Gemeinsam Individualität leben – Im «Das Haus der Stille» in St.Peterzell kehrt wieder Leben ein

Im März wird das «Haus der Stille» in der Propstei in St.Peterzell unter einem neuen Leitungsduo wieder eröffnet.

Urs M. Hemm
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Für Brigitta Walpen (links) und Theresia Weyermann beginnt im «Haus der Stille» in der Propstei St.Peterzell ein neuer Lebensabschnitt.

Für Brigitta Walpen (links) und Theresia Weyermann beginnt im «Haus der Stille» in der Propstei St.Peterzell ein neuer Lebensabschnitt.

Bild: Urs M. Hemm

Zwei Jahre ist es her, dass die beiden Menzinger-Schwestern Paula Gasser und Vreni Büchel in Pension gegangen sind. Nun kehrt im «Haus der Stille» in St.Peterzell wieder Leben ein (siehe Kasten). Mit Brigitta Walpen und Theresia Weyermann hat ein neues Zweiergespann die Leitung übernommen.

«Am meisten geniesse ich unsere gemeinsamen Meditationen», sagt Theresia Weyermann. Einerseits würden die zwei Treffen um 7 und um 20Uhr Fixpunkte im Tag bezeichnen, an welche sie sich beide halten würden. «Andererseits ergibt das gemeinsame Meditieren der Mediation selbst eine andere Qualität, auch wenn jede für sich ist. Wir leben quasi gemeinsam unsere Individualität», sagt Theresia Weyermann.

In der Stille einfach ausruhen

«Im ‹Haus der Stille› ist jede Person willkommen, die einmal weg vom Alltag innerlich zur Ruhe kommen und zu sich finden will», sagt Brigitta Walpen. Eigentlich sei das «Haus der Stille» eine kleine Pension mit spirituellem Charakter, fügt sie an. An den Meditationen morgens und abends könnten die Gäste gerne teilnehmen, wenn sie es denn wünschten. «Wer möchte, kann mit uns auch gerne das Gespräch suchen oder ganz einfach in einer Atmosphäre der Stille leben und sich ausruhen oder die wunderschöne Landschaft des Neckertals erkunden.» Ausserdem bietet Brigitta Walpen Einzelstunden und Gruppenkurse in Feldenkrais an.

Das «Haus der Stille» ist Teil der einstigen Propstei in St.Peterzell.

Das «Haus der Stille» ist Teil der einstigen Propstei in St.Peterzell.

Bild Urs M. Hemm

Kennen gelernt haben sich die beiden an einer Beerdigung im Kloster Namen Jesu in Solothurn. «Wir sind ins Gespräch gekommen und blieben nachher in losem Kontakt», erinnert sich Theresia Weyermann. Eines Tages schliesslich habe Brigitta Walpen gefragt, ob sie nicht Lust hätte, mit ihr einmal das «Haus der Stille» in St.Peterzell zu besuchen. «Als ich das Haus betreten habe, sah ich, dass es genau meinen Bedürfnissen entsprach. Die Infrastruktur für mein Leben, meinen Lebensentwurf, stand quasi für mich parat, obwohl das Haus schon seit zwei Jahren geschlossen war», erzählt Theresia Weyermann.

St.Peterzell für eine Weile vergessen

Im Gegensatz zu Theresia Weyermann kannte Brigitta Walpen das «Haus der Stille» noch aus der Zeit, als ihre beiden Vorgängerinnen hier tätig waren. «Ich war an Auffahrt vor vier Jahren schon einmal hier und habe die zwei Schwestern kennen gelernt», sagt Brigitta Walpen.

«Das, was sie mit diesem Haus
gemacht haben, und ihre Ausstrahlung haben mich sehr berührt und mein Interesse geweckt.»

