Für Nationalratskandidatin Esther Friedli ist Freiheit das oberste Gebot

Esther Friedli will für die SVP in den Nationalrat einziehen und dort die Freiheit des Landes verteidigen.

Ruben Schönenberger
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Die SVP-Politikerin Esther Friedli ist Gastronomin im «Haus der Freiheit» in Ebnat-Kappel. (Bild: Ruben Schönenberger)

Die SVP-Politikerin Esther Friedli ist Gastronomin im «Haus der Freiheit» in Ebnat-Kappel. (Bild: Ruben Schönenberger)

Lange ist Esther Friedli noch nicht Mitglied der SVP. Erst im Frühjahr 2016 trat sie der Partei bei, als sie im zweiten Wahlgang der Regierungsratswahlen dem FDP-Politiker Marc Mächler Konkurrenz machen sollte. Friedli unterlag.

Ihre zweite Politkarriere in der neuen Partei – bis zu ihrem Umzug ins Toggenburg 2008 hatte sie noch für die Berner CVP politisiert – war aber mit einem guten Resultat lanciert.

Immer neue Vorschriften im Gastgewerbe

Heute deutet wenig darauf hin, dass die Partei, die unter anderem auch dank ihrem langjährigen Lebenspartner Toni Brunner gross wurde, nicht immer ihre politische Heimat war. Wie bei der Plakatkampagne der Partei ist auch bei Friedli die Freiheit das grosse Thema.

Gekonnt lenkt sie das Gespräch immer wieder darauf, wie wichtig ihr diese ist und wie gefährdet sie diese sieht. «Mir fällt seit einiger Zeit auf, dass die Freiheit der Schweiz und die der Bürgerinnen und Bürger immer mehr eingeschränkt wird», sagt sie zum Beispiel. Sie sehe das selber an den immer neuen Vorschriften, die es im Gastgewerbe gebe.

«Das ist unglaublich, was man da alles umsetzen muss. Das bringt Kleinbetriebe an ihre Grenzen.»

Cannabiskonsum zu verbieten bringt nichts

Die Freiheit versteht Friedli so weitgehend, dass sie für eine Legalisierung des Cannabiskonsums ist. «Das Verbot bringt nichts», sagt sie. Zudem könnten so die Märkte getrennt werden. Wenn die gleichen Leute, die Cannabis verkauften, auch härtere Drogen verkauften, sei das gefährlich.

Und auch bei gleichen Rechten für gleichgeschlechtliche Paare stellt sie sich auf einen eher liberalen Standpunkt. Zu weit geht ihr die Adoption von fremden Kindern, die Stiefkindadoption kann sie sich vorstellen. Und wer wolle, der solle doch heiraten können. «Leben und leben lassen», sagt sie.

Wenn Friedli von Freiheit spricht, scheint sie aber immer auch Eigenverantwortung mitzumeinen. Weil sie überzeugt ist, dass das Land nur funktioniert, wenn sich auch jeder einsetzt.

«Gerade im Toggenburg haben wir ein aktives Vereinsleben. Vieles würde sonst gar nicht funktionieren.»

Sie wünsche sich, dass die Lösung von Problemen nicht einfach an den Staat delegiert werde, der dann wegen Einzelfällen für alle einschneidende Massnahmen erlasse. Als Beispiel führt sie das Hundegesetz an. «Ein ganz schlimmer Vorfall, den ich nicht schönreden will, führt zu einem neuen Gesetz und alle Hundebesitzer müssen Kurse absolvieren.»

Auch beim aktuell dominierenden Thema ist das nicht anders. Klimaschutz fange bei der Eigenverantwortung an. «Viele Grüne sind sicher auch dieses Jahr in die Ferien geflogen», sagt Friedli. «Wir waren hier in der Schweiz und haben Wanderungen gemacht.» Die Klimadiskussion, wie sie aktuell geführt werde, führe nur zu einer Verteuerung des Lebens.

Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes würde die Umsetzung rot-grüner Anliegen angestrebt, wie zum Beispiel die Erhöhung des Benzin- und Dieselpreises. «Das wird null Wirkung haben und nur Leute auf dem Land treffen, die nun mal auf das Auto angewiesen sind», ist Friedli sicher. Dabei würde gerade die Landbevölkerung bereits sehr stark Sorge tragen zur Landschaft. «Aus Liebe zum Land, aus einer Schollenverbundenheit.»

