Gruppenarbeit als Speed-Dating: Mosnang will seine Einwohner in die Raumplanung einbeziehen

Die Mosnanger Einwohner können ihre Vorstellungen zur räumlichen Zukunft in Gruppenarbeiten einbringen.

Timon Kobelt
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Der Raumplaner Daniel Rietmann kam bei den Inputs beim Posten Siedlung und Dorfentwicklung auch selbst ins Grübeln.

Der Raumplaner Daniel Rietmann kam bei den Inputs beim Posten Siedlung und Dorfentwicklung auch selbst ins Grübeln.

Bild: Timon Kobelt

Der Ablauf des Bürgerforums mit dem Titel «Räumliche Zukunft Mosnang» hatte etwas von Speed-Dating: Begrenzte Redezeit und sogar eine Glocke stand bereit, um den Zeitpunkt des Wechsels der Gruppen anzukünden. Allerdings erklang die Glocke am Donnerstagabend im Oberstufenzentrum Mosnang nie, die rund 90 Anwesenden folgten jeweils widerstandslos den Wechselaufforderungen von Gemeindepräsident Renato Truniger.

Die Idee des Abends war es, das Thema Raumplanung nach der Inputveranstaltung im Oktober nun auf einer interaktiven und partizipativen Schiene aufzurollen. Weniger Frontalunterricht also, um es in Schulsprache auszudrücken. Dieser Vorsatz wurde eingehalten. Der langjährige Kantonsplaner und heutige private Raumplanungsexperte Ueli Strauss-Gallmann hielt ein ganz kurzes Einführungsreferat, danach wurden die Anwesenden in vier Workshop-Gruppen eingeteilt, denen jeweils ein Moderater oder Schiedsrichter vorstand.

«Die Schiedsrichter können zu exotischen Ideen zurückpfeifen und sollen schauen, dass der Fokus beim Gesamtthema Raumplanung bleibt», sagte Truniger. Strauss-Gallmann ergänzte: «Ihre Ideen sollten sich auf den Zeithorizont von 2035 bis 2045 beziehen.»

In den Ecken wird fleissig gearbeitet

So weit, so einfach. Die vier Gruppen arbeiteten emsig jeweils in einer Ecke der Turnhalle, was von der Lautstärke her gerade noch ging. Jede Gruppe kam einmal zu jedem der vier Themenfelder. Diese lauteten: Siedlung und Dorfentwicklung, Mobilität, Landschaft und Ökologie sowie Trends und Innovation. In einer ersten Runde wurden querbeet Meinungen und Ideen zu den Themenfeldern gesammelt. «Wir sollten unser ÖV-Angebot zumindest erhalten», hiess es etwa beim Workshop Mobilität, den Ratsschreiber Roland Schmid leitete. Gekürzt sei schnell, doch bis man wieder ausbauen könne, dauere es unter Umständen sehr lange.

Bei Ueli Strauss-Gallmann im Themenfeld Landschaft und Ökologie kam rasch eine Diskussion um das Thema Windkraft auf Hügeln auf. In Bezug auf Grünflächen und Biodiversität fragte der Moderator, wie grün Mosnang denn sei. «Grün, aber nicht bunt», lautete eine der Antworten.

Schulratspräsident Max Gmür war beim Posten Trends und Innovation in seinem Element und ermutigte seine Gruppe, wild über Trends zu diskutieren und brachte immer wieder Stichworte als Inputs. «Nun, eine nächste Fusionswelle wird bestimmt kommen», gab ein Teilnehmer zu bedenken. Ob dies für Mosnang ein Thema sei, hänge vor allem davon ab, wie gut die Verwaltung ihre Aufgaben bewältigen könne, meinte ein anderer. Allgemein ging die Gruppe von einer zunehmenden Regionalisierung, sprich von einer Zusammenlegung verschiedener Angebote über die Gemeindegrenzen hinaus aus.

Überschneidungen waren unvermeidbar

In den weiteren drei Runden erweiterten, vertieften und diskutierten die Anwesenden die Vorarbeiten aus Runde eins. Der private Raumplaner Daniel Rietmann, der den Posten Siedlung und Dorfentwicklung leitete, spann den Faden weiter: «Bis jetzt herrschte die Meinung, Mosnang müsse vor allem qualitativ statt quantitativ wachsen. Teilen Sie diese Ansicht und was ist für Sie Qualität in Mosnang?» Ausserdem wurde bei Rietmann intensiv diskutiert, wo denn Mosnangs Zentrum oder die Seele des Dorfes sei und was ein solches Zentrum erfüllen müsse. Auch das Thema, wo nach innen entwickelt respektive verdichtet werden kann und soll, kam rege zur Sprache.

Gewisse Überschneidungen bei den Posten waren nicht zu vermeiden. Gerade die Frage nach Mosnangs eigentlichem Zentrum und dessen Funktion kam bei allen vier Stationen auf. Dabei gingen die Meinungen weit auseinander. Es gab Anwesende, die sich klar für die Kirche als Dorfmittelpunkt aussprachen. Sie sahen sich in dieser Ansicht deshalb bestärkt, weil sich der Gemeinderat beim Standort des neuen Marktareals für die Variante bei der Kirche einsetzt.

Filtex-Areal als Zentrum?

Für viele andere war klar, dass eine Überbauung des Filtex-Areals unter Einbezug von Läden und Gewerbe Mosnangs Zentrum der Zukunft sein soll, inklusive einem Park-and-ride-System für das Postauto. Die Gegenseite plädierte dafür, dass ein Zentrum eine Fläche wie die Filtex-Wiese als Begegnungszone brauche und man sie deshalb belassen oder in eine Allee umwandeln solle.

Die Schlusspräsentation der Moderatoren zeigte, dass die Gespräche mehr hergaben als der Smalltalk beim Speed-Dating. So stellte sich heraus, dass eine Mehrheit der Anwesenden Windkraftwerke unterstützt. Eine Zentralisierung der Angebote und Infrastruktur im Dorf Mosnang wird nicht gewünscht, die Aussendörfer sollen eigenständig bleiben. Carsharing ist für die meisten keine Option, der ÖV soll zu Pendlerzeiten leicht ausgebaut werden. Es wird begrüsst, dass der Gemeinderat, wie er im letzten Mitteilungsblatt angekündigt hat, eine Umfrage zum Bedürfnis nach Kindertagesstätten durchführt.

Zweite Durchführung mit Jugendlichen

Renato Truniger erklärte abschliessend, dass er den Input erhalten habe, diesen Anlass mit Jugendlichen zu wiederholen. Diese Option werde man prüfen, sagte er. Gut möglich, dass auf die Frage, was in Mosnang fehlt, ein Punkt dann wieder auftaucht: eine Bar.

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