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Er setzte sich am einzigen Ort durch, wo kein Lehrermangel herrschte

Hans Fluri unterrichtete nicht weniger als 45 Jahre in der Schulgemeinde Wattwil. Er wurde 1984 aus dem Dorf in die Aussenschule Schönenberg geschickt. Im Rückblick bezeichnet er das als Glücksfall.
Martin Knoepfel
Hans Fluri unterrichtete seit 1984 bis zum Ende des letzten Schuljahres Primarklassen im Schulhaus Schönenberg oberhalb von Wattwil. (Bild: Martin Knoepfel)

Hans Fluri unterrichtete seit 1984 bis zum Ende des letzten Schuljahres Primarklassen im Schulhaus Schönenberg oberhalb von Wattwil. (Bild: Martin Knoepfel)

Auf den ersten Blick fallen im Schulzimmer die vielen Pflanzen auf. Sie stehen auf Gestellen, die Hans Fluri einst als Ferienarbeit aus Holzkisten gebastelt hat. Die Gestelle nehmen die Unterrichtsmaterialien auf, bieten Platz für die Blumentöpfe und last, but not least unterteilen sie den Raum. «Die Kinder fühlen sich so nicht die ganze Zeit unter Beobachtung», sagt Hans Fluri. Er ist seit 45 Jahren Lehrer in Wattwil. Das «Toggenburger Tagblatt» hat ihn besucht, wenige Tage, bevor er auf Ende des Schuljahres 2017/ 2018 in Pension gegangen ist.

Rückblende: Als Bauernkind durfte der Grabser Hans Fluri den damals noch freiwilligen Kindergarten nicht besuchen. «Wir haben genug Arbeit auf dem Hof», lautete das Argument. Die Schule gefiel Hans Fluri jedoch so gut, dass er sehr bald wusste, dass er dereinst Lehrer werden würde.

Den Berufswunsch setzte er in die Tat um und schloss 1973 als Zwanzigjähriger das Seminar ab. «Damals herrschte Lehrermangel. Im letzten Semester erhielten wir Angebote von vielen Schulgemeinden, die Lehrer suchten», erinnert er sich. Hans Fluri ging auf diese Lockrufe jedoch nicht ein und optierte für Wattwil – wo er sich allerdings für eine Stelle bewerben musste und dann auch das Rennen machte. «Ich war damals sehr sportinteressiert. Mir gefiel die Landschaft, sagt er. Und eine Rolle spielte die Methodiklehrerin am Seminar Sargans. Sie unterrichtete in Wattwil und hatte einen Hinweis, dass die Schule Lehrer suche, im Schulzimmer hängen. «Es war etwas Fügung dabei», sagt Hans Fluri heute.

Angefangen hat Hans Fluri im Schulhaus Hofjünger, gefolgt von zwei Jahren im Schulhaus Wis, wo er 36 Viertklässler – es war eine einzige Klasse – unterrichtete. Nächste Station war das Schulhaus Dorf. 1984 wurde er «verknurrt», ins Schulhaus Schönenberg in eine Mehrklassenschule zu wechseln. «Ich war noch ledig und es hiess, es brauche im Schönenberg einen erfahrenen Lehrer», erinnert sich Hans Fluri. Und nach kurzer Zeit fühlte er sich sehr wohl im Schulhaus, das bis zur Pensionierung sein Arbeitsort sein sollte.

Überzeugt von der Mehrklassenschule

Eine Mehrklassenschule habe sehr viele Vorteile, ist Hans Fluri überzeugt. «Der Mensch lebt in einer Gemeinschaft. Die Mehrklassenschule entspricht der natürlichen Gemeinschaft. Dazu kommt, dass jedes Kind anders lernt. Dass 20 Kinder das Gleiche tun, ist nicht kindgerecht. In einer Mehrklassenschule sind die Klassen im Grunde viel kleiner», sagt Hans Fluri.

Zudem sei das Gerangel um die Rangordnung in Mehrklassenschulen weniger stark. Nicht zuletzt könne man in der Mehrklassenschule das Gefälle zwischen den Schülern besser kaschieren als in einer Klasse mit lauter Gleichaltrigen.

Hans Fluri hat lange mit Wochenplänen gearbeitet. «Jedes Kind entschied, wann es Deutsch und wann es Mathematik machen wollte». Die Kinder arbeiteten dabei mit Heften. Am Freitag zog der Lehrer die Hefte ein und kontrollierte, ob die Kinder die Wochenziele erreicht hatten. Daneben hat Hans Fluri angefangen, Fächer in Niveaugruppen jahrgangsübergreifend zu unterrichten und so den Klassenrahmen gesprengt. «Kinder sollen nie etwas erledigen müssen, das sie schon können», erläutert er. Die Kinder hätten so gerne und mehr gelernt. Die Oberstufe habe «seine» Schüler gerne übernommen, sagt er. Hans Fluri weiss, dass er als strenger Lehrer galt. «Ich habe die Kinder gefördert und gefordert», sagt er. Die meisten Eltern hätten ihn unterstützt, auch wenn er «übermotiviert» gewesen sei. Dies, weil sie sahen, dass er die Kinder förderte.

Plädoyer für den Erhalt der Aussenschulen

Sehr froh ist Hans Fluri, dass Wattwil die Aussenschulen nicht abgeschafft hat. Immer wieder sei es vorgekommen, dass Kinder sich in einer Aussenschule bewährt hätten, nachdem sie im Dorf untragbar gewesen waren. So habe man viele teuren Versetzungen in Sonderschulen vermeiden können, ist Hans Fluri überzeugt. «Es ist eine ländliche Welt hier im Schönenberg», sagt Hans Fluri. Der Druck, nach der neuesten Mode gekleidet zu sein, fehle. Auch Handys im Unterricht seien nie ein Problem gewesen. Nur wenige Kinder hätten eines. In Klassenlagern oder auf Schulreisen habe er Handys erlaubt, aber nur zum Fotografieren.

Hans Fluri hat in seiner Lehrerkarriere vier Lehrpläne erlebt. «Es hat sich viel geändert, aber es gab keine wesentliche Entwicklung», sagt er kurz und knapp. «Das Denken in Klassen gibt es immer noch, aber es passt nicht ins 21. Jahrhundert.»

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