Interview

Für einige Schulen ist Lehrstellenforum obligatorisch – Wattwiler Schulchef: «Das zeigt, welchen Stellenwert der Anlass für Pädagogen hat»

Entdecken, welche Berufslehren im Toggenburg angeboten werden und Kontakte zu Lehrbetrieben knüpfen: Das sind nur zwei der Ziele des Lehrstellenforum, das am 15. Juni in Wattwil durchgeführt wird.

Interview: Sabine Camedda
Drucken
Teilen
Das Lehrstellenforum Toggenburg ist nicht nur bei den Jugendlichen im Berufswahlprozess beliebt, auch die Toggenburger Betriebe, die Lernende ausbilden, finden den Anlass sehr sinnvoll. (Bild: PD)

Das Lehrstellenforum Toggenburg ist nicht nur bei den Jugendlichen im Berufswahlprozess beliebt, auch die Toggenburger Betriebe, die Lernende ausbilden, finden den Anlass sehr sinnvoll. (Bild: PD)

Das Lehrstellenforum Toggenburg (LFT) findet bereits zum fünften Mal statt. Cécile Ziegler, Leiterin der Berufs- und Laufbahnberatung, und Norbert Stieger, Schulratspräsident von Wattwil-Krinau, erklären, was mit diesem Anlass erreicht wird und welche Ideen die Organisatoren haben, um die Vernetzung zu verbessern.

Wie hat sich das Lehrstellenforum Toggenburg (LFT) entwickelt?

Norbert Stieger, Schulratspräsident Wattwil-Krinau. (Bild: Martin Knoepfel)

Norbert Stieger, Schulratspräsident Wattwil-Krinau. (Bild: Martin Knoepfel)

Norbert Stieger: Es ist zu einem festen Bestandteil im Berufsfindungsprozess geworden. Die Betriebe können sich, ihre Berufe und ihre Lernenden präsentieren. Für die Schulen ist es ein Ort geworden, wo die Schüler klassenweise hingehen, viele Informationen erhalten und Kontakte knüpfen können.

Cécile Ziegler, Leiterin Berufs- und Laufbahnberatung Toggenburg. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Cécile Ziegler, Leiterin Berufs- und Laufbahnberatung Toggenburg. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Cécile Ziegler: Bei der ersten Ausgabe mussten die Beteiligten erst einmal herausfinden, was das Lehrstellenforum ist. Mittlerweile gehört der Anlass für viele Betriebe dazu und sie melden sich an. Wir haben in diesem Jahr eine Rekordbeteiligung. Es gibt treue Firmen, die von Anfang an dabei sind und jährlich kommen neue Betriebe als Aussteller hinzu. Wir haben als Projekt gestartet, haben das LFT dann definitiv eingeführt und die Region Toggenburg kam als Träger hinzu.

Stieger: Es war von Anfang an unser Ziel, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, welche Lehrstellen es im Toggenburg gibt. Und wir bieten den Lehrbetrieben die Möglichkeit, sich zu präsentieren, damit die Jugendlichen das Tal für ihre Ausbildung nicht verlassen. So kann die Berufsvielfalt in der Region erhalten bleiben.

Das LFT findet im Berufs- und Weiterbildungszentrum Wattwil statt. Wie gelingt es Ihnen, auch Lehrbetriebe von anderen Gemeinden im Toggenburg zum Mitmachen zu bewegen?

Stieger: Es war uns von Anfang an wichtig, dass der Anlass zentral stattfindet und vom Thema her fanden wir das BWZT ideal.

Ziegler: Wir stellen jeweils zusammen, aus welchen Gemeinden die Lehrbetriebe stammen. Wir haben Vertreter aus fast allen Gemeinden. Das ist einer unserer Erfolgsfaktoren. Ich denke, einige Eltern schätzen es, wenn ihre Kinder im Wohnort oder in einem Nachbarort ihre Ausbildung machen können.

Im LFT sind viele involviert. Jugendliche, Schulen, Eltern, Lehrbetriebe und Berufsberatung. Welche Rückmeldungen bekommen Sie?

Ziegler: Bei den Jugendlichen und ihren Eltern kommt es sehr gut an. Auch Berufsbildner finden es eine gute Sache, denn es gibt eine einfache Kontaktmöglichkeit, die positiv erlebt wird.

Stieger: Die Betriebe bekommen die Möglichkeit, sich vorzustellen, und die Schüler lernen so vielleicht weniger bekannte Berufe kennen. Jeweils am Ende des LFT organisieren wir einen Austausch mit den Ausstellern. Während des Vormittags sind wir vom Organisationskomitee präsent und spüren, wie gut der Anlass ankommt.

Ziegler: Die Tatsache, dass sich die Betriebe immer wieder anmelden, ist für uns die beste Rückmeldung. Ihr Aufwand ist überschaubar und er lohnt sich.

Stieger: Einige Schulen haben den Besuch am LFT als obligatorisch erklärt. Das zeigt uns den Stellenwert, den der Anlass für die Pädagogen hat.

Zum LFT gehört auch ein Rahmenprogramm mit mehreren Vorträgen und einigen Podiumsdiskussionen. Trägt dies ebenfalls zum Erfolg des Forums bei?

Ziegler: Der Rundgang ist das Kernstück, das Rahmenprogramm ist eine gute Bereicherung. Es bietet auf unkomplizierte Art einen Mehrwert für die Schüler und deren Eltern. Die Podien rund ums Bewerben sind jeweils bis auf den letzten Platz besetzt, denn dieses Thema ist für alle Jugendlichen früher oder später relevant.

