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Ganterschwiler Künstler stellt Gefieder aus Chromstahl her

Auf der Suche nach einem kreativen Ausgleich zu seinem Job hat Franz Weibel mehr als nur ein Hobby gefunden. In den Tieren aus Chromstahl und Flusssteinen stecken wahre Freunde.
Anne-Sophie Walt
Auf einem Felsbrocken badet eine Echse in der Sonne. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Auf einem Felsbrocken badet eine Echse in der Sonne. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Das Haus des Ganterschwiler Künstlers und Bildhauers Franz Weibel steht friedvoll auf einer Böschung vor der Dorfeinfahrt und strahlt eine heimelige Atmosphäre aus. Schon von Weitem sind Skulpturen aus Chromstahl und Stein erkennbar, welche die Fassade und den Garten zieren. Die Gemeinsamkeit der Kunstwerke ist nicht nur die Tatsache, dass sie alle aus Eisen und Steinen gefertigt wurden, sondern auch, dass es sich dabei immer um Tiere handelt. Vor allem Vögel und Insekten sind dargestellt. Auf einem Felsbrocken steht ein Greifvogel, der seine Flügel majestätisch ausstreckt und beschützend auf den Vorplatz hinunterschaut. An der Wand zum Werkstatteingang haftet eine Echse, die aussieht, als würde sie in der Sonne baden.

Der handwerklich begabte Franz Weibel ist gelernter Konstruktionsschlosser. Seit einigen Jahren ist er jedoch in einem ganz anderen Berufsfeld tätig. Er arbeitet halbtags in einem Büro. Parallel zur Büroarbeit hat er mit der Herstellung von Skulpturen begonnen. Die handwerkliche Tätigkeit ist für ihn ein wichtiger kreativer Ausgleich zum Arbeitsalltag vor dem Computer.

Mit einem Güggel fing alles an

Die Idee für die erste Skulptur entsprang aus einer amüsanten Begegnung. Früher besass Franz Weibel rund fünf Güggel und zehn Hennen. Als er seine Tiere eines Mittags fütterte, flatterte ein Güggel auf das Dach und schaute ihn schief an.

«In diesem Moment schoss mir die Idee durch den Kopf, ich könnte das lustige Tier in Form einer Skulptur verewigen.»

Der Güggel aus Chromstahl und Flussstein steht noch immer bei Franz Weibel im Garten. Verkaufen wolle er das Kunstwerk nicht, für das hat es für ihn einen zu grossen sentimentalen Wert. Tiere sind dem Künstler schon immer am Herz gelegen.

«Tiere sind mir manchmal lieber als Menschen, denn sie nehmen einen nicht auf den Arm.»

Der Güggel mit prachtvollem Gefieder steht auf einem Zaun seines Schöpfers Franz Weibel. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Der Güggel mit prachtvollem Gefieder steht auf einem Zaun seines Schöpfers Franz Weibel. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Die Herstellung einer Tierskulptur ist mit einem Zeitaufwand zwischen zehn und fünfzehn Stunden verbunden. Chromstahl ist ein härteres Material als andere Metallsorten und lässt sich deshalb nur schwer biegen und formen, was wiederum viel Zeit erfordert. Es ist ihm wichtig, dass seine Erzeugnisse eine lange Lebensdauer haben und da Chromstahl nicht rostet und sich auch durch die Launen der Natur nicht verbiegen lässt, hat er sich für dieses Material entschieden.

Für die Planung einer Skulptur benötigt Franz Weibel nichts weiter als ein Foto des Tieres, das er gerne in Stein und Chrom verewigen möchte. Zeichnen sei nicht so seine Stärke, dafür kann er sich ein Bild genau einprägen, wenn er es einmal anschaut. Weit voraus plant Weibel nicht gerne, wenn es um seine Kunst geht. Vielmehr geniesst er die Spontanität und kreiert das, wonach ihm gerade ist.

Flusssteine aus der Thur und dem Necker

Der naturverbundene Franz Weibel verbringt viel Zeit an der Thur, die sich nur wenige Meter von seinem Haus durch das Tal schlängelt, und sucht nach Steinen für seine Skulpturen. Da der Fluss immer wieder hohe Wasserstände bringt, wird viel Geröll aus dem Säntisgebiet angeschwemmt. Gelegentlich wandert Franz Weibel zum Ofenloch, das auch als Grand Canyon der Ostschweiz bezeichnet wird, und sucht dort nach aussergewöhnlichen Steinen.

Ein raffinierter Flugkünstler aus Chromstahl und Flussstein schwebt federleicht durch den Garten. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Ein raffinierter Flugkünstler aus Chromstahl und Flussstein schwebt federleicht durch den Garten. (Bild: Anne-Sophie Walt)

Vor vier Jahren hat Franz Weibel mit der Herstellung von Grills begonnen. Diese werden nach Wunsch des Kunden individuell entworfen, sodass es sich bei jedem Grill um ein Einzelstuck handelt. Er wollte ein Produkt kreieren, das nicht nur gut aussieht, sondern auch eine hohe Qualität aufweist. Es bedrückt ihn, dass immer mehr Menschen billige Produkte aus Online- und Discounterläden hochwertiger und langlebiger Ware vorziehen. Viele bevorzugen es, wenig Geld für Gebrauchswaren auszugeben und sie dafür immer wieder zu ersetzen.

Des Weiteren schleift Weibel von Hand Rohedelsteine und verarbeitet sie teilweise zu Schmuck. Zurzeit arbeitet Franz Weibel an Rosen aus Chromstahl, die er bald in Winterthur ausstellt. Welche Tiere und Pflanzen er in Zukunft noch schaffen wird, wird sich noch zeigen. Ideen hat der einfallsreiche Künstler bestimmt genug.

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