Gregorianische Gesänge in der Klosterkirche Neu St.Johann

Das Eröffnungskonzert zum diesjährigen Konzertzyklus war dem gregorianischen Gesang gewidmet. Der Auftritt der Choralschola Zürcher Oberland unter der Leitung des Lichtensteigers Klaus Ammann hatte etwas Meditatives.

Peter Küpfer
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Die Choralschola Zürcher Oberland trug liturgische Gesänge der Gregorianik vor, eindrücklich und authentisch. (Bild: Peter Küpfer)

Die Choralschola Zürcher Oberland trug liturgische Gesänge der Gregorianik vor, eindrücklich und authentisch. (Bild: Peter Küpfer)

Das Eröffnungskonzert zum diesjährigen Konzertzyklus, der Zyklus steht seit dem Frühjahr unter neuer Leitung, war dem gregorianischen Gesang gewidmet und fand in der Klosterkirche Neu St.Johann statt. Programm des Konzertes und das Interieur der Kirche insistierten darauf, dass die vorweihnachtliche Zeit in der christlichen Tradition der inneren Besinnung gehört.

So hatte der Auftritt der Choralschola Zürcher Oberland unter der Leitung von Klaus Ammann aus Lichtensteig mit ihren gregorianischen Chorälen etwas Meditatives. Die sechs in der Gregorianik geschulten Sänger trugen einstimmige liturgische Choräle vor, wie sie in karolingischer Zeit auch hierzulande bei besonderen Andachten und festlichen Gottesdiensten erklangen.

Diese Gesänge haben in ihrer eigenen Melodik und ihrem ruhigen Duktus mit dem, was die Menschen heute unter Musik verstehen, nicht viel zu tun. Sie waren Ausdruck tiefer Frömmigkeit und besangen auf Lateinisch die Grösse und Allmacht Gottes, gestützt auf entsprechende Bibelstellen.

Gemessene und nach innen gerichtete Klänge

Es versteht sich von selbst, dass sie dem Ausdruck tiefen Glaubens dienten und keinerlei Konzessionen an Unterhaltung und Kunstgenuss machten, ohne die heutige Menschen sich Musik kaum mehr denken können. Von daher erlaubte das anspruchsvolle Programm ein eindrückliches Eintauchen in eine zutiefst andere Haltung. Grundlegung dazu, dass diese wichtige Quelle europäischer Musik überliefert ist, legte Papst Gregor der Grosse, der sie um 600 Jahre nach Christus zu sammeln begann, wie das wie immer kompetent einführende Programm darlegte.

Entsprechend seiner kurzen Einführung ins Thema wurden gregorianische liturgische Gesänge bis in die neuere Zeit hinein bearbeitet, sie finden auch heute noch Eingang in hiesige Gottesdienste. Vor dem im barocken Glanz strahlenden Innenraum der Klosterkirche sangen die sechs Vortragenden ihr Programm stehend und «una voce». Es wurden Eingangslieder zu jeweilig markanten Sonntagen des Kirchenjahres gesungen, zur Eröffnung mit Themenbezug zum Advent und zur Weihnacht. Dem schlossen sich Gesänge zum Fastensonntag, zu Ostern, Pfingsten und Allerheiligen an.

Obwohl alle Gesänge Freude und Jubel zum Inhalt hatten und das lateinische «Alleluia» allgegenwärtig war, blieben die Klänge gemessen und nach innen gerichtet. Sie erlangten dadurch eine meditative Dimension. Diese wurde durch die Einlagen von Hansjürg Gutgsell an der grossen Orgel verstärkt, allerdings mit machtvoll gezogenen Registern.

Wuchtiger und langer Schlussakkord

Gutgsell intonierte Partien aus Kompositionen von Olivier Messiaën, zuerst aus La Nativité (Desseins Eternels), später aus L’Ascension (Majesté du Christ). Sie gingen einem durch Mark und Bein. Besonders der Schlussakkord bei dem die Majestät Christi besingenden, zweiten Stück: Er liess mit seiner Wucht und insistierend langen Dauer keinen Hauch Zweifel an ihr zu.

Geradezu lieblich kam einem dagegen das zweiteilige früheres Werk des Organisten aus dem Jahr 1969 vor, seine trotzdem höchst expressiven «Stücke über das gregorianische Salve Regina». Im zweiten Stück, dem «Carillon», drang der eindringliche Appell, auch der Triumph eines sich im Jubel überbietenden Glockengeläuts tief unter die Haut.