Grosse Preisübergabe im kleinen Rahmen: Sonja Rüegg ist neue Trägerin des Wanderpreises von Kultur Toggenburg

Am Donnerstag fand die Ehrung der Künstlerin im Ackerhaus Ebnat-Kappel statt, aufgrund der Coronasituation im engsten Kreis.

Sascha Erni
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Von Wattwil nach Ebnat-Kappel: Simon Walther gibt den Wanderpreis von Kultur Toggenburg an Sonja Rüegg weiter.

Von Wattwil nach Ebnat-Kappel: Simon Walther gibt den Wanderpreis von Kultur Toggenburg an Sonja Rüegg weiter.

Bild: Sascha Erni

Jedes Jahr ehrt der Verein Kultur Toggenburg eine Person, Gruppierung oder Institution, die mit Werk und Wirken das Kulturleben in der Region belebt. Der Wanderpreis ist mit Trophäe, Diplom sowie 5000 Franken dotiert.

Als Vorjahressieger gab der Wattwiler Fotograf Simon Walther besagte Trophäe – einen Wanderstock mit Korb und Wegzehrung, auf dem die früheren Gewinner verewigt sind – an Sonja Rüegg aus Ebnat-Kappel weiter.

Geboren 1975 in Dietfurt, absolvierte Rüegg 2007 den gestalterischen Vorkurs an der Schule für Gestaltung St. Gallen und studierte in Luzern bildende Kunst. Seit Januar 2020 ist sie Leiterin und Kuratorin der Kunsthalle Wil.

Vernunft liess grosse Feier nicht zu

Die feierliche Übergabe fand im engsten Kreis statt. Neben Walther und Rüegg waren nur eine Handvoll Gäste vor Ort anwesend. Die Laudatorin Martina Kral schaltete sich aus Lenzerheide via Videokonferenz zu.

Eigentlich hätte die Übergabe des Wanderpreises auch nicht am
22. Oktober im Ackerhaus, sondern schon im April stattfinden sollen. Noch wenige Tage zuvor hatte Kultur Toggenburg «Die Fabrik» für die Feierlichkeiten vorgesehen, aber dann machte die regionale Coronasituation solchen Plänen einen Strich durch die Rechnung.

«Wir hatten bis zuletzt gehofft, das in einem grösseren Rahmen machen zu können», erklärte dann auch Christian Spoerlé, Präsident von Kultur Toggenburg, in seiner Eröffnungsansprache. «Aber die Vernunft verlangte nach etwas anderem.»

Wichtiges Signal für das Kulturschaffen

Gefreut hat sich Sonja Rüegg natürlich trotzdem – und das nicht nur, weil sie den Wanderpreis gewonnen hat, sondern weil sie es wichtig findet, dass dieser überhaupt ausgelobt wird. Solche Nominierungen und Auszeichnungen würden Kunstschaffenden einen regelrechten Schub geben, betonte Rüegg.

«Man bekommt das Gefühl, dass man etwas richtig macht.»

Denn als Künstlerin und Künstler arbeite man oft monatelang an einem Werk, ohne Feedback oder Wertschätzung zu erhalten, wie sie ergänzte.

Dieser Punkt war Martina Kral in ihrer Video-Laudatio ebenfalls wichtig. «Es ist mir eine grosse Freude, dass es Institutionen gibt, die unbeirrt und grosszügig der Kultur Raum geben», sagte die Kunsthistorikerin. Sonja Rüegg würde sie seit vielen Jahren als Persönlichkeit schätzen, besonders ihren Zug, das zu hinterfragen, was im Hintergrund zu einer Idee ablaufe.

Der rote Faden in Rüeggs Schaffen sei ihr Wille, Dinge auch mal ruhen zu lassen, damit sie wachsen können. Und dass sie diese Dinge auch durchaus im öffentlichen Raum und in der Natur wirken lasse.

Mit kreativer Lust zur Auszeichnung

Das Haus mit der verspiegelten Fassade.

Das Haus mit der verspiegelten Fassade.

Bild: Corinne Bischof

Das Einbinden von Natur und Kunst war es dann auch, was Simon Walther zur Nominierung von Sonja Rüegg bewog. 2018 hatte er die Arthur-Wanderausstellung «Alles Fassade» in Krinau besucht, dabei sei ihm besonders Rüeggs verspiegeltes Haus im Kopf hängen geblieben.

Zwar hätte er weder Namen noch Gesicht mit dem Spiegelhaus in Verbindung gebracht, erläuterte der Wattwiler. «Aber als es an mir war, meine Nachfolge zu finden, kam mir dieses Werk wieder in den Sinn, also ging ich dem nach.»

Dabei habe es sich gezeigt, dass Sonja Rüeggs verblüffende Skulpturen im öffentlichen Raum, etwa das «h» im Wiler Weiher, von einer kreativen Lust geprägt seien.

Gewinner des Vorjahrs bestimmt Nachfolge

Sonja Rüegg gab dem Wiler Stadtweier sein fehlendes «h».

Sonja Rüegg gab dem Wiler Stadtweier sein fehlendes «h».

Bild: Gianni Amstutz

Der Toggenburger Wanderpreis ist ein Kulturförderpreis, der seit 2014 vom Verein Kultur Toggenburg ausgerichtet ist. Die Jahre zuvor ging der Wanderpreis an so unterschiedliche Kulturschaffende wie Kurt Schär oder Simon Keller, nun ehrt das Toggenburg mit Sonja Rüegg die zweite weibliche Kunstschaffende.

Anders als bei vielen anderen Förderpreisen üblich, entscheidet nicht eine Jury über die Preisträgerschaft, sondern der Gewinner des Vorjahrs – der Verein hat lediglich ein Vetorecht. Der Vorjahressieger hat dabei zwei Auflagen zu erfüllen: Seine Nachfolge darf nicht in derselben Toggenburger Gemeinde leben, und sie muss in einer anderen künstlerischen Disziplin tätig sein.

«Der Wanderpreis steht symbolisch für die Wanderschaft an und für sich», erklärte dann auch Vereinspräsident Christian Spoerlé im Ackerhaus. «Eine Wanderschaft nicht nur innerhalb der Region, sondern auch innerhalb der Genres, könnte man sagen.»