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Advents-Serie – Folge 11: «Geschenke gab es früher erst am 6. Januar»

Verschiedene Traditionen prägen die Advents- und Weihnachtszeit. Doch nicht in jedem Land und in jeder Familie wird auf die gleiche Weise gefeiert. Im Rahmen dieser Serie erzählen Menschen aus aller Welt ihre persönliche Weihnachtsgeschichte.

Beat Lanzendorfer
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Isabel Garcia mit einer typischen Weihnachtskrippe, wie sie in Spanien häufig zu finden sind. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Isabel Garcia mit einer typischen Weihnachtskrippe, wie sie in Spanien häufig zu finden sind. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der 24. Dezember in Spanien selber unterscheidet sich nicht gross von jenem Fest, wie wir es seit mittlerweile 35 Jahren in der Schweiz kennen. Gegessen wird hier wie dort. Ich und mein Mann sind in der Nähe von Valencia aufgewachsen. Weil sich die Grossstadt am Meer befindet, kommt häufig Fisch auf den Tisch – besonders auch an Weihnachten.

Ich mag mich noch an Zeiten erinnern, ich war noch ein Kind, da hat meine Grossmutter an Festtagen in einem grossen Topf Suppe zubereitet. Nebst Fleisch und Fisch kamen weitere Zutaten wie Kichererbsen, Bohnen oder Karotten hinzu. Der übrig gebliebenen Bouillon hat sie Reis beigegeben und gekocht. Das gab dann ein weiteres Menü mit einem feinen Geschmack. Viele Familien essen an Weihnachten auch Langusten oder Paella.

Spanische Spezialität zum Dessert

Als Nachspeise wird häufig Turron serviert. Das ist eine spanische Spezialität, die aus Mandeln, Honig und Zucker hergestellt wird. Nach dem Essen versammeln sich die Familienmitglieder in der Stube und singen gemeinsam Lieder, wobei vielfach eine Person auf der Gitarre begleitet. Einen Christbaum, vor allem aber die dazugehörende Krippe, kennen wir in Spanien auch. Beides wird in der Nacht auf den 24. Dezember geschmückt und aufgestellt.

Zur Person

Die 54-jährige Isabel Garcia ist 1983 mit ihrem Ehemann Fernando und Sohn Fernando (Jahrgang 1981) in die Schweiz gekommen. Später kam noch Tochter Neriana (heute 25) hinzu. Anfangs lebte die Familie während acht Monaten in Luzern. Danach kam der Umzug nach Bazenheid. Isabel und Fernando Garcia sind beide in Alberic aufgewachsen, einem kleinen Dorf, das rund 30 Kilometer vor den Toren Valencias liegt. Während Isabel seit 19 Jahren für die Insassen des Bazenheider Ausschaffungsgefängnisses kocht und zusätzlich die Räumlichkeiten der Polizeistation reinigt, arbeitet Ehemann Fernando seit vielen Jahren bei der Stadler Rail im thurgauischen Bussnang. (bl)

In Spanien gibt es eine Tradition, die heisst «La Misa del Gallo». Darunter versteht man die Messe, die um Mitternacht des Heiligen Abends gefeiert wird. Es ist ein Gottesdienst, an dem sich die ganze Familie in der Kirche versammelt.

Als ich noch klein war, gab es die Geschenke erst am 6. Januar – dem Tag der drei Könige. Sie waren es ursprünglich, die aus dem Orient kamen und dem neu geborenen Jesuskind Geschenke überbrachten. Heute ist es etwas anders, da erhalten die Kinder schon an Weihnachten mindestens ein Geschenk.

Tapas zum Apéro

Wir feiern Weihnachten seit Jahren in der Schweiz, weil auch unsere Kinder Neriana und Fernando hier leben. Sie sind am 24. Dezember mit ihren Familien – mein Mann und ich sind mittlerweile stolze dreifache Grosseltern – bei uns eingeladen.

Zum Apéro gibt es auf Tapas (Teller) Käse und Schinken, als Beilagen Mandeln und Oliven. Danach serviere ich Langusten mit einem feinen Salat, bevor das Hauptgericht mit Fleisch und Gemüse kommt. Ich habe in all den Jahren viel von der Schweizer Mentalität übernommen, kulinarisch bleiben wir unserer einstigen Heimat Spanien aber fast immer treu.

Das schätzen auch unsere Freunde, von denen wir hier in der Schweiz viele gefunden haben. Die Freude ist jeweils gross, wenn ich ihnen bei einem ihrer Besuche Paella zubereite.

Alle Folgen der Advents-Serie finden Sie hier