Kolumne

Fussball ist höchstens die Nummer 3

Redaktor Beat Lanzendorfer hat festgestellt, dass sich die Menschen in Südafrika mehr für Rugby und Cricket interessieren. 

Beat Lanzendorfer
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Beat Lanzendorfer, Redaktor.

Beat Lanzendorfer, Redaktor.

Bild: Ralph Ribi

Vor einer Woche spielten die Tennislegenden Roger Federer und Rafael Nadal in Kapstadt gegeneinander. Der Erlös des Schaukampfes fliesst der Federer Foundation zu, die sich für benachteiligte Kinder im südlichen Afrika einsetzt.

Als ich das Tennismatch im TV schaute, kamen Erinnerungen hoch. Vier Wochen zuvor war ich mit meiner Familie im selben Stadion, in dem die beiden Tennisstars einem begeisterten Publikum eine grosse Show boten.

Das Cape Town Stadium wurde im Hinblick auf die Fussballweltmeisterschaft 2010 neu erbaut und hatte damals ein Fassungsvermögen von 70000 Zuschauern. Nach einem Rückbau finden darin noch 55000 Zuschauer Platz.

Der «weisse Elefant», wie er im Volksmund genannt wird, verschlingt Unsummen für den Unterhalt. Es soll schon darüber diskutiert worden sein, das Stadion wieder abzubrechen, weil es einfach zu selten gefüllt werden könne und viel zu teuer im Unterhalt sei.

Ein Sitzplatzticket für 1,40 Franken

Nicht immer strömen nämlich wie bei Federer gegen Nadal über 50000 Zuschauer ins Oval. Beim Fussball – und für diesen ist der «weisse Elefant» ursprünglich konzipiert worden – herrscht oft gähnende Leere. Dass dem so ist, sahen wir am 8. Januar, als wir den Abstiegskampf der obersten Liga zwischen Cape Town City und AmaZulu Durban (2:2) besuchten. Es waren gerade einmal 4800 Zuschauer vor Ort.

Auch bei den Eintrittspreisen gab es zwischen dem Fussball und dem Tennis markante Unterschiede. Wir bezahlten für ein Sitzplatzticket mit bester Aussicht auf das Spielfeld 20 südafrikanische Rand. Umgerechnet sind dies ungefähr 1,40 Schweizer Franken. Bei Federer–Nadal hat das günstigste Ticket rund zehn Franken gekostet.

Obwohl das Lohnniveau in Südafrika um ein Vielfaches tiefer als in der Schweiz ist, könnte sich ein Grossteil der Bevölkerung den Eintritt für ein Fussballspiel durchaus leisten. Nicht wie bei uns, wo das Spiel mit dem runden Leder unangefochtene Nummer 1 ist, kommt Fussball in Südafrika nach Rugby und Cricket in der Beliebtheit aber im besten Fall an dritter Stelle.