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Interview

Ein Jahr nach Burglind: «Für die Natur sind Stürme durchaus positiv zu werten»

Ein Sturm muss nicht nur negative Folgen haben. Regionalförster Christof Gantner sieht auch positive Seiten.
Urs M. Hemm
Das Sturmtief Burglind verursachte vor allem in Teilen des oberen Toggenburgs erhebliche Schäden im Wald. (Bild: Sabine Camedda)

Das Sturmtief Burglind verursachte vor allem in Teilen des oberen Toggenburgs erhebliche Schäden im Wald. (Bild: Sabine Camedda)

Vor einem Jahr, am 2. und 3. Januar 2018, fegte das Sturmtief Burglind über die Schweiz. Von Westen herkommend erreichte der Sturm im Flachland gar Orkanstärke mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 226 km/h (Arth-Goldau) und hinterliess auch in Teilen der Toggenburger Wälder eine Schneise der Verwüstung. Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5 Toggenburg, blickt zurück und kann dem Sturm durchaus auch Gutes abgewinnen.

Christof Gantner, vor einem Jahr traf Burglind auch auf das Toggenburg. Wie stark wurde der Wald durch das Sturmtief geschädigt?

Christof Gantner. (Bild: Urs M. Hemm)

Christof Gantner. (Bild: Urs M. Hemm)

Das Toggenburg wurde ganz unterschiedlich durch «Burglind» getroffen. In der Region Wildhaus-Alt St. Johann, Sonnenhalb, hat der Sturm eine regelrechte Schneise geschlagen. Es fing in Starkenbach an und zog sich über den St.Johanner Berg, Steinrüti bis über Baholz und in Richtung Gams hin. In diesen Bereichen hat der Sturm nicht gerade ganze Flächen weggefegt, aber ein hoher Prozentsatz der Bäume hat er umgeworfen. Weiter unten im Tal, vor allem in der Gegend Wattwil/Lichtensteig, gab es kleinere Schäden. Alles in allem fegte «Burglind» ungefähr einen Drittel der gesamten Jahresnutzung um. Gerade oberhalb von Wildhaus waren Schutzwälder durch den Sturm stark betroffen.

Wie haben sich die Aufräumarbeiten gestaltet?

Anfangs mussten wir ein wenig improvisieren. Wir konnten gar nicht alles aufräumen, sodass ein Teil liegen geblieben ist. Primär wurde zuerst dort geräumt, wo eine Gefährdung der Bäume ausging, also für Strassen, Wege, Häuser, Infrastrukturanlagen und dort, wo Holz Bäche zu stauen drohte. Zudem wurden die Bäume geräumt, bei denen eine erhöhte Gefahr vor Borkenkäferbefall bestand. Wo dies nicht ging, machten wir die Bäume zumindest unattraktiv für den Borkenkäfer. Mit der Motorsäge wurden Schlitze in den Stamm geschnitten, damit die Rinde rasch austrocknet. Bis zu den Sommerferien waren aber alle Schäden beseitigt.

Sind auf den betroffenen Flächen Wiederaufforstungen geplant?

Gemacht wurde diesbezüglich kaum etwas, allenfalls werden jedoch noch einige Pflanzungen notwendig. Grundsätzlich werden wir abwarten, was uns die Natur bringt. Die Verjüngung war teilweise schon vorhanden und dort, wo es uns als zu wenig erscheint, werden wir mit Pflanzungen unterstützen. Dies wäre dann aber mehr als Starthilfe für die Natur gedacht.

Kann der Forst durch gezielte Massnahmen solche Sturmschäden verhindern oder zumindest auf Mass halten?

Der Sturm, die Natur im Allgemeinen, wird immer gewinnen. Was wir machen können, ist die Gesamtstabilität des Waldes zu erhöhen. Dies erreichen wir durch eine gute Mischung der Baumarten. Denn jeder Baum reagiert unterschiedlich auf Starkwinde, beispielsweise durch die Wurzelbildung. Zudem sind gerade im Winter Laubbäume wegen des geringeren Luftwiderstandes weniger gefährdet als Nadelbäume. Dennoch: Bei «Burglind» waren auch viele Laubbäume betroffen, was auf den Dominoeffekt zurückzuführen war. Wichtig erscheinen mir auch gestufte Bestände. Das heisst, dass in einem Waldstück Bäume unterschiedlichen Alters sind. Wenn die ältesten Bäume, also die Oberschicht weg ist, hat es bereits jüngere, starke Bäume, die nachkommen können. Dadurch ist die dauernde Bestockung gewährleistet.

Hat ein solcher Sturm trotz allem auch positive Auswirkungen auf den Wald?

Ein Sturm ist grundsätzlich ein natürliches Störungsereignis im Wald. Wir hatten in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder starke Stürme, die grosse Schäden verursacht haben. Das gibt aber für gewisse Baumarten auch wieder die Chance sich zu vermehren, wie für die Birke, die unter normalen Umständen dazu kaum eine Möglichkeit hat. Auch bildet das tote Holz vielen Tierarten Lebensraum und vom zusätzlichen Licht im Wald profitieren verschiedene Blütenpflanzen. Für die Natur sind Stürme also durchaus positiv zu werten. Dies im Gegensatz zum Waldeigentümer, der gegebenenfalls grossflächige Ausfälle zu gewärtigen hat. Das bedeutet für ihn einen finanziellen, aber auch einen emotionalen Schaden.

Dazu kommen die Kosten für die Aufforstung und den Unterhalt, weil sich Pflanze wie die Brombeere grossflächig ausweiten und so das Wachstum anderer Pflanzen verhindern. Für die Allgemeinheit bedeuten solche Schadensereignisse unter Umständen eine Beeinträchtigung der Schutzfunktion eines Waldes. Daher ist es unsere Aufgabe den Wald so zu machen, dass er sich nach Sturmereignissen schnell wieder erholen und seine Aufgaben, eben beispielsweise als Schutzwald, wieder baldmöglichst erfüllen kann. Da dies aber ein langwieriger Prozess ist, werden wir die Resultate unserer Arbeit erst in vielleicht 20 oder 30 Jahren sehen. (uh)

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