Hecken und Lebhäge haben ökologisches Potenzial

In der Gemeinde Nesslau ist das Vernetzungsprojekt in die dritte Projektperiode gestartet. 94 Prozent der Landwirte nehmen daran teil. Die Fläche an extensiven Standorten konnte um 29 Hektaren vergrössert werden.

Sabine Camedda
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Vernetzung auf einen Blick: Zwischen den intensiv genutzten Flächen gibt es Lebhäge, Hecken und Streuflächen. (Bild: PD)

Vernetzung auf einen Blick: Zwischen den intensiv genutzten Flächen gibt es Lebhäge, Hecken und Streuflächen. (Bild: PD)

Biodiversität scheint den Landwirten im Obertoggenburg, und vor allem in der Gemeinde Nesslau am Herzen zu liegen. Von den 160 Landwirten in der Gemeinde Nesslau haben deren 150 freiwillig extensive Standorte im Vernetzungsprojekt angemeldet. Das bedeutet, dass auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche mindestes 14 Prozent pro Landwirtschaftszone sogenannte Biodiversitätsförderflächen (BFF) aufweisen müssen. Für die Landwirte, die am Vernetzungsprojekt teilnehmen, wird pro Fläche eine Zusatzbedingung gefordert. Im Gegenzug werden die Landwirte dafür mit Vernetzungsbeiträgen entschädigt.

In diesem Jahr wurde das Vernetzungsprojekt um eine weitere Periode von acht Jahren verlängert. Zur Trägerschaft um Präsident Kilian Looser gehören zudem Vertreter der Landwirtschaft, des Forsts und des landwirtschaftlichen Zentrums Salez. Diese Trägerschaft hat den entsprechenden Auftrag der Scherrer Ingenieurbüro AG in Nesslau erteilt. Maya Valentini und Markus Wortmann haben die Vernetzungsverträge mit den teilnehmenden Landwirten aufgesetzt.

«Die Ziele des Vernetzungsprojekts sind dieselben wie zu Beginn des Projekts.»

Das oberste Ziel sei, die bestehende Ausgleichsfläche zu erhalten. Das heisst, genügend Biodiversitätsförderflächen auszuscheiden, um den gesetzlichen und ökologischen Ansprüchen des Vernetzungsprojekts zu entsprechen. «In Nesslau sind wir diesbezüglich weit voraus», sagt Maya Valentini. Der Anteil sei etwa doppelt so gross wie vorgeschrieben. «Wir dachten, dass die Zitrone ausgepresst ist. Aber die Landwirte haben weitere 29 Hektaren an Ökofläche angemeldet.»

Arten sollen idealen Lebensraum vorfinden

Die vernetzten Flächen sollten so nahe nebeneinanderliegen, dass sich die dort lebenden Arten genetisch austauschen können. Im Kanton St. Gallen sind maximal 200 Meter Abstand erlaubt. Diese Anforderung fördert und sichert die Biodiversität. Die Experten unterscheiden zwischen Leitarten, also Tiere und Pflanzen, die in diesem Gebiet typischerweise vorkommen, sowie Zielarten. Dies sind schützenswerte Arten, die sich im idealen Lebensraum vermehren sollten.

«Quantitativ können wir nicht kontrollieren, ob alle Massnahmen des Vernetzungsprojekts diesbezüglich wirken», sagt Maya Valentini. Dies wäre enorm aufwendig und kostenintensiv, zum einen, weil es ein enges Monitoring brauchen würde, zum anderen, weil sich dies nur langfristig nachweisen liesse. Trotzdem stufen sie und Markus Wortmann das Vernetzungsprojekt als einen Erfolg ein. «Die Akzeptanz bei den Landwirten ist sehr gross und für die meisten fallen die zusätzlichen Auflagen nicht stark ins Gewicht», sagen sie.

Damit spielen sie auf die Zusatzbedingungen an, die in der neuen Periode des Vernetzungsprojekts für jede Fläche erfüllt werden müssen. In einem Beratungsgespräch legten die Berater und die Landwirte die Massnahmen fest. Dies kann beispielsweise ein Rückzugsstreifen auf Streuflächen sein, ein Asthaufen oder ein späterer Schnittzeitpunkt auf einer Fläche.

