Kolumne
«Glücklich ist, wer vergisst»

Am besten findet man sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten ab. Verhindern kann man ihne ohnehin nicht.

Martin Knoepfel
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Martin Knoepfel.

Martin Knoepfel.

(Bild: Urs Bucher)

Ich liebe den Herbst, das gestehe ich gerne ein. Nun, das ist nicht so erstaunlich. Ich liebe im Grunde alle vier Jahreszeiten, aus den verschiedensten Gründen. Einer – und sicher nicht der unbedeutendste – ist sicher eine gehörige Portion Pragmatismus oder vielleicht sogar Fatalismus.

Die Jahreszeiten ändern sich in jedem Fall, das ist eine Binsenwahrheit. Meine Überlegung: Ich kann gleich versuchen, das Beste daraus zu machen, anstatt mich jedes Jahr ebenso nutz- wie ergebnislos zu ärgern. So, wie in einer Operette gesungen wird: «Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.»

Aber fragen wir doch, was konkret denn der Herbst für die Menschen Positives bereit hält. Zum einen ist da eine rein bürokratisch-administrative Änderung. Wie jedes Jahr, seit ich mich erinnern kann, wird auch in diesem Herbst die Zeitumstellung von der Sommer- auf die Winterzeit erfolgen. Im Frühling haben wir ja eine Stunde mit der Umstellung in entgegengesetzter Richtung verloren.

Diese Stunde kriegen wir jetzt wieder zurück. Sie wird uns nicht gestohlen, wie immer wieder behauptet wird. Vielmehr gewähren die Menschen – ja, wem wohl? – ein Zeitdarlehen in der Höhe einer Stunde. Passend zu den heutigen Zeiten übrigens ohne Zinsen, denn sonst müsste man ja die Uhr um mehr als eine Stunde zurückstellen, zum Beispiel um 65 Minuten. Dieses Experiment wäre eigentlich sehr spassig, vor allem, wenn man die Uhr jeden Herbst um 65 Minuten zurückstellt und die Wirkung in einigen Jahren bedenkt. Doch lassen wir das, denn das gehört nicht hierher.

Der Herbst hat aber auch kulinarisch einiges zu bieten, für mich jedenfalls. Ich bin ein Liebhaber von Wildgerichten und komme im Herbst deshalb auf meine Rechnung. Ebenso sehr schätze ich die «Metzgeten» und die dort aufgetischten Gerichte, von der Blutwurst und den Kutteln mal abgesehen. Den Namen der Beiz, die die «Leberli» so lecker zubereitet, verrate ich allerdings nicht, denn ich will auch noch mindestens eine Portion bekommen. Feinschmecker werden jetzt die Nasen rümpfen oder die Köpfe schütteln, doch am besten vergessen sie, was sie – in diesem Fall meine Vorlieben – ohnehin nicht ändern können.