Goldener Boden: «Zurück zu den Wurzeln»

Alex Hollensteins Vater war Schuhmacher. Nach dessen Tod übernahm der Sohn, ein gelernter Bauer, die Werkstatt und führt diese mit grosser Freude weiter.

Aufgezeichnet von Fränzi Göggel
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«Wenn sich eine vernünftige Lösung ergibt, lässt sich vieles flicken», sagt Alex Hollenstein. (Bild: Fränzi Göggel)

«Wenn sich eine vernünftige Lösung ergibt, lässt sich vieles flicken», sagt Alex Hollenstein. (Bild: Fränzi Göggel)

Schon als Jüngling habe ich meinem Vater in der Schuhmacherwerkstatt im Keller meines Elternhauses geholfen. Er flickte alles «sackguet». Trotzdem lernte ich Bauer und nach der Lehre wechselte ich in den landwirtschaftlichen Warenhandel. Heute weiss ich nur noch grad wie eine Kuh aussieht, «meh nüme».

33 Jahre führte ich die Landi in Bütschwil und stets flickte ich nebenbei Schuhe, Mappen, Gürtel und andere Ledersachen. Als ich nach Vaters Tod vor der Entscheidung stand, was aus der Schuhmacherei werden soll, entschied ich mich fürs Weitermachen.

Im Hinblick auf meine damals noch in weiter Ferne anstehende Pension, wollte ich eine sinnvolle Beschäftigung. So investierte ich in eine Adler Nähmaschine, eine Presse, eine Ausputzmaschine und eine Werkbank, die ich secondhand beim Schuhgeschäft Brander in Dietfurt kaufen konnte. Das sind noch heute die wesentlichen Arbeitsgeräte eines Schuhmachers.

Nachhaltigkeit ist für mich wichtig.

Oft bringen mir die Leute lieb gewonnene Gegenstände, deren Reparatur sich des Geldes wegen nicht mehr lohnt. Gerne sehe ich mir mit dem Auftraggeber das zu reparierende Objekt an. So kann ich beurteilen, ob es sich lohnt, mache den Preis und der Kunde entscheidet. Die Freude der Menschen über das geflickte Lieblingsstück ist für mich Lebensqualität.

Private Veränderungen ergaben, dass ich in Mühlrüti auszog. Wie der Zufall so spielt, konnte ich meine Werkstatt im ehemaligen Kuhstall des Restaurants Freihof in Dreien neu einrichten. Als Bauer quasi zurück zu den Wurzeln.

Konkrete Öffnungszeiten habe ich nicht. Steht die Türe offen, bin ich an der Arbeit. Die zu reparierenden Gegenstände kann man auch in der Landi Bütschwil oder im Freihof abgeben. Material hole ich bei meinen Schuhmacherkollegen Philipp Huber in Wattwil und Bernhard Schnyder in Stein. Wäre ich erst 40 Jahre jung, würde ich Hubers Schuhmacherei übernehmen, die ist drum feil.

Engagierter Velo-Fan

Alex Hollenstein wuchs in Mühlrüti am Entenbach auf. Nebst der Schuhmacherei, befand sich im Erdgeschoss des Wohnhauses auch der Dorfladen. Der Pensionär hat drei erwachsene Kinder und wohnt heute in Bütschwil.

Als Velo-Fan verzichtet er freiwillig auf ein Auto. Er ist einer der freiwilligen Wegmacher des Verkehrsvereins Mosnang und verantwortlich für die ihm zugeteilten Wanderwege. Zudem engagiert er sich im B-Treff Bütschwil.

Mein erstes Geld verdiente ich...

... als Zweitklässler. An der Fasnacht ging ich von Haus zu Haus und trug Gedichte vor. Dafür bekam ich 2.10 Franken. Damit kaufte ich einen Fünfpfünder-Brot, der kostete 1.75 Franken.

Am liebsten...

... sohle ich Militärschuhe. Die natürlichen Materialien der traditionellen Lederschuhe lassen sich gut flicken und nähen, da lohnt es sich, diese zu reparieren.

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