Vertretung der ländlichen Gebiete verbessern

Die Vertretung der Landbevölkerung in der Politik sei sowieso zu schwach. «Im Ständerat sitzen für den Kanton St.Gallen zwei Vertreter der zwei grössten Städte», führt Friedli als Beispiel an. Auch im Nationalrat seien die Städte gut vertreten, die Landbevölkerung aber immer weniger. «Viele Entscheide müssen wir dann auf dem Land ausbaden», sagt sie und führt neben dem Benzinpreis auch noch die Begrenzung des Pendlerabzugs an.

«Es braucht unbedingt Toggenburger in Bern», schlussfolgert sie. Das sei auch nötig, um die medizinische Notfallversorgung in der Region sicherzustellen. «Mir ist klar, dass das Spital Wattwil in der herkömmlichen Art keine Zukunft haben wird», sagt Friedli. Aber die Bevölkerung müsse von überall her in einer halben Stunde einen Ort mit medizinischer stationärer Grundversorgung erreichen können. Ohne Spital Wattwil hätte sie beispielsweise vom «Haus der Freiheit» etwa eine Stunde, bis sie in einem Spital wäre.

«Das geht nicht, da müssen wir Toggenburger uns noch viel mehr wehren. Wir zahlen alle Steuern und haben ein Anrecht auf eine Grundversorgung.»

Sie glaubt an eine Verhandlungslösung

Von diesen Steuergeldern soll auch die Landwirtschaft mehr sehen, findet Friedli. «Es gibt zwei Bereiche, in denen der Bund in den letzten Jahren weniger Geld zur Verfügung gestellt hat: in der Landwirtschaft und bei der Armee.» Das sei einfach nicht richtig. Sie sei zwar für die freie Marktwirtschaft, aber die Landwirtschaft benötige Subventionen. «Jeder Bauer wäre froh, er bräuchte keine», sagt Friedli. Unterstützt werden solle aber vor allem eine Landwirtschaft, die Nahrungsmittel produziert. «Anstatt Lebensmittel zu importieren, soll der Eigenversorgungsgrad in der Schweiz gesteigert werden.»

Auch hier drückt der Wunsch nach Freiheit durch. Bloss nicht abhängig machen. Auch deshalb spricht sie sich deutlich gegen das Rahmenabkommen mit der EU aus.

«Ich bin überzeugt, dass die Auswirkungen viel grösser wären, als man immer sagt.»

Die Gefahren bei einem Nein zum Rahmenabkommen sieht sie hingegen kleiner. Die Schweiz habe einige Trümpfe in der Hand. Auch die Nichtanerkennung der Schweizer Börse durch die EU sei für die Schweiz ja letztlich nicht negativ rausgekommen, wie vorgängig von allen Seiten gewarnt worden sei. Friedli glaubt also an eine Verhandlungslösung. Und verhandeln will sie auch in Bern.

Sie sieht sich als Brückenbauerin, die Kompromisse mit der anderen Seite schmieden kann. Vielleicht lässt sich auch so erklären, dass sie auf ihrer Website ein Zitat von John F. Kennedy prominent platziert hat. «Fragt nicht, was euer Land für euch tun wird, sondern fragt, was wir zusammen für die Freiheit der Menschen tun können», steht dort. Als Mitglied der amerikanischen Demokraten wäre Kennedy vermutlich nicht unbedingt die ­logische Wahl einer SVP-Politikerin.

Zur Person

Die 42-jährige Esther Friedli ist Politologin, Gastronomin im «Haus der Freiheit» in Ebnat-­Kappel und selbständige Beraterin für politische Kommunikation. Sie leitet das Parteisekretariat der SVP, der sie 2016 beigetreten ist. Von 2008 bis 2014 war sie Generalsekretärin des Bildungsdepartements des Kantons St.Gallen. Friedli ist ledig und wohnt mit ihrem langjährigen Partner Toni Brunner in Ebnat-Kappel.

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