikel 10, Absatz 2 der Schweizer Bundesverfassung, der lautet: «Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit.» Weiter wird Artikel 74 zitiert, in dem es unter anderem heisst: «Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen. Er sorgt dafür, dass solche Einwirkungen vermieden werden.»

Handlungsspielraum im konkreten Fall nutzen

Das Schreiben lag in einem Umschlag, den der Gemeindepräsident erst später öffnete. Trotzdem hatte er seine Antwort vorbereitet. Die Gemeinde sei grundsätzlich nicht für die Einführung von 5G zuständig, beschied er der Dreiergruppe, die sich grundsätzlich eine ermutigende Reaktion gewünscht hätte. Christian Gertsch informierte, dass in der Gemeinde Hemberg kein Baugesuch von Netzbetreibern vorliege. «Ich nehme das Anliegen der unterzeichnenden Personen an, dass zur Einführung von 5G in Hemberg verschiedene Fragen zum Bedarf und den möglichen Folgen gestellt werden.»

Und weiter: «Bei einem allfälligen Baugesuch sind in erster Linie die rechtlichen Aspekte zu prüfen. Bei Bedarf und beim Vorliegen von Einsprachen sehen wir uns verpflichtet, das Gespräch zwischen den Parteien zu ermöglichen und zu organisieren. So ist der Handlungsspielraum auszuloten, um allfällige Lösungen zu ermöglichen», so die Stellungnahme des Gemeindepräsidenten. Damit war die Gruppe entlassen. Im Gespräch mit dieser Zeitung informierten die drei Überbringer der Bitte, wie es zu ihrem Engagement in diesem Thema gekommen ist.

Mobilfunkantennen waren in Hemberg schon einmal Thema, als 2015 das Baugesuch für den Bau der 4G-Antenne im Kirchturm eingereicht worden war. Bereits damals gab es eine Gruppe von Personen – teilweise die gleichen wie im aktuellen Fall –, die sich bis vor das kantonale Verwaltungsgericht dagegen gewehrt hatte. Allerdings vergebens. Damals hatten sich noch wenige Hembergerinnen und Hemberger hinter das Anliegen gestellt. «Es ist inzwischen einiges gelaufen. Das Bewusstsein ist gewachsen. Wir sind überrascht, dass 74 Hemberger mit ihrem Namen hinstehen und damit ausdrücken, dass sie sich ebenfalls Sorgen um die Auswirkungen der neuen Technologie machen», stellen die Initianten fest.

Meinungsbildung mit 
Informationen anregen

Damals hätten sensitive Menschen im Dorf Auswirkungen gespürt und privat Schutzmassnahmen vorgenommen. «Hinter unserem heutigen Anliegen steckt eine ernsthafte Geschichte», sagt Evelyne Reich. Sie hat auch eine Abhandlung über ionisierende und nichtionisierende Strahlung mitgebracht.

Grundsätzlich will die Arbeitsgruppe 5G mit ihrer Initiative die Diskussion in der Gemeinde ankurbeln. «Die Leute sollen sich über die Entwicklung Gedanken machen und sich informieren. Wir haben das gemacht, was in unseren Möglichkeiten liegt, und wir sind offen, wenn sich jemand mit uns austauschen will.» Die Initianten wissen auch, dass die Möglichkeiten des Gemeinderates bescheiden sind, doch sie wollen ihn in der Pflicht sehen, wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung geht.

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