Gefahrenzonen entschärft – Warum Verkehrsteilnehmer künftig sicherer von Brunnadern nach Ganterschwil kommen

Durch Neusignalisationen sollen gefährliche Kreuzungen auf der Kantonsstrasse Brunnadern-Ganterschwil sicherer gemacht werden.

Urs M. Hemm
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Für die Neckertalerstrasse von Mogelsberg herkommend gilt neu ein «Kein Vortritt». Der Rechtsvortritt wurde aufgehoben.

Für die Neckertalerstrasse von Mogelsberg herkommend gilt neu ein «Kein Vortritt». Der Rechtsvortritt wurde aufgehoben.

Bild: Urs M. Hemm

Wer des Öfteren auf der Kantonsstrasse von Brunnadern in Richtung Ganterschwil fährt, kennt die Situation: Obwohl ab dem Dorfausgang in Brunnadern Tempo 80 gilt, ist man gut beraten, die Geschwindigkeit dennoch zu drosseln. Denn gleich nach der ersten Rechtskurve kommt die Einmündung der Neckertalerstrasse von Mogelsberg herab in die Hauptstrasse. Da kann es passieren, dass plötzlich ein Car oder ein Auto quer auf der Strasse steht, um abzubiegen.

Dies mit Recht, denn bis anhin galt für die Neckertalerstrasse Rechtsvortritt. Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik der Kantonspolizei St.Gallen,sagt:

«Da dies oft zu gefährlichen Situationen führte, wurde dieser Rechtsvortritt aufgehoben. Neu gilt dort das Signal ‹Kein Vortritt›.»

Wie diese Kreuzung wurden im vergangenen März an der Kantonsstrasse zwischen Brunnadern und Ganterschwil rund 20 weitere Stellen überprüft und in der Folge der Rechtsvortritt durch die Signale «Kein Vortritt» oder «Stop» ersetzt (siehe Zweittext).

Bei der Einmündung der Oberhelfenschwilerstrasse in die Hauptstrasse in Necker gilt neu «Kein Vortritt».

Bei der Einmündung der Oberhelfenschwilerstrasse in die Hauptstrasse in Necker gilt neu «Kein Vortritt».

Bild: Urs M. Hemm

Nur Sekundenbruchteile, um zu entscheiden

Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik der Kantonspolizei St.Gallen.

Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik der Kantonspolizei St.Gallen.

Bild: Hanspeter Schiess

Diese umfangreiche Überprüfung wurde gemacht, weil zwischen Brunnadern und Ganterschwil an verschiedenen Knotenpunkten das Vortrittsrecht unklar geregelt war: «Rechtsvortritt, kein Vortritt, Handlinien unkorrekte Trottoirüberfahrten – dem Verkehrsteilnehmer bleiben in der Regel nur Sekundenbruchteile, um zu entscheiden, wer nun im Recht ist und Vortritt hat. Das führt zu Unsicherheit und Zeitverlust in seinem Vorgehen, vor allem aber auch zu Rechtsunsicherheit im Streitfall», sagt Werner Lendenmann.

Zudem schreibe die Signalisationsverordnung vor, dass auf demselben Strassenzug eine einheitliche Signalisation, in diesem Fall Vortrittsregelung, zu herrschen hat.

Die Einmündung der Neckerstrasse aus Richtung Nassen in die Hauptstrasse wird künftig mit einem «Stop»-Signal geregelt.

Die Einmündung der Neckerstrasse aus Richtung Nassen in die Hauptstrasse wird künftig mit einem «Stop»-Signal geregelt.

Bild: Urs M. Hemm

Ob an einer Kreuzung die Signalisation «Kein Vortritt» oder «Stop» gilt, ist unter anderem abhängig von der Sicht. Werner Lendenmann sagt:

«Wenn die Sichtweiten sehr knapp sind, dann bietet sich das Stop-Schild geradezu an, um die Situation klarzustellen.»

In speziellen Fällen könne die Übersicht auch noch durch einen Spiegel verbessert werden.

Erstaunlich wenig Unfälle

Obwohl die Vortrittsverhältnisse auf der Kantonsstrasse Brunnadern–Ganterschwil bislang nicht immer klar geregelt waren, passierten in den vergangenen drei Jahren (1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2019) erstaunlich wenig Unfälle.

So wurde an der Einmündung der Oberhelfenschwilerstrasse in die Hauptstrasse in Necker ein Unfall verzeichnet, an der Kreuzung Neckertalstrasse und Letzistrasse sowie Aewilerstrasse in Ganterschwil vier und an der Einmündung der Neckerstrasse in die Hauptstrasse wurde während dieser gar kein Unfall verzeichnet.

«Kein Vortritt» gilt für Verkehrsteilnehmer, die in Ganterschwil von der Letzi- oder Aewilerstrasse auf die Neckertalstrasse einbiegen wollen.

«Kein Vortritt» gilt für Verkehrsteilnehmer, die in Ganterschwil von der Letzi- oder Aewilerstrasse auf die Neckertalstrasse einbiegen wollen.

Bild: Urs M. Hemm

«Man muss jedoch dabei wissen, dass diese Zahlen nur den Vorkommnissen entsprechen, bei denen die Kantonspolizei alarmiert wurde. Unfälle, die ohne Polizei geregelt wurden, oder Beinahunfälle sind in dieser Statistik natürlich nicht erfasst», gibt Werner Lendenmann zu bedenken.

Anordnungen nur aus triftigem Grund

Wenngleich die Signalisation zum Teil bereits angebracht sei, bestehe nach wie vor die Möglichkeit, Rekurs gegen diese Neusignalisationen einzulegen.

«Wer ein schutzwürdiges Interesse hat, kann Rekurs auf Änderung oder gar Aufhebung der Verordnung erheben. Ein schutzwürdiges Interesse wäre beispielsweise, wenn die Verordnung nicht rechtens wäre oder wenn jemand dadurch in irgendeiner Form eingeschränkt wäre», erläutert Werner Lendenmann.

«Im Normalfall ordnet die Polizei aber nichts ohne triftigen Grund an. Diese Neusignalisationen dienen einzig und alleine der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.»

Aufgehobene Vortrittsrechte

(uh) An folgenden Einmündungen in die Kantonsstrasse von Brunnadern nach Ganterschwil wird das Vortrittsrecht neu durch das Signal «Kein Vortritt» oder «Stop» geregelt:

Brunnadern
- Siggetswilerstrasse vor der Einmündung in die Haselackerstrasse
- Steigstrasse vor der Einmündung in die Dorfstrasse
- Austrasse vor der Einmündung in die Hauptstrasse

Necker
- Oberhelfenschwilerstrasse, Rennenstrasse sowie Neckertalerstrasse vor der Einmündung in die Hauptstrasse

Mogelsberg
- Staatstrasse Flawil-Aachsäge, Winzlisaustrasse vor der Einmündung in die Staatsstrasse Bütschwil-Ganterschwil
- Neckerstrasse vor der Einmündung in die Hauptstrasse

Ganterschwil
- Hinteranzenwilerstrasse, Bleikenstrasse, Pfaffenholzstrasse, Hengartenstrasse, Frohsinnstrasse, Buechstrasse, Feldstrasse, Letzistrasse / Aewilerstrasse
vor der Einmündung in die Neckertalstrasse.