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Geschäftsführerin der Heberlein AG in Wattwil: «Wir haben hohe Investitionen getätigt»

Eva Wang, die Unternehmensleiterin der Heberlein AG, erläutert den Mentalitätsunterschied zwischen Chinesen und Schweizern. Sie hat bereits auf drei Kontinenten gearbeitet und lobt den Standort Schweiz besonders.
Interview: Martin Knoepfel
Eva Wang, Unternehmensleiterin der Wattwiler Heberlein AG, verbringt den Grossteil ihrer Arbeitszeit am Computer. (Bild: Martin Knoepfel)

Eva Wang, Unternehmensleiterin der Wattwiler Heberlein AG, verbringt den Grossteil ihrer Arbeitszeit am Computer. (Bild: Martin Knoepfel)

Eva Wang, Sie haben in der 20-Millionen-Stadt Schanghai gelebt. Wie gross war der Kulturschock, als Sie nach Wattwil kamen?

Das war für mich kein Schock. Ich habe vorher jahrelang in Australien gelebt und gearbeitet, wo es ebenfalls viele kleinere Städte gibt. Das war für mich also nichts Neues.

Was können Ihrer Ansicht nach die Schweizer von den Australiern und den Chinesen lernen und umgekehrt?

Es gibt Unterschiede. Die Chinesen sind immer sehr optimistisch und versprechen, ihr Bestes zu geben und das Ziel zu erreichen. Die Schweizer sind realistisch. Sie knüpfen Zusagen an viele Bedingungen, aber was sie versprechen, halten sie. Der Unterschied hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Chinesen es gewohnt sind, dass immer alles rasch gehen muss. China ist ja 30 Jahre lang sehr stark gewachsen.

Wie charakterisieren Sie Ihren Führungsstil?

Mein Ziel ist es jeweils, ein gutes Team aufzubauen und klare Ziele zu definieren. Ich sehe meine Aufgabe mehrheitlich darin, Support fürs operative Geschäft zu geben. Die Strategie und die Ziele sollen in der Diskussion mit dem Team festgelegt werden.

Weshalb haben Sie die Stelle als Managing Director der Heberlein AG angenommen?

Ich wurde angefragt, ob ich die Aufgabe übernehmen wolle. Ich arbeitete damals schon einige Monate für Heberlein und wusste, dass das eine gute Firma ist. Ich sehe die Anfrage als einen Glücksfall an, denn die Kollegen hier sind sehr hilfsbereit, und ich habe die Chance, dazuzulernen.

Weshalb hat Ihr Vorgänger 2017 Heberlein verlassen?

Das hat der Verwaltungsrat entschieden, da war ich nicht beteiligt.

Wie beschreiben Sie die Strategie von Heberlein?

Die Kernkompetenz von Heberlein liegt in der Fertigung von hochpräzisen Hartkeramik-Teilen im High-End-Bereich. Die Keramikteile sind gegenwärtig für die Textilmaschinen- und für die Medizinaltechnik-Industrie bestimmt, und in diesen Marktsegmenten wollen wir technisch führend bleiben.

Können Sie das mit einem Beispiel erläutern?

Wir stellen etwa Zahnimplantate aus Keramik für prominente Anbieter her. Diese Implantate haben im Innern ein Gewinde für eine Schraube. Die passenden Schrauben haben weniger als einen Millimeter Durchmesser. Deshalb muss das Gewinde mit einer Toleranz von 0,001 Millimetern gefertigt werden. Ich kenne ausser Heberlein keine Firma auf der Welt, die das schafft.

Wo steht Heberlein heute in Bezug auf Umsatz und Gewinn und wo soll die Firma in fünf Jahren stehen?

2018 dürfte das beste Jahr in der Geschichte von Heberlein werden. Bei guten Umsätzen ist unsere Profitabilität im Industrievergleich sehr gut. Die Textil-Umsätze sind aber sehr volatil und können auch schnell einbrechen. In den Marktsegmenten Medical und Industrial haben wir noch viel Entwicklungsarbeit vor uns.

Welche Länder sind die wichtigsten Absatzmärkte für Heberlein und welche Firmen sind die wichtigsten Kunden?

Im Bereich Textile ist der Asia-Pacific-Raum ein wichtiger Markt, vor allem China, Indien und Vietnam. In Europa haben wir gute Kunden in Belgien, Deutschland und Italien. Hier sind viele unserer Kunden kleine Firmen, die Produkte im High-End-Segment herstellen. Im Bereich Medical and Industrial fokussieren wir uns vorerst auf Europa. Da stehen wir erst am Anfang. Der wichtigste Kunde ist die Dentalpoint AG in der Schweiz.

Wird Heberlein in neue Länder oder Sektoren expandieren?

Wir wollen in neue Sektoren ausserhalb von Textil vordringen, etwa in die Automobilindustrie oder in die Herstellung von Komponenten für den 3D-Druck. Heberlein hat eine Tradition, innovativ zu sein, diese Fähigkeit müssen wir nun für neue Applikationen zur Anwendung bringen.

Werden diese Produkte unter dem Namen Heberlein vermarktet?

Auch in diesen Bereichen wollen wir Brand-Owner sein. Aber das gilt gegenüber unseren Kunden, ob der Endkunde unseren Brand wahrnimmt, wird von der Applikation abhängen.

Wird Heberlein die Produktionskapazitäten in Wattwil ausbauen und neue Stellen schaffen?

