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Hausärzte und Spitalärzte spannen zusammen: Eine Praxis ergänzt die Notfallstation am Spital Wattwil

Am Spital Wattwil wird der Notfall reorganisiert. Mit den aktuellen Entwicklungen hat das jedoch nichts zu tun.
Ruben Schönenberger
Johanna Jenny, Leitende Ärztin der Notfallstation Wattwil (links), und Annett Blatter, Hausärztin in Ebnat-Kappel, im Gespräch vor dem Spital Wattwil. (Bild: Ruben Schönenberger)

Johanna Jenny, Leitende Ärztin der Notfallstation Wattwil (links), und Annett Blatter, Hausärztin in Ebnat-Kappel, im Gespräch vor dem Spital Wattwil. (Bild: Ruben Schönenberger)

Die Zukunft des Spitals Wattwil ist höchst unsicher. Geht es nach den Plänen der Regierung, hat das Toggenburg ab 2024 kein Spital mehr. Ob die Pläne der Regierung tatsächlich Realität werden, ist unsicher. Und wie das Angebot am sogenannten Gesundheits- und Notfallzentrum aussehen würde, ebenfalls.

Sicher ist indes, dass sich am Spital Wattwil bereits ab heute Montag etwas ändert, das unabhängig von den aktuellsten Entwicklungen während mehrerer Jahre aufgegleist wurde. Das neue Notfall-Konzept mit Integrierter Notfallpraxis (INP) kommt von nun an zur Anwendung.

Notfallstation mit Praxis ergänzt

Doch was ist diese INP überhaupt? Vereinfacht gesagt wird die bisherige Notfallstation mit einer Praxis ergänzt. Eine Pflegefachperson entscheidet bei der Triage, wie schwer ein Notfall tatsächlich ist. Wenn schwerwiegende Krankheiten oder Unfälle vorliegen, kommt der Patient wie bis anhin auf die Notfallstation. Die weniger schweren Fälle werden in der neuen Praxis ambulant behandelt.

Aufgrund des bisherigen Patientenaufkommens auf der Notfallstation und im Notfalldienst der Hausärzte geht man am Spital Wattwil davon aus, dass künftig rund 60 Prozent der Notfälle in der INP und 40 Prozent auf der Notfallstation behandelt werden. «Das Ziel ist, dass jeder Notfallpatient möglichst zügig und fachärztlich gut betreut wird», sagt Johanna Jenny, Leitende Ärztin der Notfallstation Wattwil.

Patienten sollen weniger lang warten müssen

Von dieser Zweiteilung verspricht man sich denn auch unter anderem kürzere Wartezeiten. Der Notfallarzt kann sich direkt um die wirklich schweren Fälle kümmern, denn die Behandlungsplätze auf der Notfallstation bleiben für diese frei. Währenddessen können die weniger schweren Fälle unabhängig vom Patientenaufkommen auf der Notfallstation in der Notfallpraxis zügig ärztlich behandelt werden.

Abends von 19 bis 22 Uhr sind dort die Hausärzte der Region anwesend und absolvieren ihren Notfalldienst. Dasselbe tun sie am Wochenende jeweils von 14 bis 18 Uhr. Während der übrigen Zeit, wird die Praxis von Spitalärzten betreut, die sich aber dann nur diesem Aufgabengebiet widmen, gewissermassen einen anderen Hut aufsetzen.

Hausarzt bleibt erste Anlaufstelle

Geöffnet ist die Praxis rund um die Uhr. Sie soll aber nicht den Hausarzt ersetzen. Nach wie vor soll der Hausarzt die erste Anlaufstelle sein. Aber wer ausserhalb der Praxisöffnungszeiten den Hausarzt brauche oder wer direkt beim Spital vorstellig werde, wird nun allenfalls statt auf die Notfallstation in die INP geschickt, wo eine ambulante Behandlung erfolgen kann. «Die ambulanten Patienten stellen sich oft mit typischen «hausärztlichen» Beschwerden vor, also Problemen, mit denen wir Hausärzte oft konfrontiert sind. Diese können wir dann genauso gut und effektiv auf der INP behandeln wie wir es sonst in unserer Praxis machen würden», sagt Annett Blatter. Sie arbeitet als Hausärztin in Ebnat-Kappel.

Für die Hausärzte ist der grösste Vorteil ein organisatorischer. Bisher gab es zwei Notfall-Dienstkreise, einer im oberen, einer im unteren Toggenburg. Entsprechend waren im Thur- und Neckertal immer zwei Hausärzte gleichzeitig mit Notfalldienst beschäftigt. Blatter sagt:

«Wir werden aber immer weniger, die Dienstbelastung ist immer mehr gestiegen.»

Dank der INP konnte man die zwei Dienstkreise nun zusammenlegen. Der Notfalldienst erfolgt nun immer in Wattwil und damit in der Mitte des Gebiets. Die Hausärzte leisten ihren Dienst also in der Infrastruktur des Spitals Wattwil. Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg kümmert sich um alle administrativen Belange, so auch um die Abrechnung. Die Hausärzte werden im Gegenzug für ihre Dienstzeit finanziell entschädigt.

Zusammenarbeit mit verschiedenen Ärzten

Sowohl für Hausärzte als auch Spitalärzte sei der fachliche Austausch zudem eine Bereicherung. Und nicht zuletzt sei das neue Konzept auch für die Assistenzärzte eine Chance. «Sie lernen viel», sagt Jenny. Und Blatter ergänzt, dass die Assistenzärzte mit vielen verschiedenen Hausärzten zusammenarbeiten und so Unterschiedliches lernen könnten.

«So können wir auch die Liebe zur Hausarztmedizin wecken und vielleicht zukünftige Hausärzte fürs Toggenburg finden.»

Wenn das Toggenburg dereinst ohne Spital dasteht, könnte dieser Nachwuchs noch nötiger sein. Wie die Zukunft der INP dann aussieht, lässt sich heute noch nicht sagen. Allerdings setze die INP wie auch die Regierung mit den Gesundheits- und Notfallzentren auf eine Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten.

Verantwortung wird geteilt

Diese Zusammenarbeit ist den Verantwortlichen denn auch sehr wichtig. Die Verantwortung für die Abläufe in der Praxis tragen der Toggenburger Ärzteverein und die Spitalregion Fürstenland Toggenburg gemeinsam. Eine paritätisch besetzte Betriebsleitung kümmert sich um operative Fragen, die Steuerungskommission um strategische. Man habe mehrere Jahre geplant und freue sich jetzt auf die Umsetzung.

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