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Kolumne

Gedanken einer jungen Frau zum Frauenstreik 2019: Wo führen wir unsere Töchter hin?

1991 fand in der Schweiz ein erster Frauenstreik statt. Damals war Corinne Bischof, die Verfasserin der Kolumne, noch nicht geboren. Wie sie heute über die Streikerinnen von damals denkt.
Corinne Bischof
Am Schweizer Frauenstreik vom 14. Juni 1991 beteiligen sich Hunderttausende von Frauen landesweit an Streik- und Protestaktionen wie hier eine Gruppe von Frauen auf dem Helvetiaplatz in Zürich. Motto des Streiks war «Wenn Frau will, steht alles still». (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri, 14. Juni 1991)

Am Schweizer Frauenstreik vom 14. Juni 1991 beteiligen sich Hunderttausende von Frauen landesweit an Streik- und Protestaktionen wie hier eine Gruppe von Frauen auf dem Helvetiaplatz in Zürich. Motto des Streiks war «Wenn Frau will, steht alles still». (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri, 14. Juni 1991)

Ich bin in meinem Leben schon vielen Feministinnen begegnet. Als linke Aktivistin ist es kein Wunder, dass sich viele von ihnen in meinem Freundeskreis befinden. Feministinnen sind starke Menschen, Mädchen mit einem stählernen Willen und junge Frauen mit einer grossen Wut, die in ihnen glüht.

Corinne Bischof, geboren 1999, freischaffende Journalistin und in stetem Kontakt zu politisierenden Jugendlichen und jungen Feministinnen. (Bild: PD)

Corinne Bischof, geboren 1999, freischaffende Journalistin und in stetem Kontakt zu politisierenden Jugendlichen und jungen Feministinnen. (Bild: PD)

Es ist eine Wut, die ich lange nicht verstanden habe. «Frauen verdienen viel weniger als Männer», haben die Feministinnen mir erzählt. «Und in der Politik haben sie ständig das letzte Wort», meinten sie weiter. «Wir müssen was ändern!» Ändern, dachte ich mir dann, ändern müsste man vieles, an vielen Orten auf dieser Welt. So viele Probleme gibt es, so viele mehr und grössere als die Frauenrechte in der Schweiz.

Achtlos gegenüber anderen Problemen stellen sich die Feministinnen aber nicht. Oder zumindest nur, wenn es nicht um Frauen und ihre Rechte geht. Und schlecht ist das nicht. Nur etwas selbstfokussiert, habe ich mir manchmal gedacht. Denn oftmals werden nur Probleme im eigenen Land angesprochen, während andere Frauen hinter dem Tellerrand verschwinden. Und in der Schweiz, dachte ich, geht es uns Frauen doch gut. Oder?

Ich bin im Jahr 1999 geboren. Zwischen Millennials und der Generation Z ist das eine bedenkenlose Zeit für ein Mädchen in der Schweiz. Dass der Kampf der Frauen eine lange, mühsame Geschichte ist, merke ich erst, als ich auf die ehemalige Nationalrätin Pia Hollenstein treffe.

Pia Hollenstein, geboren 1950, ehemalige Nationalrätin der Grünen, sie setzt sich für soziale, feministische und ökologische Ziele ein. (Bild: Corinne Bischof)

Pia Hollenstein, geboren 1950, ehemalige Nationalrätin der Grünen, sie setzt sich für soziale, feministische und ökologische Ziele ein. (Bild: Corinne Bischof)

Pia Hollenstein hat eine andere Geschichte. Als sie in meinem Alter war, hatte sie noch nie ihre Stimme abgegeben. Weder für ihr Dorf, noch für ihren Kanton, und nicht für ihr Land. Nicht mal für sich selbst, als ihr Vater einst erzählte, dass das Frauenstimmrecht «völlig unnötig» sei und «eh nur choschtet». Das war der Moment, in dem Pia Hollenstein politisiert wurde. Ein Moment, der einer jungen Frau eine starke Zukunft eröffnete.

Später war Pia Hollenstein von 1991 bis 2006 Nationalrätin für die Grünen. Ihren Wahlsieg vor 28 Jahren hat sie unter anderem einem zu verdanken: Sie ist eine Frau. Und Frauen wie Pia Hollenstein waren in diesem Jahr in aller Munde. Sie erzählt mir davon, wie sie und tausend andere im Jahr 1991 für die Gleichstellung gekämpft haben. Wie sie aufmüpfig waren und zum ersten Mal ihre Stimme erhoben. Gegen die Ungerechtigkeiten, die spürbaren Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Gesellschaft, in der Politik, im Beruf.

Der Frauenstreik 1991 und die Intensität, mit der Pia Hollenstein davon erzählt, beeindrucken mich. Plötzlich merke ich, dass sich in den letzten Jahren ziemlich viel verändert hat. Und dann sehe ich auch, warum ein Frauenstreik heute nötiger ist als je zuvor: Weil die Frauen vermehrt wieder in den Hintergrund geraten. Weil man in wichtigen Positionen vor allem nur Männer antrifft. Weil Frauen auch heute noch weniger verdienen als Männer. Weil Politik noch Männersache ist. Und weil man über Feministinnen schmunzelt, wenn sie für dieselben Rechte einstehen wie die Frauen damals im Jahr 1991.

Vielleicht hat man 1991 auch geschmunzelt. Vielleicht hat man damals auch gedacht, dass es grössere Probleme auf der Welt gibt, als die Frauenrechte in der Schweiz. Doch zum Glück gab es damals starke Menschen, Mädchen mit einem stählernen Willen und Frauen mit einer grossen Wut, die bis heute in ihnen glüht: die Feministinnen.

Doch jetzt sind wir an der Reihe. Die Millennials und die Mädchen der Generation Z. Ich bin an der Reihe, und andere genauso. Es ist Zeit, uns zu fragen: Wo führen wir unsere Töchter hin?

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