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GLP-Kandidat kritisiert am Anlass in Wattwil: «Das Ziel der Politiker ist die Wiederwahl, nicht eine bezahlbare Gesundheitsversorgung»

Pietro Vernazza ist für die Zukunft des Spitals Wattwil optimistischer als für die Häuser in Flawil und Rorschach. Das sagte er am Montagabend an seiner Nationalrats-Wahltour.
Martin Knoepfel
Pietro Vernazza betätigte sich auch im Service – «mein Hobby» –, dies während der Verpflegungspause am Montagabend. (Bild: Martin Knoepfel)

Pietro Vernazza betätigte sich auch im Service – «mein Hobby» –, dies während der Verpflegungspause am Montagabend. (Bild: Martin Knoepfel)

Zu Beginn läutete Pietro Vernazzas Smartphone hartnäckig, und das zweimal. Es war allerdings kein medizinischer Notfall, sondern nur der Test eines neuen Alarmsystems. Der Chefarzt und Leiter der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene war am Montagabend auf seiner Nationalrat-Wahltour in Wattwil zu Gast.

Ein Dutzend Besucher kamen am Abend ins Restaurant National, um die Ansichten von Pietro Vernazza über die Spitalplanung zu hören und mit ihm zu diskutieren. Die Besucherzahl habe seine Erwartungen erfüllt, sagt Pietro Vernazza eingangs.

Kein Thema für die nationale Politik

Der 62-Jährige bewirbt sich für die Grünliberalen des Kantons St. Gallen um einen Sitz im Parlament. Er habe sich in der Gesundheitspolitik unter anderem in kantonalen und nationalen Gremien engagiert und möchte nun seine Fachkenntnisse als Arzt und Forscher einbringen. Es brauche Fachleute im Parlament, sagte er.

Die Menschen würden immer älter. Das verändere die Ansprüche ans Gesundheitswesen. In Zukunft werde es nicht nur Probleme mit der Finanzierung der Pflege geben, es werde auch schwierig werden, genügend Fachkräfte zu finden, warnte Pietro Vernazza.

Eine gute Gesundheitsversorgung zu erschwinglichen Preisen zu ermöglichen, nannte er eine grosse Herausforderung. Er wolle sich zugleich gegen ein Globalbudget im Gesundheitswesen einsetzen.

Folgekosten nicht transparent gemacht

Die Zukunft des Spitals Wattwil sei zwar kein Thema für die nationale Politik, aber es interessiere die Menschen im Toggenburg, sagte Pietro Vernazza. Deshalb sei das das Thema des Abends, obwohl ihn Bekannte gewarnt hätten.

In der Diskussion mit den Besuchern wurden der Regierungsrat und der Verwaltungsrat der Spitalverbunde hart kritisiert, und Pietro Vernazza betonte, dass er in Bezug auf das Spital Wattwil gleich denke wie die Zuhörer. In der Diskussion hiess es unter anderem, der Regierungs- und der Verwaltungsrat wollten das Spital mit einer Salamitaktik stilllegen. Unverständlich sei auch, dass die Gesundheitschefin das Konzept der Gemeinde für das Spital nicht unterstütze, obwohl ein ähnliches Konzept in Schuls (GR) funktioniere.

Kritik von Pietro Vernazza an Betonierung der Standorte

Im Spital koste die 24-Stunden-Betreuung. Deshalb wolle man die Aufenthaltsdauer der Patienten senken und mehr Behandlungen ambulant durchführen, sagte Pietro Vernazza.

Im Kanton St.Gallen habe man nach dem Ende des Moratoriums für Spitalbauten alles neu gemacht und die Standorte betoniert, ohne dass ein Konzept dahinter stecke. Man hätte stattdessen vor der Abstimmung über die Spitalkredite über die Folgekosten informieren müssen, kritisierte er den Regierungs- und den Kantonsrat. Er als Bürger habe vor der Abstimmung über die Spitalkredite nicht errechnen können, welche Auswirkungen die Bauvorhaben auf die Krankenkassenprämien haben würden.

Kritik an mangelnder Kommunikation in St. Gallen

Das Ziel der Politiker sei die Wiederwahl, nicht eine bezahlbare Gesundheitsversorgung. Im Gegensatz dazu habe die frühere Zürcher Gesundheitsdirektorin Verena Diener unangenehme Entscheide – das heisst Schliessungen von Regionalspitälern – getroffen und das frühzeitig kommuniziert, sagte Pietro Vernazza.

Zugleich kritisierte er die Kommunikation im Kanton St.Gallen. Hier werde in der Spitalpolitik generell zu wenig kommuniziert.

«Das neue Spital in Wil ist noch nicht gebaut»

Pietro Vernazza ist davon überzeugt, dass Wattwil nicht so schlecht dasteht wie Wil. «Das neue Spital in Wil ist noch nicht gebaut», sagte er.

Die Vorzüge Wattwils seien die geografische Lage und die neue Infrastruktur, die abbezahlt werden müsse. «Ich glaube, dass Wattwil in einer Situation ist, in der sich das Kämpfen lohnt.»

«Spezialisierte Chirurgie nicht unbedingt nötig»

Ein Spitalnotfall brauche für eine gute Versorgung eine Chirurgie, aber nicht unbedingt eine spezialisierte Chirurgie, sagte der Referent. Bei schwierigen Operationen sei es wichtig, dass der Chirurg viel Erfahrung habe.

«Ich selber verstehe gewisse Operationen nicht mehr».

Eine Blinddarmoperation gehöre aber nicht in diese Gruppe. Blinddarmoperationen habe er als Unterassistent mehrmals selber vorgenommen, sagt Pietro Vernazza. Nichts abgewinnen kann er einer Privatisierung des Spitals Wattwil, da sich die privaten Kliniken die Rosinen herauspicken würden.

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