Goldener Boden: «Als Schmied macht man viele Sachen nur einmal und dann nie wieder»

Matthias Wickli aus Krinau ist Schmied. Er führt unter anderem Bauschmiedearbeiten und Restaurationen aus. Und er beschlägt Pferdehufe, obwohl das Toggenburg eigentlich gar keine typische Pferderegion ist.

Aufgezeichnet von Sascha Erni
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Auch Beschläge gehören zum Gebiet des Schmieds Matthias Wickli aus Krinau. (Bild: Sascha Erni)

Auch Beschläge gehören zum Gebiet des Schmieds Matthias Wickli aus Krinau. (Bild: Sascha Erni)

Als Kind wollte ich alles Mögliche werden. Archäologe wäre was gewesen oder Förster. Im Kindergarten fand ich Strassenwischer einen sehr attraktiven Beruf, man macht sauber und kann mit Passanten reden. Während der Sekundarschule schnupperte ich in den Schmiedeberuf rein – ich begann dann 1989 meine dreijährige Lehre in Unterwasser, 1993 folgte die Zusatzausbildung zum Hufschmied.

Heute wäre Hufschmied eine vierjährige Lehre, die Ausbildung zum Schmied dauert ebenfalls vier Jahre und ist an den Metallbau angehängt. Lehrstellen sind allerdings dünn gesät, im Toggenburg gibt es einige Schmiede, die sich da engagieren. Ich bilde selbst auch Lehrlinge aus. Überhaupt ist es lustig, wie viele Hufschmiede es im Toggenburg gibt– dabei ist das hier keine grosse Pferde-Region. Bei mir macht das Beschlagen der Pferde rund zwei Arbeitstage pro Woche aus.

Vielseitigkeit als grosses Plus

Als zweites Standbein habe ich die Schmiedearbeiten. Ich entwerfe und baue Geländer, restauriere Beschläge und erledige Bauschmiedearbeiten. Viele Sachen macht man nur einmal, dann nie wieder.

Ein interessantes Gebiet ist die Restauration und Rekonstruktion. Hier kommt es mir entgegen, dass ich in Venedig am Maestro-Programm teilgenommen habe. Es war spannend, zusammen mit so verschiedenen Berufsleuten wie Steinmetzen, Malern und Schreinern das Restaurieren zu vertiefen.

Umgang mit Pferden gefällt mir

Mein Beruf ist sehr vielseitig, vor allem auch der Umgang mit den Pferden gefällt mir. Mir ist es wichtig, dass die Tiere gesund und die Kunden zufrieden sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich schon fast zu wenig oft in der Werkstatt bin. Dort habe ich oft Arbeiten, die sehr interessant aber auch intensiv sind. Da ist es schön, die Werkstatt auch mal hinter sich zu lassen und sich einem Pferd zu widmen.

Die Dampfmaschine ist noch da

Matthias Wickli, Jahrgang 1973, ist in Krinau aufgewachsen. 1989 trat er seine Lehre in Unterwasser bei Hanspeter Breitler an, es folgte die Zusatzlehre als Hufschmied in der EMPFA in Bern. 2000 schloss er die höhere Fachprüfung ab.
Heute lebt Wickli mit Frau und Kindern wieder in Krinau, wo er 2011/12 seine eigene Werkstatt aufbaute.

Mein erstes Geld verdiente ich...
...mit dem Fangen von Mäusen. Das Geld investierte ich in eine kleine Dampfmaschine. Ich habe die Maschine immer noch.

Spielt die Denkmalpflege eine Rolle in Ihrem Beruf?
Das öffentliche Bewusstsein für den Wert von Historischem ist klein. Vor allem der wirtschaftliche Wert wird kaum wahrgenommen und wenig genutzt. Obwohl ich mich ab und zu mit alten Objekten beschäftige, hatte ich noch nie direkt mit der Denkmalpflege zu tun. (rb)