Fussball
Die Massnahmen des Bundesrates haben auch Auswirkungen auf den Fussball der unteren Ligen – der Rückrundenbeginn im März ist kaum möglich

In anderen Jahren würde im Januar der Startschuss zur Vorbereitung für die Rückrunde erfolgen. In diesem Jahr ist auch bei den Fussballern der regionalen Ligen alles anders.

Beat Lanzendorfer
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Die Rollläden beim Klubhaus des FC Bazenheid dürften noch länger verschlossen bleiben.

Die Rollläden beim Klubhaus des FC Bazenheid dürften noch länger verschlossen bleiben.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Profis dürfen wieder – die Amateure nicht. Am nächsten Wochenende starten die zwei obersten Ligen im Schweizer Fussball mit dem zweiten Teil der Meisterschaft 2020/21. Wie es bei den regionalen Fussballern weitergeht, steht hingegen in den Sternen.

Noch grössere Unsicherheit dürfte aufkommen, wenn der Bundesrat wie angekündigt die Schraube weiter anzieht und am 13. Januar beschliesst, die aktuell geltenden Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus um fünf Wochen bis Ende Februar zu verlängern.

Diese Massnahmen beinhalten unter anderem die Schliessung der Restaurants, aber auch sämtliche Kultur- und Freizeitbetriebe. Davon betroffen sind auch die Fussballklubs der unteren Ligen, welche im März die Wiederaufnahme der Meisterschaft geplant hatten. Zumindest wäre dies laut Spielplan so vorgesehen gewesen.

Die Spieler vermissen die sozialen Kontakte

Gemäss Spielplan käme es am 14. März beim Rückrundenauftakt in der 2. Liga Interregional zum Derby FC Wil 2 – FC Bazenheid. In der Vorrunde gab es ein 1:1. Weil bis zum Unterbruch der Meisterschaft im vergangenen Oktober aber nur neun Spiele absolviert werden konnten, müssen zuerst die fehlenden drei nachgeholt werden.

Platz gesperrt heisst es beim FC Bazenheid sowie den weiteren fünf Toggenburger Fussballklubs.

Platz gesperrt heisst es beim FC Bazenheid sowie den weiteren fünf Toggenburger Fussballklubs.

Bild: Beat Lanzendorfer

Für Bazenheid hiesse dies, dass im März zuerst die Partien gegen Rüti (auswärts), Calcio Kreuzlingen (daheim) und Widnau (auswärts) im Vordergrund stehen.

Training in Kleingruppen nur bis 19 Uhr möglich

Sportchef Dejan Baumann kann sich dieses Szenario aber nicht vorstellen. «Wenn wir mit der Vorbereitung erst Anfang März beginnen können, ist es kaum vorstellbar, zwei Wochen später bereits um Punkte zu kämpfen.» Gemäss Bazenheider Sportchef geht aktuell gar nichts.

«Bis 19 Uhr dürften wir in Fünfergruppen trainieren, aber wir sind keine Profis.»

Er habe mit Trainer Raffael Spescha verschiedene Szenarien durchgespielt, diese seien aber wieder verworfen worden.

Zurzeit könne die sportliche Führung den Spielern lediglich empfehlen, sich selber fit zu halten. «Joggen könne das Training mit dem Ball auf Dauer aber nicht ersetzen, zumal auch die Fitnesscenter geschlossen sind, was die Möglichkeiten einschränkt», sagt Baumann weiter. Und dann spüre er im Gruppenchat, wie sehr die Spieler das gemeinsame Training vermissen.

Die Planungen gehen normal weiter

Martin Raschle, Spikochef beim FC Bütschwil, nimmt die Unsicherheit noch relativ gelassen, obwohl sie in seinem Fall mit viel Zusatzaufwand verbunden ist. «Vorerst plane ich ganz normal und ein Grossteil der Testspiele sind bereits vereinbart.» Die meisten davon dürften nie stattfinden.

In der Regel wird auf dem Bütschwiler Kunstrasen auch im Winter trainiert – nun ist er verwaist.

In der Regel wird auf dem Bütschwiler Kunstrasen auch im Winter trainiert – nun ist er verwaist.

Bild: Beat Lanzendorfer

Ähnliche Töne kommen aus Degersheim. «Bis vor Weihnachten haben die Junioren noch in der Halle trainiert. Im neuen Jahr haben wir es den Trainern vorerst freigestellt, ob sie weiterhin Übungseinheiten absolvieren möchten», sagt Stephen Bosshard, Präsident von Neckertal-Degersheim. Möglich wäre dies, denn Jugendliche bis 16 sind vom Trainingsverbot nicht betroffen.

30 Einheiten wären geplant

«Sollte bis im Sommer das vorgesehene Pensum durchgezogen werden, dann erwartet uns ein Mammutprogramm», sagt Domenico Esposito, Trainer des Viertligisten Kirchberg. Er könne sich dies zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht vorstellen.

Und mit einem Anflug von Galgenhumor: «Wir hätten ab Mitte Februar während eines Monats zweimal wöchentlich auf dem Kunstrasen in Wil trainieren können, darüber hinaus waren schon sechs Testspiele vereinbart. Auf dem Vorbereitungsplan des FC Kirchberg sind vom 15. Februar bis am 10. April dreissig Termine notiert.

Wann auf der Kirchberger Sonnmatt wieder Fussball gespielt wird, das steht in den Sternen.

Wann auf der Kirchberger Sonnmatt wieder Fussball gespielt wird, das steht in den Sternen.

Bild: Beat Lanzendorfer

Der letzte wäre der Rückrundenbeginn gegen Bazenheid II. Daraus dürfte kaum etwas werden. So wie Bazenheid, Bütschwil, Kirchberg und Neckertal-Degersheim geht es auch Wattwil Bunt und Ebnat-Kappel.

Für Menschen, die gerne Fussball spielen oder eine andere Sportart mit Körperkontakt betreiben, sind es schwierige Zeiten. Die Aussage von Kirchberg-Trainer Domenico Esposito widerspiegelt die Gefühlslage ziemlich treffend: «Immer nur Rennen macht auf Dauer einfach keinen Spass.»