Gemeinde Mosnang rüstet den Dorfbach für ein Jahrhundert-Hochwasser

In diesen Tagen beginnt die Sanierung des Dorfbachs in Mosnang. Handlungsbedarf war schon länger gegeben.

Sabine Camedda
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Enge Platzverhältnisse: Derzeit werden im Bereich Schulstrasse Werk- und Kanalisationsleitungen verlegt. Die provisorische Schulstrasse ist bereits fertig (hinter dem Bagger rechts).

Enge Platzverhältnisse: Derzeit werden im Bereich Schulstrasse Werk- und Kanalisationsleitungen verlegt. Die provisorische Schulstrasse ist bereits fertig (hinter dem Bagger rechts).

Bild: Sabine Camedda

Dass etwas geschehen muss, war den Mosnangern schon länger klar. Bei starkem Regen führte der Dorfbach, der zu einem grossen Teil unterhalb der Strassen durchs Dorf fliesst, Hochwasser. Die Röhren von einem Durchmesser von 60 bis 100 Zentimetern konnten die Wassermenge nicht schlucken. Dies führte zu Überschwemmungen.

Ein Sanierungsprojekt lag schon länger vor, im April 2016 lehnte die Bürgerschaft den Baukredit jedoch ab. Die Gemeinde als Bauherrin ging über die Bücher und legte im November 2018 ein neues, redimensioniertes Projekt vor. Es beschränkt sich auf das Gebiet von Stampfen bis zum Oberstufenzentrum, sprich auf das stark bebaute Gebiet, wo dringend Handlungsbedarf bestand. Das Projekt in der Höhe von vier Millionen Franken wurde vom Stimmvolk genehmigt.

Nun sind die ersten Baumaschinen beim Oberstufenzentrum aufgefahren. «Die beteiligte Bauunternehmung Oberhänsli Bau AG ist derzeit an Vorbereitungsarbeiten», sagt Bauleiter Elmar Steiger.

Platz für die neuen Röhren für den Dorfbach

Der neue Bachlauf ist für ein Jahrhundert-Hochwasser konzipiert. Das bedeutet, dass maximal neun Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchfliessen können müssen. Wegen der dichten Bebauung sei es an dieser Stelle nicht möglich, den Bachlauf zu öffnen. «Also müssen wir Rohre mit einem Durchmesser von 150 bis 170 Zentimeter unter die Strasse verlegen», erklärt Elmar Steiger.

Zum Einsatz kommen besondere GUP-Rohre, die eine hohe Festigkeit aufweisen und trotzdem dünne Wände haben, sodass der Platzbedarf möglichst gering ist. Damit diese Platz haben, müssen zuerst die Kanalisation und Werkleitungen umgelegt werden. Danach kann die eigentliche Arbeit am Bach beginnen.

Der neue Lauf werde gebaut, während das Wasser noch durch die alte Leitung fliesst, erklärt Elmar Steiger. So könne man allfällige Trübungen verhindern und die Sperrfrist für Bauarbeiten im Gewässer umgehen. Beim Oberstufenschulhaus, wo der Bach aus der Eindohlung fliesst, wird ein Energievernichtungsbauwerk erstellt. Elmar Steiger beschreibt dies als kleinen Weiher, wo immer Wasser steht. So soll dort das fliessende Wasser abgebremst werden, sodass es im weiteren Lauf keine Schäden verursacht.

Ebenfalls im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten wurde eine provisorische Ersatzstrasse für die Schulstrasse erstellt. «Wir müssen auch während der Bauarbeiten den Zugang und die Zufahrt zum Schulareal, zu den Liegenschaften und zum Gewerbebetrieb sicherstellen, die durch die Schulstrasse erschlossen sind», erklärt Elmar Steiger. Die provisorische Strasse führt über das Areal des Tennisplatzes und des Restaurants Krone in die Hauptstrasse.

Die Strasse ist mit einem Asphaltbelag versehen, damit allfällig der Winterdienst gewährleistet werden kann. «Wir rechnen damit, dass das Provisorium ab dem 10. Februar, während etwa zweier Monate genutzt werden muss», schätzt Elmar Steiger. Doch auch danach bleiben die Mosnanger nicht gänzlich von der Baustelle verschont. Die nächste Etappe der Sanierung des Dorfbachs ist jene im Bereich der Hauptstrasse. Dort wird ein Lichtsignal in Betrieb genommen.

Bauarbeiten bis im Sommer 2021

Mit dem Einbau der neuen Rohre in der Schulstrasse beginnt die Sanierung des Dorfbachs Mosnang. Realisiert wird ein Projekt für den Bereich Oberdorf bis zum Oberstufenzentrum. Dabei wird der Bachlauf auf ein Jahrhundert-Hochwasserereignis konzipiert. Das bedeutet, dass der Lauf eine Wassermenge von neun Kubikmeter pro Sekunde schlucken muss.

Entsprechend sind die Rohre dimensioniert worden. Die Bauarbeiten an der rund 700 Meter langen Strecke, die saniert wird, dauern voraussichtlich bis im Sommer 2021. Weil man am fliessenden Gewässer arbeite, müsse man die Sperrfristen wegen der Laichzeit der Fische beachten, erklärt Elmar Steiger. So dürfen zwischen dem 1. November und dem 1. April keine Arbeiten vorgenommen werden, die das Bachwasser trüben könnten.

Die Kosten für die Sanierung des Dorfbachs belaufen sich auf vier Millionen Franken. Davon übernehmen der Bund und der Kanton St. Gallen einen Teil, sodass Mosnang ein Betrag von rund zwei Millionen Franken bleibt.

Die Bauarbeiten erfolgen in Etappen gegen den Wasserlauf. Als Erstes wird ein rund 100 Meter langes Stück im Bereich der Schulstrasse saniert. Anschliessend werden die neuen Rohre in der Hauptstrasse verlegt. Während dieser Etappe werde der Verkehr einseitig geführt, geregelt durch ein Lichtsignal.

In einem weiteren Schritt wird der Abschnitt des Dorfbachs im Hinterdorf erneuert. Dabei werde der Bachlauf geöffnet und fliesse zukünftig oberirdisch, erklärt Elmar Steiger. Weiter oben im Bereich der Oberdorfstrasse werde ein Betonkanal erstellt, in welchem das Wasser fliesst. Aus Platzgründen werde dieser eingedohlt und unter der Oberdorfstrasse und dem Werkhof der Firma Oberhänsli verlaufen.

Am Rand der Bauzone bekommt der Dorfbach viel Platz. Dort sollen sich Geschiebe und Bäume absetzen, wenn der Dorfbach einmal Hochwasser führt. Dieser Kiessammler ist mit einer Zufahrt erschlossen, sodass er auch maschinell geleert werden kann. (sas)

Verständnis von den Anwohnern gefordert

Elmar Steiger ist sich bewusst, dass die Anwohner des betroffenen Quartiers mit Behinderungen konfrontiert sind und Verständnis für die Bauarbeiten aufbringen müssen. «Wir versuchen, die Einschränkungen so klein als möglich zu halten», sagt er.