Stieger: Ich finde es wichtig, dass die Schüler an den Podien nicht das theoretisch erfahren, was sie auch im Berufswahlunterricht in der Schule hören. Viel mehr erzählen Leute aus der Praxis. Da ist eine Stufe mehr Realität.

Ziegler: Dazu gibt es Informationen für Eltern von Kindern in der ersten Oberstufe. Häufig sind viele Fragen und Unsicherheiten vorhanden und das Lehrstellenforum kommt zu einem guten Zeitpunkt, um darüber zu reden.

Was hat das LFT bei den Organisatoren ausgelöst?

Stieger: Wir haben gemerkt, dass wir das Rahmenprogramm noch verbreitern könnten. Deshalb haben wir das Lehrstellenforum Plus ins Leben gerufen.

Wir nehmen dabei Aspekte aus dem Thema Berufswahl auf und beleuchten diese mit all denen, die in diesem Prozess einbezogen sind. Damit wollen wir die Vernetzung und den Austausch verstärken.

Diese Foren könnten den Berufswahlprozess im Tal verbessern, weil die Menschen Möglichkeiten bekommen, miteinander zu reden.

Dafür sind zusätzliche Abendanlässe vorgesehen?

Ziegler: Das Lehrstellenforum Plus hat die gleiche Trägerschaft wie die Tischmesse. Mit einer weiteren Plattform können wir einen Austausch erreichen, sodass die andere Seite besser verstanden wird. Es sind Anlässe vorgesehen, in welchen ein Thema mit einem Vortrag oder einer Diskussionsrunde behandelt wird. Es soll aber immer auch genügend Platz sein für den Austausch.

Stieger: Unser Ansatz ist, dass wir durch einen Fachbeitrag einen Input geben. Dann beziehen wir Beteiligte von allen fünf Partnern ein und so gibt es Anregungen für einen nächsten Anlass zu einem Thema, das die Betroffenen bewegt. Man muss die Sicht des anderen kennen, damit der Berufswahlprozess gut abläuft.

Ziegler: Unser Ziel ist, jährlich mindestens einen Anlass unter dem Titel Lehrstellenforum Plus durchzuführen. Das ist uns in diesem Jahr schon gelungen, aber wir werden im Herbst einen zweiten Anlass zum Thema «Fördern, fordern, überfordern» machen. Es ist aber nicht gesagt, dass wir jedes Jahr mehr als einen Anlass durchführen. Wir möchten immer wieder Impulse setzen.

Stieger: Wir haben uns für den Anfang für das Thema «Fördern, fordern, überfordern» entschieden. Beim Wechsel von der Schule in die Arbeitswelt tauchen unterschiedliche Ansprüche auf. Zum Beispiel haben die Eltern Erwartungen an den Lehrmeister und dieser stellt sich vor, was die Jugendlichen können müssen. Da gibt es viele Erwartungen. Wir führen diesen Anlass bewusst im November durch, rund drei Monate nach Lehrbeginn.

Die Jugendlichen haben dann einen ersten Eindruck, wo sie stehen.

Wenn ein Jugendlicher Unterstützung braucht, gibt es entsprechende Fördermassnahmen und Ansprechpersonen. Wenn die Beteiligten einander kennen und sich verstehen, können Hemmschwellen abgebaut werden und der Dialog wird erleichtert.

Ziegler: Beim Lehrstellenforum Plus ist die Form offen und kann gewechselt werden.

Wir müssen den verschiedenen Betroffenen nun zeigen, was ihnen dieser Anlass bringen könnte. Damit auch das Lehrstellenforum Plus zu einer Art Marke wird.

Ein Ort, wo ich aus unterschiedlicher Perspektive etwas rund um Berufswahl und Berufsbildung erfahre und wo ich auch meine Sicht eingeben kann.

Stieger: Die Vernetzung ist wichtig, auch um zu erfahren, was es im Tal gibt. So können wir eine Attraktivität schaffen, und erklären, dass es eine zusätzliche Chance ist, wenn man in diesem Tal seine Lehre machen kann.

80 Betriebe stellen sich vor

Am Samstag, 15. Juni, findet im Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg an der Bahnhofstrasse 29 in Wattwil das diesjährige Lehrstellenforum statt. Über 80 Lehrbetriebe aus dem Toggenburg stellen sich vor und legen dabei den Fokus auf die Lehrberufe. Darum sind es häufig die Lernenden selbst, die an den Ständen der jeweiligen Firmen anwesend sind.

Angesprochen sind Schülerinnen und Schüler aus der ersten und der zweiten Oberstufe aus dem ganzen Toggenburg. Viele von ihnen kommen mit ihrer Klasse oder mit den Eltern. Ein Ziel des Lehrstellenforums ist die Möglichkeit, Kontakte für Schnuppertage oder auch für Lehrstellen zu knüpfen. Ergänzend zu der Ausstellung werden als Rahmenprogramm Podien rund ums Bewerben angeboten. Dabei berichten Berufsbildner über ihre Erwartungen und Erfahrungen mit Jugendlichen im Bewerbungsprozess und in Schnupperlehren.

Überdies gibt es eine Informationsveranstaltung für Eltern von Jugendlichen der ersten Oberstufe, die den Berufsfindungsprozess thematisiert. Das Lehrstellenforum dauert von 8.30 bis 12 Uhr. Die Mensa ist während dieser Zeit für die Besucher geöffnet. (sas)

www.lftoggenburg.ch