Gute Laune am gastlichen Open Ear: Die Besucher in Brunnadern waren froh, wieder zusammen feiern zu dürfen

Klein, fein und nicht unterzukriegen, so präsentierte sich am Samstag das Festival in Brunnadern. Und es zeigte sich: Nur gut, dass die Organisatoren den Unkenrufen der Weltuntergangspropheten in kein «offenes Ohr» geschenkt hatten.

Christof Lampart
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Die Menschen gehen gerne wieder raus und feiern gemeinsam, halten dabei aber möglichst die Coronaregeln ein.

Die Menschen gehen gerne wieder raus und feiern gemeinsam, halten dabei aber möglichst die Coronaregeln ein.

Bild: Christof Lampart

Corona – war da was? Gewiss, wer aufs Open Ear-Festivalgelände in Brunnadern wollte, musste zuerst einmal eine strikte Kontrolle über sich ergehen lassen. Bist du auf der Liste? Trag’ hier bitte deine Adresse ein. Gell, du hast kein Fieber? Hier kannst du deine Hände desinfizieren.

Die Organisatoren gaben sich grosse Mühe, den Spagat zwischen Kontrolle und Zuvorkommenheit hinzubekommen. Ihre Gäste sollten nicht das Gefühl haben, beobachtet zu sein – und doch sollte am Ende niemand dem OK nachsagen können, dass es nicht alles in seiner Macht Stehende getan hätte, um einem etwaigen «worst case» vorzubeugen.

Viel Unterhaltung, weniger Rausch

Doch dieser schlechteste aller Fälle ist in diesen Stunden, in denen der blaue Himmel immer mehr Wolken erhält und sich der Abend fast schleichend aus dem Nichts den Feiernden nähert, ganz weit weg. «Corona» heisst hier weder ein Virus, noch das Bier. «Wir haben nur noch das Hopfige», meint das Mädchen an der Bar.

Der Singer Songwriter Long Tall Jefferson war einer der Gäste auf der Open Ear-Bühne.

Der Singer Songwriter Long Tall Jefferson war einer der Gäste auf der Open Ear-Bühne.

Bild: Christof Lampart

Namen und Marken sind hier Schall und Rauch, derweil wenige Meter weiter der Singer Songwriter Long Tall Jefferson ein «Lied gegen den Schokokuss» ansagt. Niemand klatscht im Rhythmus mit, doch am Ende gibt’s immerhin artigen Applaus.

Schliesslich hat man die Freiheit zum unbeschwerten Genuss monatelang unterdrückt. Da spielt es für einmal keine Rolle, dass der linde Sommertag nicht in eine schwüle, kaum enden wollende Sommernacht mündet, und die Musik mehr der Unterhaltung, denn dem rauschhaften Mitfiebern dient.

Abstand einhalten, ohne auf Abstand zu gehen

Die Bise bläst, und ein paar Frauen holen aus den Rucksäcken langärmlige Jäckchen hervor. Die Schlange vor dem Bio-Bäcker, der aus Urdinkelmehl einen Flammkuchen «Alpstein» («Hettsch es gern knackig gha?») anbietet, wächst.

Man versucht dabei den Abstand einzuhalten, ohne auf Abstand zum Nachbarn zu gehen. Man spricht miteinander, auch wenn man sich nicht kennt und die Themen überschaubar sind: Corona, Musik und das Wetter.

Jemand eilt vorbei und ruft «schmöckt fein», ein paar Twens spielen Rundenlauf am Ping-Pong-Tisch; in der einen Hand unbeholfen den Schläger, in der anderen fest umklammert das «Hopfige» – oder war doch vielleicht umgekehrt?

Eine wunderbare Dankbarkeit

Die Band Bright, eines der musikalischen Highlights am diesjährigen Festival.

Die Band Bright, eines der musikalischen Highlights am diesjährigen Festival.

Bild: Christof Lampart

Ruhig ist es nicht auf dem Gelände, doch ausgelassen gefeiert wird auch dann nicht, als die Nacht schon längstens von den Hängen hinab aufs Festivalgelände gekrochen ist. Die Musik ist – wenig überraschend – zentraler Bestandteil des Open Ear, doch wichtiger ist vielen an diesem Abend die Erkenntnis:

«Hey super, wir können wieder feiern – und das allen Einschränkungen zum Trotz!».

Und so macht sich jenseits des Bahnhofes Brunnadern etwas bemerkbar, dass man nicht unbedingt erwartet hätte: eine wunderbare Dankbarkeit, die davon erzählt, dass man froh ist, dass man in diesem Sommer doch noch so ein schönes Fest erleben durfte.

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