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Hemberger Radprofi Patrick Schelling fährt neu für Spitzenteam aus Israel

Der Toggenburger Radprofi wechselt vom drittklassigen Continental-Team Vorarlberg-Santic zur Israel Cycling Academy. Diese war zum Zeitpunkt seiner Unterschrift aber noch gar kein World-Tour-Team.
Urs Huwyler
Patrick Schelling wechselt per 2020 vom Team Vorarlberg-Santic zur Israel Cycling Academy. (Bild: Urs Huwyler)

Patrick Schelling wechselt per 2020 vom Team Vorarlberg-Santic zur Israel Cycling Academy. (Bild: Urs Huwyler)

Chance gepackt. So lässt sich die Saison von Patrick Schelling in zwei Worten zusammenfassen. Beim erstmaligen Start an der diesjährigen Tour de Suisse musste der 29-jährige Hemberger etwas zeigen, um auf sich aufmerksam zu machen.

«Für mich stellte sich in den vergangenen vier Jahren immer wieder die Frage, ob ich weiterfahren oder aufhören soll. Noch eine Saison bei Vorarlberg-Santic wäre für mich keine Alternative gewesen», erzählt jener Radprofi, dessen internationale Karriere mit dem zweiten Rang an der Universiade 2011 einen ersten Höhepunkt erlebt hatte.

Anfrage aus dem Moment heraus entstanden

Der elfte Gesamtrang und die offensive Fahrweise an der Tour de Suisse verfehlten ihre Wirkung nicht. Nach der Rundfahrt bekundete ein Kontaktmann der Israel Cycling Academy (ICA) Interesse an einer künftigen Zusammenarbeit mit Schelling. Die Israeli waren an der Tour de Suisse nicht am Start, weil sie damals nur eine Professional-Continental-Team-Lizenz (zweithöchste Stufe) besassen. Aber im Vergleich zum drittklassigen Continental-Team Vorarlberg-Santic kam der in Aussicht stehende Transfer für den Fischinger Vereinskollegen von Stefan Küng und Reto Hollenstein einem Aufstieg gleich.

Für Patrick Schelling gab es kein Abwarten, ob allenfalls noch ein besseres Angebot eintreffen würde. «In meiner Situation musste die Zusage innert kürzester Zeit erfolgen. Solche Anfragen entstehen manchmal aus dem Moment heraus. Also Chance packen, auch wenn gewisse Sachen bis heute unklar sind. Ich weiss von anderen Fahrern, dass sie gleich gehandelt haben.»

Weihnachtsgeschenk für den Kletterspezialisten

Unterschrieben hatte der am Tag der Arbeit 1990 geborene Toggenburger bei einer Pro-Continental-Mannschaft, fahren wird er in einer World-Tour-Equipe. Der milliardenschwere Teambesitzer Sylvan Adams, der 2018 die ersten Etappen des Giro d’ Italia nach Israel gelotst hatte, sprach immer davon: Irgendwann werde die 2015 gegründete Israel Cycling Academy mit einer World-Tour-Lizenz starten. Nun kauft Immobilienhändler Adams die Schweizer Lizenz vom Team Katusha-Alpecin und macht Patrick Schelling ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.

Von 2013 bis 2015 stand Schelling bei der Schweizer World-Tour-Mannschaft IAM unter Vertrag. Dass er nie an der Tour de Suisse starten durfte, illustriert, welche Stellung er intern hatte. Bei Vorarlberg-Santic entwickelte er sich zum Teamleader und feierte Erfolge wie Gesamt- und Etappensieger der Tour du Loir. «Solche Resultate», sagt der 173 Zentimeter grosse und 62 Kilogramm leichte Bergfahrer, «werden auch innerhalb der Radsport-Szene kaum wahrgenommen. Alles konzentriert sich auf die Spitze.»

Dank des für die Tour de Romandie und Tour de Suisse reaktivierten Schweizer Nationalteams konnte sich der Sohn eines Bäckers aus der breiten Öffentlichkeit präsentieren und zeigen, über welche Qualitäten er verfügt. An der Österreich-Rundfahrt doppelte der Toggenburger mit dem zweiten Etappenrang aufs Kitzbüheler Horn nach. Ein Leistungsausweis, der sich ganz einfach positiv auswirken musste.

Tour-de-France-Etappen- sieger als Teamleader

Was ihn ab dem 1. Januar 2020 erwartet, weiss Patrick Schelling erst rudimentär. «Ich werde als Helfer in den topografisch anspruchsvollen Rennen zum Einsatz kommen. Nachdem die World-Tour-Mannschaften alle grossen Rundfahrten bestreiten müssen, könnte ich auch ein Aufgebot für eine dreiwöchige Tour erhalten.» Entgegen kommt ihm, dass er den Teammanager Kjell Carlström aus seiner IAM-Zeit kennt.

Auch einige Kollegen gehörten damals zum IAM-Kader. Reto Hollenstein dürfte von Katusha-Alpecin zum Team mit Sitz in Tel Aviv stossen. Fest steht der Zuzug des Iren Dan Martin (Sieger Lüttich-Bastogne-Lüttich, Lombardei-Rundfahrt, Tour-de-France-Etappensieger) zur Equipe mit dem fünffachen Saisonsieger Ben Hermans. Schelling: «Ich weiss nicht mehr, trainiere weiter. Irgendwann wird es irgendwo ein Treffen geben. Für Vorarlberg-Santic habe ich keine Einsätze mehr.»

Von der 1. Liga in die Super League

Rund 600 Profis gehören den World-Tour-Sportgruppen an. Das Niveau steigt Jahr für Jahr, die jungen Wilden geben Vollgas. Patrick Schelling wagt anderseits den Sprung, fussballerisch gesehen, von der 1. Liga in die Super League. «Ich bin in den letzten Jahren reifer und lockerer geworden, kann das Rennen taktisch besser lesen. Meine Form wurde Saison für Saison besser. Ohne dieses Gefühl und das Wissen, mithalten zu können, hätte ich längst aufgehört», erklärt Patrick Schelling mit einem entspannten Lächeln im Gesicht.

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