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Hemberger Radprofi fährt am Donnerstag mit der Tour de Suisse durchs Toggenburg: «Es ist eine Genugtuung, dass ich diesmal dabei bin»

Radprofi Patrick Schelling bestreitet im Schweizer Nationalteam erstmals in seiner Karriere die Tour de Suisse. Damit endet für den 29-jährigen Bergspezialisten aus Hemberg eine jahrelange Geduldsprobe.
Urs Huwyler
Der Sportliche Leiter Marcello Albasini und Vereinskollege Stefan Küng trauen Patrick Schelling (Mitte) auf der Etappe von Einsiedeln auf die Flumserberge einiges zu. (Bild: Urs Huwyler)

Der Sportliche Leiter Marcello Albasini und Vereinskollege Stefan Küng trauen Patrick Schelling (Mitte) auf der Etappe von Einsiedeln auf die Flumserberge einiges zu. (Bild: Urs Huwyler)

Sollte am Donnerstag rund zwanzig Minuten nach 15 Uhr zuerst eine Spitzengruppe vom Ricken herkommend das Dorf Wattwil passieren, dürfte mit grösster Wahrscheinlichkeit die Startnummer 207 darin fehlen. Die höchste Nummer im Feld der Tour de Suisse überhaupt trägt der Hemberger Patrick Schelling. «Patrick hat im Team andere Aufgaben, als bei den Ausreissern mitzugehen», betont der Sportliche Leiter Marcello Albasini. «Aber», fügt er augenzwinkernd an, «möchte er sich im Feld durch seine Heimat vorne postieren, darf er das selbstverständlich. Das kostet nicht mehr Kraft.»

Im Radsport ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich Fahrer bei der Passage ihres Wohnorts oder der Trainingsregion an der Spitze einreihen und allenfalls die am Strassenrand stehende Familie und Bekannten in irgendeiner Form grüssen. Die Frage, ob er das Feld durch Wattwil vielleicht mit einigen Metern Vorsprung anführe, quittiert Patrick Schelling mit einem Lachen. Die Zuschauer dürfen sich darauf freuen: Der Mann im Schweizer Nationaltrikot wird für alle gut erkennbar sein.

Oft schien es, als würde der Berufssportler die Chance, die Tour de Suisse (TdS) zu bestreiten, nie erhalten. Entweder musste er sich im Team Vorarlberg für die Österreich-Tour vorbereiten oder erhielt bei Arbeitgeber IAM kein Aufgebot für die CH-Rundfahrt. Also stand er bei den Ostschweizer Etappen meist irgendwo an der Strecke, beobachtete seine Kollegen und machte sich Gedanken, ob sein TdS-Wunsch wohl irgendwann in Erfüllung gehe. Der Vereinskollege (VC Fischingen) von Stefan Küng (Wilen) und Reto Hollenstein (Sirnach) erklärt:

«Die Geduld hat sich ausgezahlt. Es kommt einer Genugtuung gleich, dass ich diesmal dabei bin.»

Ziel ist vorderer Rang im Gesamtklassement

Seit letzten Herbst hat sich einiges geändert. Einflussreiche Leute scheinen sich wieder an Patrick Schellings Qualitäten zu erinnern. Erst wurde er für die WM rund um Innsbruck aufgeboten, Anfang Mai startete er wie der Thurgauer Bahnspezialist Claudio Imhof nicht an der Hulftegg-Stafette, sondern auf World Tour-Niveau bei der Tour de Romandie und jetzt steckt er mitten in der TdS. Die Bildung eines «zusammengewürfelten» Nationalteams durch Swiss Cycling, das mit einer Wild Card starten darf, erwies sich für den vierfachen Saisonsieger 2018 als Glücksentscheid.

«Für Patrick beginnt die Tour am Donnerstag mit der Etappe von Einsiedeln durch das Toggenburg und der Zielankunft auf den Flumserbergen. Er ist in den Bergetappen unser Leader», sagt Chef Albasini. «Die Form stimmt, ich werde versuchen, vorne mitzuhalten», sagt der Athlet und fügt an: «Mein Ziel bleibt eine vordere Platzierung im Gesamtklassement. Darauf arbeiten wir hin.» Stefan Küng und Michael Albasini trauen dem lange als «Trainingsweltmeister» betitelten Leichtgewicht einen Exploit zu.

Transferzeit beginnt am 1. August

Die World Tour-Sportgruppen reisen in Luxus-Cars von Ort zu Ort, den Swiss Boys steht ein Wohnmobil zur Verfügung. Doch das spielt dem Septett keine Rolle. Der Sport und das Sammeln von neuen Erfahrungen stehen im Zentrum. Schelling sagt:

«Hier an der Tour ist der Rummel viel grösser, Weltklasse-Athleten bestimmen die Szene. An den Strassen stehen die Zuschauer teilweise in mehreren Reihen hintereinander, die Fahrer werden angefeuert. Eine solche Atmosphäre kannte ich bisher nicht. Jene Rennen, die wir mit unserem Team bestreiten, lassen sich nicht ansatzweise mit der Tour de Suisse vergleichen. Aber es macht Spass.»

Plötzlich stehen nicht mehr irgendwelche aufstrebenden Neulinge neben, hinter und vor Patrick Schelling, sondern Olympiasieger, Weltrekordhalter, Tour de France-Sieger oder Peter Sagan. Dadurch erhalten die weniger bekannten Profis die Chance, sich ins Rampenlicht zu fahren und wahrgenommen zu werden. Umso schwieriger dürfte Patrick Schelling die Rückkehr in den vergleichsweise tristen Radsport-Alltag fallen. «Dem ist so. Ich erlebe nun, wie es an einer der wichtigsten Rundfahrten der Welt zu- und hergeht», erzählt der ehemalige Universiade-Zweite.

Vielleicht beginnt nach der TdS ein neues Kapitel. Ab 1. August öffnet sich das Transfer-Fenster. Nach der Etappe Einsiedeln-Flumserberg sollten alle den Namen Patrick Schelling kennen. Vielleicht wird auf der Radsportseite dann geändert, dass Hemberg nicht in Ausserrhoden liegt. «Die Vorfreude», so der St.Galler, «wettkampfmässig durch das eigene Trainingsgebiet zu fahren, ist riesig. Dass bei der Premiere auch eine Wunschetappe auf dem Programm steht, macht alles noch spezieller.» In seiner Heimat kann er den Grundstein für den nächsten Karriereschritt legen.

TdS-Fahrplan durchs Toggenburg

Die sechste Etappe der Tour de Suisse führt morgen Donnerstag durchs Toggenburg. Die Fahrer passieren den Ricken gemäss Marschtabelle zwischen 15.12 Uhr und 15.18 Uhr. In Wattwil treffen die Fahrer etwa sechs Minuten später ein. Sie verlassen die Zentrumsgemeinde über die Bahnhof- und Ebnaterstrasse. Ebnat-Kappel passieren sie zwischen 15.24 Uhr und 15.31 Uhr. Über die Toggenburgerstrasse fahren die Sportler weiter nach Neu St.Johann, wo sie zwischen 15.34 Uhr und 15.42 Uhr ankommen. Weiter geht es über Stein nach Unterwasser, bevor die Fahrer dann zwischen 15.59 Uhr und 16.09 Uhr den Bergpreis Wildhaus passieren. Die Etappe endet zwischen 17.11 Uhr und 17.29 Uhr in Flumserberg. Die Werbekolonne passiert die angegebenen Orte etwa eine Stunde vor den Fahrern. (rus)

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