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Slam-Poetin erklärt auf der Zeltainer-Bühne die Genforschung messerscharf al dente

Die bodenständige Aargauer Wortkünstlerin und Slam-Poetry-Schweizer Meisterin Patti Basler war am Samstagabend mit ihrem Programm «Nachsitzen. Aus Gründen» im Kleintheater Zeltainer in Unterwasser zu Gast.
Rudolf Steiner
Patty Basler macht aus der Dunkelkammer ihrer Gefühle kein Geheimnis. (Bild: Rudolf Steiner)

Patty Basler macht aus der Dunkelkammer ihrer Gefühle kein Geheimnis. (Bild: Rudolf Steiner)

Zwei Stunden haut Patty Basler, musikalisch begleitet von ihrem Bühnenpartner Philipp Kuhn am Flügel, dem Publikum im fast ausverkauften Zelt die volle Ladung ihrer knallharten Einschätzungen, Analysen und Ansichten um die Ohren.

Die Gewinnerin des Comedy-Prix Walo 2018 und des Salzburger Stiers 2019 kommt zwar, obwohl sie Basler heisst, aus dem Kanton Aargau. Autokennzeichen AG wie Andreas Glarner. Ihr Landsmann und Berufsprovokateur der SVP aus Oberwil-Lieli – Glarner ist tatsächlich wie sein Name Glarner – den Basler gleich mehrmals in ihren lasziven, bitter-bösen Wortspielen persifliert und auf den sie offensichtlich in ihren messerscharfen Analysen, vorsichtig ausgedrückt, ganz und gar nicht stolz ist.

Analyse hat nichts mit Analfixierung zu tun

Dabei hat das Wort Analyse nicht im entferntesten etwas mit Analfixierung zu tun, sondern mit Baslers penibler Beobachtung und messerscharfer Einschätzung von Situationen, die die studierte Sprachwissenschaftlerin und Kriminologin zusammen mit Philipp Kuhn gnadenlos seziert und mit spitzer Zunge kommentiert.

Dabei redet sie dem Publikum nicht nach dem Mund, sie verbiegt sich auch physisch keine Sekunde, um irgendwelche Schenkelklopfreaktionen beim Publikum zu erheischen. Nur selten huscht ein Lächeln über ihr teils unter einer wilden, schwarz gelockten Mähne verborgenes Gesicht. Im Zwiegespräch mit Philipp Kuhn und dem Publikum versucht Basler mittels Stichwörtern ähnlich wie im Bob-Dylan-Song «Subterranean Homesick Blues» dem Geheimnis der menschlichen Gene auf die Spur zu kommen. «Wir sind gefangen im Steinzeitkörper und Sklaven unserer eigenen Gene, und der Körper ist nur das Abspielgerät unserer Gene», philosophiert sie.

Frauen haben zwei X-Chromosomen, darum ist bei ihnen alles doppelt, sie müssen also doppelt so viel arbeiten wie Männer, um gleich viel (oder gleich wenig) zu verdienen. Und Männer sind wegen des fehlenden Schwänzchens beim Y-Chromosom nur genetisch veränderte Weibchen, sogenannte Cis-Männchen. Dafür sind Frauen genetisch bedingt nachtblind, was aber bei der Fortpflanzung ein grosser Vorteil sei. Das Publikum applaudiert frenetisch.

Und via der politischen und einflussreichen Vorzeigefrauen Tamy Glauser, Chantal Galladé, Tamara Funiciello und speziell Magdalena Martullo-Blocher erklärt Basler die ganze Bandbreite von rot/grün. Dass auch sie im falschen Körper geboren sei, wobei sie es nicht nach dem männlichen gelüste, sondern nach dem von Christa Rigozzi und sie riet den Frauen: «Verbrennt eure BHs nicht, denn wir hängen faktisch zu fest daran!»

Ein Cervelat ist keine Festplatte

Sie macht aus der Dunkelkammer ihrer Gefühle kein Geheimnis und pinkelt in ihrer lasziven Artikulation gleich allen ans Bein. Die SP bekommt ihr Fett genauso weg wie CVP, FDP und GLP, aber ihr Lieblings Feindbild ist der ehemalige Gemeindepräsident von Oberwil-Lieli und SVP-Nationalrat Andreas Glarner, mit dem sie nie weder deutsch noch schwul (französisch) jassen würde. Sie erwähnt aber auch die braune Veranstaltung in der Tennishalle in unmittelbarer Nachbarschaft zum «Zeltainer» in Unterwasser und die Nestlé-Pulvermilchkinder.

Fazit ihrer subtilen und satirischen Genforschung: Ein Cervelat ist keine Festplatte und das Gras wächst grüner auf der anderen Seite. Das sei nicht lustig, aber wahr. Nachsitzen kann auch heilsam sein. Trotzdem: das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht, parodiert sie eine afrikanisches Sprichwort.

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