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Zeltainer: Für Markus Maria Profitlich ist die Welt eine Gummizelle

Ein wahres Schwergewicht: Der deutsche Komödiant Markus Maria Profitlich gastierte im Zeltainer in Unterwasser. «Schwer verrückt» ist nicht nur der Name seines Programms.
Michael Hug
Der bekannte deutsche Komiker Markus Maria Profitlich gastierte im Zeltainer in Unterwasser. (Bild: Martin Knoepfel)

Der bekannte deutsche Komiker Markus Maria Profitlich gastierte im Zeltainer in Unterwasser. (Bild: Martin Knoepfel)

Er war einst, in den Nullerjahren eine Grösse in Deutschlands Komiker-Szene. Permanent am TV präsent schuf sich Markus Maria Profitlich einen Ruf als Schwergewicht, und das in doppelter Bedeutung. Zum einen war der heute 59-Jährige in der Tat einer, an dem sich die anderen orientierten.

Zum anderen war er – und ist noch – auch physisch ein «Schwerer». Sein Gewicht kennt man zwar nicht, doch es ist bestimmt über dem Durchschnitt.

Vom Schreiner zum Alleinunterhalter

In seiner Kunst ist Profitlich ebenso ein Überdurchschnittlicher. Bezeichnenderweise und wie das früher so üblich war, ist der Deutsche kein gelernter Schauspieler, ausgebildeter Komiker oder akademischer Sprücheklopfer, sondern ein Quereinsteiger.

Gelernt hat er Schreiner, ist dann irgendwann zum Alleinunterhalter mutiert und in den Neunzigerjahren vom deutschen Fernsehen («Wochenshow», «Mensch Markus») entdeckt worden.

Vier Stand-Up-Comedy-Programme aufgelegt

Am Fernsehen hat man ihn schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Doch vergessen hat man ihn, was für ihn spricht, nicht wie andere Showsterne, die aus der Wahrnehmung verschwinden, sobald sie nicht mehr am TV präsent sind.

Ist das nicht verrückt? Doch nur TV gemacht hat der Mann in den letzten Jahren nicht. Er ist immer auch mit seinen Stand-up-Comedy-Programmen auf Tour durch deutsche Kleinkunstbühnen gegangen, vier Programme hat er seit 2012 aufgelegt. Das vierte heisst «Schwer verrückt», damit war er am Donnerstagabend im Zeltainer.

Der Komiker in der Zwangsjacke

Die Welt lebt in einer verrückten Welt, sagt Markus Maria Profitlich: «Die Welt ist eine Gummizelle!»

Darum erscheint der Zweimetermann zu Beginn grad mal selbst als «Verrückter», den man in eine Zwangsjacke gepackt hat. Daraus muss ihn seine Assistentin erst mal befreien.

Macht Nachdenken über die Welt verrückt?

Dann legt er los und berichtet von den Verrücktheiten dieser Welt: «60 Prozent der Deutschen hat ein zweites, funktionierendes und angemeldetes Handy!» Ist das nicht verrückt?

Ist der Mann in der Zwangsjacke vielleicht grad deshalb verrückt geworden, weil er sich seine Gedanken über die Welt gemacht hat? «Warum schafft es jeder kleine Supermarktleiter, seine Preise richtig zu kalkulieren, aber die Finanz- und Planungsgenies auf Grossbaustellen wie der Berliner Flughafen schaffen es nicht, das Ding rechtzeitig zu eröffnen?»

Kein Fleisch und kein Fruchtfleisch

Oder so was: «Warum lassen sich die Menschen ihren Hintern verbreitern? Haben sie Angst davor, ins Klo zu fallen?» Da dreht Komik in Satire. «Die Angst brauche ich nicht zu haben», grinst er dann. Da dreht die Satire in Koketterie mit sich selbst.

Später am Abend nimmt der diejenigen Zeitgenossen hoch, die glauben, an Unverträglichkeiten und Allergien zu leiden. Die Leute, die kein Fleisch essen, auch kein Fruchtfleisch, und nur Obst essen, das freiwillig vom Baum gefallen ist.

Das Publikum lacht auch bei Belanglosigkeiten

Das kann er gut: die Unzulänglichkeiten der Menschen hochnehmen. Aber Spass muss natürlich auch sein: «Ich sah da kürzlich im Supermarkt Menschen im Bademantel vor dem Gestell mit den Duftkerzen sitzen, weil sie glaubten, sie sind im Wellnesshotel.»

Da dreht die Komik ins Belanglose, Oberflächliche. Doch das Publikum lacht trotzdem. Der Mann da vorne auf der Bühne ist aber auch zum Lachen. Nur schon wenn er die Augen verdreht, den Mund verzieht. Gedanken wägt, die aufgeweckte Kinder haben.

Das nächste Programm ist der Parkinson-Krankheit gewidmet

Sich selbst nicht ganz ernst nimmt und bevor er die Gluten-Verrückten aufs Korn nimmt, gesteht, dass er selber ja auch ein Problem habe: «An mir wurde letztes Jahr Parkinson festgestellt.» Meint er das jetzt ernst oder nicht? Seine Hardcore-Fans wissen es: Das ist kein Scherz.

Sein nächstes Programm 2020 werde sich ganz dem Thema Parkinson widmen, verspricht Profitlich. Da darf man gespannt sein, ob das lustig wird.

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