Fusion im Neckertal: Anliegen und Ängste ernst nehmen

Das Kernteam für die Gemeindefusion hat erste Infoveranstaltungen vor der Vernehmlassung durchgeführt.

Urs M. Hemm
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Bei Toni Hässig stapeln sich die Ordner mit Unterlagen zur Gemeindefusion.

Bei Toni Hässig stapeln sich die Ordner mit Unterlagen zur Gemeindefusion.

Bild: Urs M. Hemm

Auch wenn das Gesuch um Förderbeiträge zurzeit beim Departement des Inneren des Kantons St. Gallen noch hängig ist – das Kernteam rechnet mit einem Beschluss der Regierung über die Höhe der kantonalen Beiträge bis Mitte Dezember dieses Jahres – stehen die Vorbereitungsarbeiten für die geplante Fusion der Gemeinden Oberhelfenschwil, Hemberg und Neckertal nicht still.

«Wir haben zwischenzeitlich diverse interne Informationsanlässe für die Mitarbeitenden der Verwaltungen und mit den Teams der beteiligten Schulgemeinden durchgeführt», sagt der Leiter des Kernteams, Toni Hässig. Coronabedingt hätten diese Anlässe jedoch nur in kleineren Gruppen durchgeführt werden können.

«An diesen Anlässen sind berechtigte Anliegen vorgebracht worden, die wir vom Kernteam nach Möglichkeit in der Vernehmlassungsbotschaft entsprechend berücksichtigt haben», sagt Toni Hässig.

Es wird kaum Anpassungen geben

Toni Hässig betont die Wichtigkeit eines solchen direkten Austauschs, da so auf Ängste und Bedenken vor Veränderungen, die ein Projekt solchen Ausmasses zwangsläufig mit sich bringen würde, direkt eingegangen werden könne. Toni Hässig nennt ein Beispiel:

«Wenn in der Verwaltung Ämter zusammengelegt werden, kommt automatisch die Angst um die eigene Stelle auf.»

Tatsache sei aber, dass bereits diverse Aufgaben der Verwaltungen in Oberhelfenschwil und Hemberg von der Verwaltung der Gemeinde Neckertal wahrgenommen wurden. «In diesen Bereichen wird es kaum Anpassungen geben», sagt Toni Hässig.

Auch in Bezug auf andere Stellen in der Verwaltung konnten die Verantwortlichen des Kernteams die Mitarbeitenden beruhigen. Denn die Anfragen und Aufgabenstellungen an die Verwaltung würden auch nach einer Fusion nicht weniger.

Um diese zu bewältigen, sei die Gemeinde auf das Wissen der Mitarbeitenden der bisherigen Gemeinden angewiesen. Das Einzige, was er nicht ausschliessen könne, sei, dass sich die Funktion einzelner Mitarbeitenden, je nach Bedarf, ändern könnte.

Klare Trennung der Kompetenzen

Im Bereich Schule wurde von Seiten Schulleitungen insbesondere die Führung der Schule und damit auch die Rolle der Schulleiter und Lehrpersonen thematisiert. Grundsätzlich ist die Einführung eines Models mit einer Schulkommission vorgesehen, welche die strategische Führung zu verantworten hat.

Ihr Vorsitz hat ein Schulpräsidium, das auch Mitglied des Gemeinderates ist. Die Kommission fällt vorwiegend strategische Entscheidungen und bestimmt deren allgemeine Ausrichtung gemäss den gesellschaftlichen Bedürfnissen. Sie ist auch zuständig für die Kommunikation mit den verantwortlichen Behörden des Kantons. Toni Hässig sagt:

«Dem Kernteam ist eine ausgewogene und fachlich qualifizierte Zusammensetzung der Schulkommission wichtig, um die Schulführung sicherzustellen.»

Deren Wahl erfolge durch den Gemeinderat. Der Kommission beiseitegestellt wird die Schulleitungskonferenz. «Sie ist besetzt mit Schulleiterinnen und Schulleitern sowie Vertretungen aus der Lehrerschaft. Ihr wird die operative Führung der Schule übertragen», erläutert Toni Hässig.

Geleitet wird dieses Gremium von einer Leitung Volksschule. Die Aufgabe der Schulleitungskonferenz wird es unter anderem sein, die Entwicklung der Schule im pädagogischen Bereich festzulegen und diese den strategischen Vorgaben der Schulkommission anzupassen. Ihr obliege es auch zuhanden der Schulkommission das Budget für das kommende Jahr zu erstellen.

Dem Kernteam sei es trotz einer übergeordneten Schulorganisation ein grosses Anliegen, dass die einzelnen Schuleinheiten ihre Individualität beibehalten. Sei es in der Vielfalt der Schulmodelle, in denen gemeinsam oder getrennt geführte Klassen ebenso Platz haben sollen wie das altersdurchmischte Lernen. Sei es in der Pflege ihrer eigenen Schulkultur, die sie über viele Jahre hinweg aufgebaut haben.

«Dafür ist es von zentraler Bedeutung, dass alle Schulstandorte erhalten bleiben und weiter betrieben werden können. Bestehende Schulstandorte stehen daher auch nicht zur Diskussion.»

Das sagt Toni Hässig zu geäusserten Bedenken, das im Zuge der Fusion Schulstandorte geschlossen werden könnten. Zuversichtlich stimme ihn diesbezüglich, dass die Anzahl von Kindergarten- und Schulkindern gemäss möglichen Prognosen in allen drei betroffenen Schulgemeinden mittelfristig konstant bleiben.

Deren Erhalt stelle einerseits sicher, dass die Schulwege insbesondere für Kindergarten- und Primarschüler möglichst kurz bleiben. Andererseits sei, dessen sei sich das Kernteam bewusst, der Erhalt der Schulstandorte von Bedeutung, damit die dazugehörende Infrastruktur weiterhin von der Bevölkerung und den Dorfvereinen für ausserschulische Aktivitäten genutzt werden könne.

Konsultationen zur Botschaft sind in Planung

Vorausgesetzt, die Antwort der St. Galler Regierung trifft Mitte Dezember ein, ist am Montag, 11. Januar, eine Informationsveranstaltung für alle Vernehmlassungsadressaten, wie politische Parteien, Vereine und Institutionen vorgesehen. Das Ergebnis aus dieser Konsultation wird die Abstimmungsbotschaft sein.

Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung der Gemeinden Oberhelfenschwil, Hemberg und Neckertal sind zu späteren, noch festzulegenden Zeitpunkten, in den Gemeinden geplant. Über die endgültige Fusion der drei Gemeinden Oberhelfenschwil, Hemberg und Neckertal entscheidet die Bevölkerung am Sonntag, 13. Juni 2021.