Death-Metal-Festival im Obertoggenburg: Harte Gitarrentöne statt Naturjodel

Das Death-Metal-Festival «Rock the Hell» im Horb in Alt St.Johann findet am Wochenende bereits zum zwölften Mal statt. Death Metal statt Klangweg.

Sascha Erni
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Aus dem Werkhof wird eine Konzertbühne. Auch dieses Jahr wird es im Horb laut werden. (Bild: PD)

Aus dem Werkhof wird eine Konzertbühne. Auch dieses Jahr wird es im Horb laut werden. (Bild: PD)

Noch stehen im ehemaligen Werkhof Bischof die LKW des Transportunternehmens Abderhalden. Aber bis Freitag weichen sie Bühne, Bar und vielen Fans harter Klänge, wenn das «Rock the Hell»-Festival zum zwölften Mal in Alt St.Johann aufspielt. Siebzehn Bands aus aller Welt werden am 24. und 25. Mai den Werkhof zum Beben bringen. Death Metal statt Klangweg also, wobei die Grenzen nicht immer ganz klar umrissen sind, wie das Organisationskomitee erklärt. «Vor ein paar Jahren stiess eine Trachten-Gesangsgruppe zum Publikum», erinnert sich Sonja Näf.

«Das war lustig, wie sie sich mit all diesen schwarz gekleideten Metalheads unterhalten und gemeinsame Fotos gemacht haben.»

Musik verbindet auch dann, wenn sie etwas härter ausfällt.

Sonja Näf ist die Urheberin des «Rock the Hell». 2007 führte sie die Bären-Bar in Wildhaus und fragte sich als fleissige Festivalgängerin: Könnte man nicht vielleicht auch im Obertoggenburg eine solche Veranstaltung durchführen? Die erste Metal-Party fand noch in einem Festzelt statt. Über die Jahre ist «Rock the Hell» konstant gewachsen, erzählt Mitorganisator Lukas Graf.

«Aber die Metal-Szene ist vergleichsweise klein, es ist bei uns immer familiär geblieben.»

Das sei ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, denn von Mai bis Oktober dauert die Festivalsaison an, die Fans können nicht jedes besuchen.

40 Helfende für 17 Bands am Start

Doris Hinterberger, Sonja Näf und Lukas Graf (von links) freuen sich aufs zwölfte «Rock the Hell». (Bild: Sascha Erni)

Doris Hinterberger, Sonja Näf und Lukas Graf (von links) freuen sich aufs zwölfte «Rock the Hell». (Bild: Sascha Erni)

Mehr Bands zu buchen sei nicht unbedingt immer besser, meint Graf. Denn dann stellen sich vermehrt Fragen wie diejenige der Infrastruktur oder Unterkunft für die Musiker. Und auch mit den Helfern könnte es enger werden, ergänzt OK-Mitglied Doris Hinterberger. Dieses Jahr sind rund vierzig Freiwillige mit dabei. «Dass es jedes Jahr klappt, ist grossartig», sagt sie. Manche Helfer würden für das Festival gar Urlaub nehmen, andere unterstützen das Team beim Auf- und Abbau, besuchen aber dazwischen die Konzerte. Wieder andere stehen an den zwei Tagen lieber hinter der Bar. «Das ist alles sehr niederschwellig und unkompliziert», so Hinterberger.

Tolerante Nachbarn sind das A und O. Den Aufwand, ein solches Festival auf die Beine zu stellen, bezeichnet Sonja Näf als beträchtlich. «Dass das Organisatorische rund läuft, ist dabei fast die grösste Herausforderung.» Die Bands müssen nach Alt St.Johann gelotst, manchmal auch vom Flughafen abgeholt werden – dieses Jahr etwa spielen auch Formationen aus Dänemark und Schweden im Obertoggenburg, aus den USA reisen gleich drei Bands an, unter ihnen der Headliner «Internal Bleeding».

Auf dem Festivalgelände kann campiert werden und man hat den Wildhauser Schafberg im Blickfeld. (Bild: PD)

Auf dem Festivalgelände kann campiert werden und man hat den Wildhauser Schafberg im Blickfeld. (Bild: PD)

Das spüre man auch im Ort; das Gastgewerbe in der Umgebung sei immer gut ausgelastet. Am Anfang hätten sie sich schon etwas Sorgen gemacht, wie das ländliche Umfeld auf einen solchen Anlass reagieren würde, sagt Sonja Näf. Aber die Bedenken hätten sich als unberechtigt erwiesen. Dass René Bischof und die H. U. Abderhalden GmbH die Halle öffnen, sei grandios. «Und die Toleranz und Unterstützung der Nachbarn ist wirklich unglaublich», freut sie sich. Die Bereitschaft, den Festivalbesuchern Park- und Zeltplatz zur Verfügung zu stellen, sei nicht selbstverständlich.

Familiäres Festival im wahrsten Sinne des Wortes

Jedes Jahr verteilt das Organisationskomitee im Vorfeld Backwaren an die Bewohner im Horb, als kleines Dankeschön. «Manche freuen sich richtig auf die Zöpfli», lacht Näf. Und auch die Bands zeigten sich oft vom unkomplizierten Umgang am «Rock the Hell» überrascht. Dass Sonja Näfs Mutter für die Musiker kocht, würde immer besonders gut aufgenommen. Ein familiäres Festival also, im wahrsten Sinne des Wortes.

Hinweis

«Rock the Hell», 24. bis 25. Mai im Horb in Alt St.Johann. Weitere Informationen über die Website www.rockthehell.ch.

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