Bereits damals seien sie auf der Suche nach einer Nachfolge gewesen und sie habe sich mit dem Kirchenverwaltungsrat darüber ausgetauscht. Dieser habe sich dann aber dafür entschieden, die Stellen öffentlich auszuschreiben. «Ich habe dann gesehen, dass ich ohnehin eine zweite Person für die Führung des Hauses brauchen würde, dass ich es nicht alleine machen könnte», sagt sie. «Dazu kam – ich stand damals drei Jahre vor meiner Pensionierung – dass man mit dem Betrieb des «Haus der Stille» finanziell auf sich selbst gestellt ist und ich kurz zuvor eine neue Stelle angetreten hatte.»

Darüber hinaus habe ihr der kirchliche Hintergrund gefehlt. So könne sie beispielsweise keine Exerzitien begleiten, wie es vom Kirchenverwaltungsrat gewünscht war. «Also habe ich St.Peterzell für eine ganze Weile vergessen», sagt Brigitta Walpen, bis sie eben bei einem Aufenthalt im Kloster Namen Jesu Theresia Weyermann getroffen habe.

Danach sei alles ganz schnell gegangen. «Ich hatte schon an etlichen Exerzitien teilgenommen, aber immer nur auf der anderen Seite des Tisches», erzählt Theresia Weyermann. Also habe sie sich bei einer entsprechenden Ausbildnerin nach den Voraussetzungen, solche begleiten zu können, erkundigt. «Glücklicherweise erfüllte ich bereits alle Bedingungen, so dass ich gleich mit dem Ausbildungskurs beginnen konnte.» Somit hätten sie also die Anforderungen des Kirchenverwaltungsrates erfüllt und unterschrieben im Herbst des vergangenen Jahres schliesslich den Vertrag.

Lohn reicht nicht für zwei

Wenn die vier Zimmer im «Haus der Stille» ständig belegt sein würden, könnte es genug abwerfen, um zwei Löhne zu generieren. «Es ist für mich ein Wagnis, mit 61 Jahren noch ein solches Abenteuer einzugehen», sagt Theresia Weyermann. «Ich weiss aber, dass es das Richtige ist.» Dennoch: Um in den ersten Jahren über die Runden zu kommen, werde sie sich demnächst nach einer Stelle in der Altenpflege umschauen, wo sie in den vergangenen Jahren bereits gearbeitet hatte.

In den ersten Wochen im Toggenburg hatten die beiden Zeit, sich besser kennen zu lernen und sich an ihr neues Leben in St.Peterzell zu gewöhnen. «Wir haben zwar gemeinsam das Konzept für das ‹Haus der Stille› erarbeitet, zusammen gelebt aber haben wir zuvor noch nie», sagt Brigitta Walpen. Dazu komme, dass beide Familien und Freunde in Schönenwerd, respektive Bern für die Arbeit hier zurückgelassen haben. Theresia Weyermann fügt an:

«Wir sind hier im Dorf sehr herzlich aufgenommen worden. Viele scheinen froh zu sein, dass im ‹Haus der Stille› wieder Licht brennt. Dennoch wird es eine gewisse Zeit brauchen, sich einzuleben».

Nach Möglichkeit nehmen die beiden Frauen an Angeboten in der Falk-Kapelle teil, beispielsweise am Rosenkranz- oder Abendgebet. Brigitta Walpen singt im Kirchenchor mit. Beide freuen sich auf weitere Begegnungen im Dorf und natürlich auf die ersten Gäste.

«Haus der Stille» in St.Peterzell

Das «Haus der Stille» ist ein Ort, an dem die Begegnung mit sich selbst möglich ist. Als Gäste werden Frauen und Männer jeglicher Konfession begrüsst, die für sich ungestört eine stille Auszeit suchen:
– Ein paar Tage abschalten, Zeit für sich haben, nichts müssen
– Während Tagen mit Meditation und persönlicher Begleitung im eigenen Prozess weiterkommen
– An einem Ort sein, an dem ganzheitlich mit spirituellen und Körper-Übungen aufgetankt werden kann
– In einer Atmosphäre der Stille leben, ausruhen, durchatmen, zur Mitte finden. (pd/uh) www.hausderstille.ch