In der Gemeinde Nesslau sollen Hecken, wie diese im Büel, erhalten und gut gepflegt werden. (Bild: PD)

In der Gemeinde Nesslau sollen Hecken, wie diese im Büel, erhalten und gut gepflegt werden. (Bild: PD)

Wichtige Bedeutung der Hecken und Lebhäge

Typisch für das Obertoggenburg sind zudem die Lebhäge und Hecken, die oftmals als Grenzelement von Parzellen dienen. Früher seien die regelmässiger geschnitten worden, um das Holz zum «Böschelen» zu nutzen, sagt Markus Wortmann. Heute seien Lebhäge und Hecken weniger beliebt und das «Böschelen» wird kaum noch durchgeführt. «Lebhäge hätten aber dennoch ein hohes ökologisches Potenzial», sagt er. Aus diesem Grund habe die Gemeinde Nesslau ein Merkblatt zur Heckenpflege erstellt, welches bald veröffentlicht wird.

Zudem gebe es im Rahmen des Vernetzungsprojekts finanzielle Unterstützung bei Aufwertungen und Neupflanzungen von Hecken und Lebhägen. Maya Valentini kann diesbezüglich bereits eine positive Entwicklung vermelden: Ein Landwirt habe beispielsweise diesen Frühling eine Hecke neu gepflanzt und bereits im Sommer vermehrt den dort lebenden Neuntöter bemerkt.

Hecken sind Lebensraum für verschiedene Tiere. Die Waldeidechse ist dort eine Leittierart. (Bild: René Güttinger)

Hecken sind Lebensraum für verschiedene Tiere. Die Waldeidechse ist dort eine Leittierart. (Bild: René Güttinger)

Tiere, die in den Hecken und Lebhägen leben, nützen dem Landwirt. Das Hermelin beispielsweise, das als eine Leitart gilt, frisst Mäuse auf den benachbarten Wiesen. Hecken sollten idealerweise einen extensiven Wiesenstreifen aufweisen. Dieser sogenannte Krautsaum ist Lebensraum für zahlreiche Insekten, die wiederum für die Bestäubung der Pflanzen notwendig sind und gleichzeitig eine wichtige Nahrungsquelle zahlreicher Vögel darstellen.

Markus Wortmann ist sich bewusst, dass es neben den extensiv genutzten Flächen auch immer noch hoch produktive Standorte braucht, um die landwirtschaftliche Produktion sicherzustellen. «Letztlich ist es das Beste, wenn auch der Landwirt von den Zielen der Vernetzung überzeugt ist, um das Nebeneinander zwischen intensiven und extensiven Standorten zu gewährleisten.»

Richtige Pflege für Hecke und Lebhag

Auf dem gesamten Gemeindegebiet von Nesslau kommen traditionelle einreihige Lebhäge und Baumhecken vor, vereinzelt findet man auch Nieder- oder Strauchhecken. Alle diese sind unter Schutz gestellt und dürfen nicht gerodet werden, weil sie ein wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen und Tierarten sind und ein wichtiges Landschaftselement darstellen.

Für die Gemeinde Nesslau ist es ein Anliegen, dass die Hecken und Lebhäge regelmässig und richtig gepflegt werden. Sie wird darum demnächst ein Merkblatt über Heckenpflege herausgeben.
Niederhecken bestehen aus mehrreihig gepflanzten Gehölzen. Diese sollten alle zwei bis fünf Jahre auf eine Höhe und Breite von zwei bis drei Meter zurückgeschnitten werden. Auch schonendes Auslichten sei möglich, heisst es im Merkblatt. Jedoch sollen immer einzelne Abschnitte als unberührte Lebensraumnischen für die Heckenbewohner stehen gelassen werden. Baumhecken weisen zusätzlich hohe Bäume auf und sind, im Gegensatz zu Niederhecken, stufig aufgebaut. Baumhecken werden alle 5 bis 15 Jahre selektiv durchforstet.

Lebhäge bestehen aus kleineren, langsam oder schnell wachsenden Sträuchern. Sie sind einreihig und werden zwei bis drei Meter hoch. Diese dürfen nicht jedes Jahr zurückgeschnitten werden, weil dies den Faulungsprozess des Haupttriebes fördert. Die Gemeinde Nesslau empfiehlt, Lebhäge alle zwei bis fünf Jahre auf eine Stockhöhe von
50 Zentimeter bis einen Meter zu schneiden.

Die Heckenpflege soll während der Vegetationsruhe. das heisst zwischen November und März, durchgeführt werden. Bei Hecken mit viel fruchttragendem Gehölz sollte die Pflege erst im Februar oder März erfolgen.