Für den Toggenburger Cyrill Scheiwiller wird ein motorisierter Traum wahr

Für das 71. Motocross der Nationen im niederländischen Assen ist der Toggenburger Cyrill Scheiwiller aufgeboten. Er rutschte für den verletzten Arnaud Tonus in die Nationalmannschaft.

Fränzi Göggel
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Im Motocross geht es bei den Besten meistens heftig zur Sache. (Bild: PD)

Im Motocross geht es bei den Besten meistens heftig zur Sache. (Bild: PD)

Das Motocross der Nationen am kommenden Wochenende in Holland mit 34 teilnehmenden Ländern hat einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Motocross-Weltmeisterschaft.

Jeweils die drei besten Fahrer eines Landes bilden eine Nationalmannschaft. Aus den Platzierungen der einzelnen Fahrer entsteht eine Rangierung. Die langsamste Zeit pro Rennen und Team gilt als Streichresultat.

Die Schweiz galt mit Vizeweltmeister Jeremy Seewer, Schweizer Meister Valentin Guillod und dem WM-Fünften Arnaud Tonus als eine der favorisierten Mannschaften. Doch beim letzten WM-Rennen in China verletzte sich Arnaud Tonus die Hand und fällt aus. Ersetzt wird er durch Cyrill Scheiwiller.

Cyrill Scheiwiller. (Bild: PD)

Cyrill Scheiwiller. (Bild: PD)

«Eine grosse Ehre, mit den Besten fahren zu dürfen»

«Als ich auf meinem Handy die Nummer von Nationen-Teamchef Daniel Zollinger sah, ahnte ich, dass dieser Anruf etwas mit dem verletzten Tonus zu tun haben musste. Trotzdem war ich sprachlos, als mich Zollinger fragte: ‹Bisch parat›? », erzählt Cyrill Scheiwiller, der Schweizer Vizemeister der Kategorie MX Open.

«Parat, wie auch? Aber extrem motiviert. Ein Traum geht für mich in Erfüllung.»

«Es ist mir eine grosse Ehre, mit den allerbesten Schweizer Motocrosslern fahren zu dürfen», schildert der 27-jährige Yamaha-Pilot diesen Moment.

Innerhalb kürzester Zeit müssen alle Vorbereitungen abgeschlossen sein. Die künstlich angelegte Piste in Assen besteht aus feinem Sand. Ein ungewohnter Untergrund für den Toggenburger.

Kurzerhand schob Scheiwiller das Wochenende vor dem Rennen als eine Trainingseinheit ein und trainierte in Italien auf einer Sandpiste. «Ich fahre gerne im Sand. Dieser Untergrund ist technisch schwierig, körperlich anstrengend, doch bei einem Sturz sind nicht gleich die Ellenbogen offen», erzählt er.

Noch nicht über die Kosten nachdenken

Was sich locker anhört, ist Hochleistungssport. Alle anderen Fahrer trainieren im Hinblick auf das Motocross der Nationen wochenlang im Sand. Am Mittwoch zieht Scheiwiller mit seinem Wohnmobil los, donnerstags will er trainieren und am Freitag stehen administrative Kontrollen und die Maschinenabnahme auf dem Programm.

Vater Erich und zwei Kollegen betreuen ihn. «Am Rennwochenende werden wir im House of Switzerland verpflegt, die Tage vorher kocht mein Vater. Über die Kosten denke ich nicht nach. Der Arbeitsausfall und die vielen Kilometer schenken schon ein, aber für solch ein Abenteuer mache ich das gerne.»

Serienmässige Yamaha gegen Werksmaschinen

Vor Ort werden Seewer, Guillod und Scheiwiller gemeinsam die Strecke ablaufen. «Da erhoffe ich mir einige Tipps. Aber ich bin mir bewusst, dass ich das Streichresultat bin.»

«Ich fahre mit meiner serienmässigen 450er-Yamaha inmitten von Werksmaschinen und habe kaum Sandtraining, drum wäre das bei diesem hohen Niveau keine Schande», erzählt der Toggenburger.