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Gegner des Windparks erhielten deutlich mehr Applaus

Beim Verein «Gegen Wind Älpli» warnten drei Votanten vor der Landschaftszerstörung und der Unwirtschaftlichkeit sowie vor dem Infraschall des geplanten Windkraftwerks. Thomas Grob warb an einer Veranstaltung im Wattwiler Thurpark für die dezentrale Stromproduktion und für regionale Wertschöpfung.
Martin Knoepfel
Ungefähr könnte es aussehen, wenn die drei auf dem Älpli oberhalb von Krinau geplanten Windräder stehen. (Visualisierung: PD)

Ungefähr könnte es aussehen, wenn die drei auf dem Älpli oberhalb von Krinau geplanten Windräder stehen. (Visualisierung: PD)

Über 100 Personen waren am Freitagabend in den Grossen Saal im Wattwiler Thurpark gekommen. Dies trotz der Konkurrenz durch die Fussball-WM. Sie harrten bis eine halbe Stunde vor Mitternacht aus. Der Verein, der sich gegen das geplante Windkraftwerk auf dem Älpli oberhalb von Krinau und Libingen wehrt, hatte zu einem Informationsabend eingeladen, der zugleich dazu diente, neue Mitglieder zu gewinnen.

Kurt Müller, Vorstandsmitglied im Verein, befürchtet wegen der Anlage auf dem Älpli starken Lärm am Tag und in der Nacht sowie Schattenwurf wie in einer Disco. «Das ist unerträglich». Windräder seien eine tödliche Gefahr für Vögel. Der Bau der Anlage bedinge Hunderte Lastwagenfahrten, sagte er. «Nur die Grundbesitzer kassieren fette Abfindungen», ist sein Fazit. Dafür will er die Zerstörung der Heimat nicht hinnehmen.

Martin Jäger kämpft gegen Windkraftwerke in Graubünden. Er sekundierte Müller unwidersprochen mit der Schätzung, dass das Baurecht für das Windkraftwerk 15 000 bis 40 000 Franken pro Jahr und Hektare wert sei. Eine Alp bringe dem Besitzer 2000 bis 6000 Franken ein. Profitieren würden auch die Thurwerke dank der Energieförderung.

Alle Windkraftwerke in der Schweiz hätten letztes Jahr Strom mit einem Börsenwert von 5,3 Millionen Franken erzeugt und 28 Millionen Franken Förderung erhalten, sagte Jäger. Nur drei Anlagen in der Schweiz hätten einen Wirkungsgrad von mehr als 25 Prozent. Alle stünden bei Martigny im Rhonetal, wo es Verhältnisse wie auf dem Meer gebe. Jäger wundert sich über die Wahl des Anlagentyps, der für Winde von knapp 22 bis 29 Kilometern pro Stunde ausgelegt sei. Im Älpli seien es im Jahresmittel gut 16 Kilometer pro Stunde.

«Entfernung ist einzige Therapie bei Infraschall»

Da das Wetter in Mitteleuropa meist ähnlich sei, könnten Windkraftwerke und Fotovoltaik nicht zu einer stetigen Stromproduktion beitragen, sagte der Zell- und Molekularbiologe Werner Roos. Er ist Sprecher einer Bürgerinitiative aus dem Schwarzwald. Kernkraftwerke könne man nicht mit Sonne und Wind ersetzen. Mit Wind Strom zu produzieren, sei wegen der geringen Dichte der Luft sehr ineffizient.

«Wenn sie nichts bringen, sind sie wenigstens harmlos? Sind sie nicht», lautete sein Fazit. Windkraftwerke erzeugten den unhörbaren Infraschall. Dieser verursache Bewegungsanreize im Innenohr, die Stress, Schlafstörungen sowie Depressionen und ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt bewirkten. Aus ärztlicher Sicht gebe es nur eine Therapie: Sich von der Quelle des Infraschalls entfernen. Man darf laut Roos Windkraftwerke bauen, wenn die Distanz zu den Siedlungen das Zehnfache der Höhe der Anlage beträgt. Es brauche aber mehr Forschung, sagte er.

In der Diskussion äusserte eine Frau die Befürchtung, dass die Immobilienpreise in Krinau wegen des Projekts sinken. Thomas Grob sagte, dass das nur ein kurzfristiger Effekt wäre. Ein Mitarbeiter der SAK betonte, es gebe keine Stromproduktion ohne Nachteile. Ein Ornithologe wies auf die grosse Bedeutung des Älpli für die Zugvögel hin.

«Bester Standort im mittleren Toggenburg»

Thomas Grob, Verwaltungsratspräsident der Thurwerke, stellte eingangs das Projekt vor, wohl im Bewusstsein, ein Auswärtsspiel zu absolvieren. Die Groupe E – «die Westschweizer SAK» (Grob) – und die Thurwerke sind die Initianten. Die Groupe E ist laut Grob an die Thurwerke herangetreten, da sie viel Erfahrung mit Windkraftwerken hat. Die drei Windräder sollen je 210 Meter hoch werden und 21 Gigatwattstunden Strom pro Jahr produzieren. Ein schmaler Korridor auf dem Älpli sei der beste Standort im mittleren und unteren Toggenburg, da genug Wind wehe und da die Anlage nicht in einem Gebiet erstellt werde, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler zu stehen komme. Alle Windräder seien mindestens 300 Meter von Wohnhäusern entfernt. Die Erschliessung, eventuell von Kengelbach, sei machbar, versicherte Grob. Die Folgen des Projekts für Vögel und Fledermäuse sowie der Schattenwurf müssten vertieft untersucht werden, sagte er. Die dezentrale Stromproduktion bringe Wertschöpfung im und fürs Toggenburg. Der vom Volk beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie mache neue Anlagen nötig. Die Alternative zum Ausbau der Fotovoltaik und der Windenergie wäre ein starker Ausbau der Wasserkraft, sagte er. Den Zeitplan, der von einer Inbetriebnahme 2023 ausgeht, nannte Grob ehrgeizig. Heute komme keine Form der Stromerzeugung ohne Förderung aus. Windräder im Obertoggenburg seien nicht sinnvoll, da dort der Tourismus wichtig sei und da viele Schutzgebiete von nationaler Bedeutung tangiert würden, sagte Grob. In der Diskussion warf eine Votantin ihm darauf vor, dass er die Touristen über die Bewohner stelle. Diese könnten nicht weggehen, sagte sie. Unter starkem Beifall rief sie dazu auf, «unser Krinau» zu retten. (mkn)

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