Goldener Boden: Silvan Holenstein wurde von seinen Berufskollegen belächelt

Der 42-jährige Bazenheider genoss wenig Kredit, als er den Entschluss fasste, von der Milchproduktion auf Bio-Weidemast umzustellen.

Beat Lanzendorfer
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Silvan Holenstein ist Landwirt mit Leib und Seele. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Silvan Holenstein ist Landwirt mit Leib und Seele. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Nach meiner vierjährigen Lehre im Maschinenbau stellte ich bald fest, dass ich nicht für die Werkstatt geboren bin. Ich wollte raus, auf die Strasse, auf die Felder und die Wiesen.

Deshalb absolvierte ich nach der Rekrutenschule als Motorfahrer die Zweitausbildung zum Landwirt. Mit 23 Jahren konnte ich den elterlichen Betrieb übernehmen und fortan auf eigene Rechnung führen. Nach zwei bis drei Jahren Milchproduktion mitten im Dorf Bazenheid fasste ich den Entscheid, mit Melken aufzuhören und ausserhalb des Dorfes einen neuen Stall für Jungvieh zu bauen.

Den Entscheid nie bereut

Damals steckte die neue Produktionsform der Bio-Weidemast noch in den Startlöchern – es reizte mich, Neues zu versuchen. Mein Entscheid wurde von meinen Berufskollegen in der Umgebung belächelt, ich habe ihn nie bereut. Auf unseren schweren, eher nassen Böden wäre Ackerbau nur bedingt möglich, deshalb konzentriere ich mich auf mein Grünland.

Ich kaufe Kälber aus Milchviehbetrieben, sobald sie abgetränkt sind und füttere sie mit eigenem Gras, Heu und Grassilage. Manchmal kommt im Winter noch etwas Apfeltrester oder Silomais aus dem Thurgau hinzu. Mit dieser extensiven Fütterung, während der Vegetationsperiode mit täglichem Weidegang und im Winter permanenten Auslauf im Freien, erhalte ich ein zartes, aromatisches und nachhaltig produziertes Rindfleisch.

Mehr Respekt gegenüber der Landwirtschaft

Viel Freude bereitet mir im Sommer das Mähen, Zetten und Schwaden von Heu und Grassilage. Da ich keinen Heustock besitze, presse ich alles zu Rundballen. Wenn ich dann im Winter meinen 90 Rindern beim genüsslichen Fressen zuschauen kann und sie anschliessend im Strohbett zufrieden wiederkäuen, strahlt das auf mich eine grosse Ruhe aus. Das gibt mir Kraft für den Alltag, der für die Landwirtschaft nicht immer einfach ist, wird sie in der Öffentlichkeit doch für meinen Geschmack etwas zu häufig zum Sündenbock gestempelt. Deshalb wäre mein Wunsch für die Zukunft, dass die Nahrungsmittelproduzenten wieder jenen Respekt und die Wertschätzung erhalten, die sie verdienen.

Mostobst aufgelesen

Silvan Holenstein wohnt mit seiner Lebenspartnerin Nicole und deren drei Kinder in Bazenheid, wo er auch aufgewachsen ist. Abseits der Landwirtschaft ist der 42-Jährige als Mitglied der Guugewörger leidenschaftlicher Fasnächtler. Zudem gehört er der Alphorngruppe Swisswood Alphorns an, die am 30. November während des Winterzaubers zu hören ist.

Mein erstes Geld verdiente ich...
...beim Obsten. Als Kinder erhielten meine Schwester und ich 20 Rappen pro Kübel Mostobst, das wir von Hand auflasen.

Auswandern war auch einmal eine Option...
...weil man als junger Landwirt voller Tatendrang ist und alles Spass macht, was gross, schnell und laut ist. Es gab Momente, in denen ich mir ernsthafte Gedanken zum Auswandern gemacht habe – mein Traum war Neuseeland. Nach der Übernahme des elterlichen Hofes war das Thema aber vom Tisch. (bl)