Gertrud Schmucki, Geschäftsstellenleiterin der Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg in Ebnat-Kappel: «Die Präsenz vor Ort ist wichtig»

Die Ankündigung der Raiffeisenbank, im Doppeldorf eine Beratungsbank zu werden, hat für Unruhe gesorgt. Nun erklärt Gertrud Schmucki, weshalb die Raiffeisenbank Ebnat-Kappel die Treue hält.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Teilen
Das Team der Geschäftsstelle Ebnat-Kappel der Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg, von links: Soraya Bossi, Gertrud Schmucki, Geschäftsstellenleiterin, Peter Schwager, Oliver Kauf, Michaela Bietenhader und Werner Kull.

Das Team der Geschäftsstelle Ebnat-Kappel der Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg, von links: Soraya Bossi, Gertrud Schmucki, Geschäftsstellenleiterin, Peter Schwager, Oliver Kauf, Michaela Bietenhader und Werner Kull.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Geschäftsstelle der Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg in Ebnat-Kappel wird ab 1. Januar zur Beratungsbank. Was ist darunter zu verstehen?

Gertrud Schmucki: Ab dem 1. Januar werden wir die Bargeldtransaktionen vollumfänglich an den Ein- und Auszahlungsgeräten in der 24-Stunden-Zone abwickeln. Entweder erledigen das unsere Kundinnen und Kunden selber mit ihrer Maestro- oder Kontokarte oder wir unterstützen sie während den Schalteröffnungszeiten wie bis anhin. Wichtig ist: die Bank bleibt geöffnet.

Dann müssen Kundinnen und Kunden für sämtliche bisher am Schalter erhaltenen Dienstleistungen in Zukunft einen Termin vereinbaren?

Nein, während den Schalteröffnungszeiten ist der Empfangsdesk immer von unseren Kundenberaterinnen und Kundenberatern besetzt. Für weitergehende Beratungen im Kredit- oder Anlagebereich empfehlen wir wie bis anhin, einen Termin zu vereinbaren.

Gertrud Schmucki.

Gertrud Schmucki.

Bild: Beat Lanzendorfer

Hat die Raiffeisengruppe bereits Erfahrungen aus anderen Regionen mit diesem Geschäftsmodell?

Ja, die Tendenz geht ganz klar in Richtung Beratungsbank. Die Bargeldtransaktionen an den Schaltern sind überall rückläufig. Auch der Sicherheitsaspekt spielt eine Rolle. Bei den offenen Schaltern müssen mindestens zwei Bankangestellte vor Ort im Schalterbereich anwesend sein.

Durch die Umstellung sind unsere Mitarbeiter flexibler und haben mehr Zeit für unsere Kunden.

Gibt es Statistiken, wie viele Menschen ihre Bankgeschäfte noch am Schalter tätigen?

Es gibt Berichte, dass die Bargeldtransaktionen an den Bankschaltern in den letzten vier Jahren in der Schweiz um rund 20 Prozent abgenommen haben. Wir spüren das auch und dies hat unseren Verwaltungsrat zu diesem strategischen Entscheid bewogen.

Hat der Wechsel zur Beratungsbank Auswirkungen auf den Personalbestand in Ebnat-Kappel?

Nein, im Gegenteil. Wir legen mit unserem bewährten Team den Fokus auf die ganzheitliche Kundenberatung in jeder Lebensphase. Das heisst von der Kontoeröffnung über den Erwerb eines Eigenheims, der Gewährung eines Firmenkredites bis zur Geldanlage und Pensionsplanung.

Sie haben Ihre Kundinnen und Kunden schriftlich über die Veränderungen informiert. Wie fielen die Reaktionen aus?

Wir haben viele besorgte Reaktionen erhalten. Ich möchte an dieser Stelle nochmals erwähnen, die Bank ist wie bis anhin während den Öffnungszeiten offen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen für alle Bankfragen zur Verfügung.

Speziell ältere Menschen dürften sich mit der Umstellung aber schwer tun. Was raten Sie Ihnen?

Das Echo ist von vielen älteren Menschen positiv. Sie sind sich gewohnt und bewusst, dass die heutige wachsende Digitalisierung und Automatisierung immer wieder Veränderungen bringt, vor denen sie sich nicht verschliessen möchten. Wichtig ist, dass wir vor Ort sind und Unterstützung leisten.

Im Dorf soll aber die Angst umgehen, die Raiffeisenbank werde ihren Geschäftssitz in Ebnat-Kappel mittelfristig aufgeben. Was ist an den Gerüchten dran?

An diesen Gerüchten ist zum Glück nichts dran. Die Präsenz vor Ort ist wichtig. Aus diesem Grund sind wir vor vier Jahren in den Neubau eingezogen. Die Kunden möchten im Dorf ihre Bankgeschäfte erledigen können.

Wir möchten nahe beim Kunden sein mit dem persönlichen Kontakt und die Geschäfte effizient erledigen können.

In welche Richtung wird sich die Bankenwelt im kommenden Jahrzehnt entwickeln?

Das Bankengeschäft ist und bleibt ein Vertrauensgeschäft. Der Kundenkontakt und die persönliche Kundenberatung für umfassende Geschäfte wie die Finanzierung eines Eigenheims, das Anlagegeschäft oder die Pensionsplanung werden wichtig bleiben. Einfachere Standardgeschäfte, wie eine Kontoeröffnung oder die Verlängerung einer laufenden Fest-Hypothek werden vermehrt online abgewickelt werden. Spannend ist, dass die Kunden dank dem Internet sehr gut informiert sind und doch oft zur Absicherung die Meinung eines Kundenberaters herbeiziehen.

Aktuelle Nachrichten