Die Räumlichkeiten sind für unsere Bedürfnisse gross genug. Wir haben aber hohe Investitionen in neue Maschinen für die Herstellung der Keramik-Teile getätigt. Zudem haben wir in das Textil-Labor investiert, und zwar im Bereich Messgeräte und Software. Heberlein hat dieses Jahr drei Personen im Keramik-Produktionsbereich neu eingestellt. Wir sind immer auf der Suche. Die Wurzeln von Heberlein sind in der Schweiz. Die Schweiz ist nach Singapur das wettbewerbsfähigste Land der Welt. Die Behörden sind wirtschaftsfreundlich. Die Menschen hier sind bereit, neue Techniken zu akzeptieren. Deshalb sind die Voraussetzungen für Firmen, die im High-End-Bereich tätig sind, gut. Die Kunden können dagegen überall auf der Welt sein.

Wie viel soll Heberlein pro Jahr wachsen? Ist das Ziel organisches oder akquisitorisches Wachstum?

Sowohl als auch. Akquisitorisches Wachstum ist möglich, wenn wir gut positionierte und ergänzende Technologie-Gesellschaften finden. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Wird Heberlein den Sektor der Textilmaschinen verlassen und sich ganz auf die Medizintechnik-Industrie konzentrieren?

Es gibt keine Pläne, den Textilmaschinen-Sektor zu verlassen. Ganz im Gegenteil. Die Menschen brauchen Kleider, genauso wie sie Nahrungsmittel und Wohnungen brauchen. Basisindustrien haben immer einen Markt. Vielleicht kommen neue Produktionstechniken auf. Dann muss man sich der Entwicklung anpassen. Aber die Menschen werden deshalb nicht aufhören, Basiskonsumgüter zu kaufen.

Heberlein hat mit Medical and Industrial ein zweites Standbein aufgebaut. Sind die Gewinnmargen hier höher als im Bereich Textile?

Nein, Textile ist sehr rentabel, weil Heberlein hier Marktleader ist. Unsere Produkte ermöglichen es, Textilmaschinen mit hoher Geschwindigkeit und energiesparend zu betreiben sowie Garn hoher Qualität zu fertigen. Unsere Technik ist also für die Kunden wertvoll, und diese sind bereit, dafür zu zahlen. Im Bereich Medical ist die Rentabilität tiefer, da die Marke, unter der unsere Produkte an die Patienten verkauft werden, unseren Kunden gehört.

Was bedeutet es, für eine 180 Jahre alte Firma zu arbeiten? Ist das überhaupt im Firmenalltag noch spürbar?

Ja, das ist spürbar. Die Mitarbeiter sind stolz darauf, für Heberlein zu arbeiten. Sie engagieren sich, wie wenn Heberlein ihre eigene Firma wäre. Im Sommer verschoben Mitarbeiter ihre Ferien, weil wir die Produktion wegen vieler Aufträge nicht stoppen konnten. Ich schätze eine solche Einstellung sehr.

Bei den meisten Firmen, für die Sie gearbeitet haben, sind Sie nach drei bis vier Jahren weitergezogen. Wie lange wollen Sie bei Heberlein bleiben?

Ich habe für Heberlein einen langfristigen Plan. Ich habe auch für die australische Firma Brickwood länger als die erwähnten drei bis vier Jahre gearbeitet. Als ich jung war und in China arbeitete, wechselte ich häufiger, weil ich neue Erfahrungen sammeln und dazulernen wollte.

Wie funktioniert die Kommunikation mit der Muttergesellschaft Jinsheng-Group in China? Ich sehe Probleme nur schon wegen der Zeitverschiebung.

Die Besitzer sind nicht ins tägliche Geschäft involviert, sondern verhalten sich wie Aktionäre. Wir berichten an den Verwaltungsrat von Heberlein. Es gibt regelmässig Treffen mit dem Verwaltungsrat, in denen es um die Strategie und den Geschäftsgang geht.

Spürt Heberlein als in chinesischem Besitz befindliche Firma die Handelssanktionen der USA gegen China?

Momentan spüren wir noch keine Auswirkungen der Handelssanktion der USA. Wir sind eine Schweizer Gesellschaft und liefern von hier aus. Wir haben die Produktion bisher wegen der Handelssanktionen der USA nicht reduzieren müssen. Wir sind aber schon besorgt über die neuste Situation.

Die Textilmaschinen-Industrie ist bekannt für starke Auf- und Abschwünge. Wie wirkt sich das auf Heberlein aus?

So ist nun mal der Markt für Textilmaschinen. Heberlein ist sehr flexibel. Wenn wir mehr Aufträge erhalten, als wir bewältigen können, greifen wir zum Mittel des Outsourcings. Das ist besser, als grosse Kapazitäten aufzubauen, die im Abschwung ungenutzt bleiben. Aber die Profitabilität leidet natürlich stark bei grossen Abschwüngen, wie sie im Textilsektor möglich sind.

Zur Person: Eva Wang

Die chinesisch-stämmige Australierin Eva Wang ist seit November 2017 General Manager der Wattwiler Heberlein AG. Sie stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis als Produktionsstandort aus. Die Heberlein AG umfasst momentan 84 Vollzeit-Stellen. Eva Wang will mit den Produkten von Heberlein in zusätzliche Absatzmärkte ausserhalb der Textilmaschinen- und der Medizinal-Technik-Industrie expandieren.

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