Für den Schulbus Mosnang: Mit 50 Jahren noch die Car-Prüfung absolviert, denn 28 Plätze brauchen das D

Seit Donnerstag sind Elmar und Cäcilia Wohlgensinger mit dem neuen Schulbus im GebietWiesen-Dreien-Mühlrüti-Hulftegg unterwegs.

Cecilia Hess-Lombriser
Merken
Drucken
Teilen
Das Schulbusfahrer-Ehepaar Elmar und Cäcilia Wohlgensinger übernehmen den Schlüssel für den neuen Schulbus vom Mosnanger Schulrat Emmanuel Van Caenegem.

Das Schulbusfahrer-Ehepaar Elmar und Cäcilia Wohlgensinger übernehmen den Schlüssel für den neuen Schulbus vom Mosnanger Schulrat Emmanuel Van Caenegem.

Bild: Cecilia Hess-Lombriser

Am schulfreien Mittwochnachmittag gab es in Wiesen-Mosnang eine kurze Einweihung des neuen Schulbusses. Mit Blumengesteck auf dem Kühler und einer symbolischen Schlüsselübergabe durch Schulrat Emmanuel Van Caenegem an das Schulbusfahrer-Ehepaar Cäcilia und Elmar Wohlgensinger, das in Wiesen einen Bauernbetrieb mit Ziegen hat. Der Bauer ist gleichzeitig Präsident des Ziegenzuchtvereins Wiesen-Mosnang.

Schulbusfahren ist ein Nebenerwerb. Elmar Wohlgensinger fährt seit 17 Jahren. Cäcilia Wohlgensinger fuhr zuerst als Aushilfe und seit 2009 teilen sie sich die Aufgabe, die in etwa einem 70-Prozent-Pensum entspricht. Es fährt, wer gerade Zeit hat oder wie es von der Arbeit zu Hause aufgeht.

Grösserer Schulbus für alle Bedürfnisse

Der gesamte Gemeinderat mit Präsident Renato Truniger, drei Schulräte mit Schulratspräsident Max Gmür, drei Kindergärtnerinnen und der dritte Schulbusfahrer, Armin Meile, der das Gebiet Dietenwil-Winklen-Mosnang abdeckt, wohnten dem Einweihungsakt bei. Der Ford Transit mit 22 Plätzen, der seit mehr als zehn Jahren seinen Dienst getan hatte, musste ersetzt werden. Altershalber und auch vom Platzbedarf her. Wenn ganze Klassen nach Bütschwil ins Hallenbad gefahren werden mussten, war ein weiterer Fahrer nötig, um alle Kinder zu transportieren.

Bei der Evaluation eines neuen Busses stellte die dafür gebildete Kommission mit Schulräten und den Schulbusfahrern fest, dass die neuen 3,5-Tonnen-Busse noch weniger Plätze haben als die alten und grössere den Führerausweis D erfordern. Wohlgensingers waren im Besitz des Führerausweises D1. Der Gemeinderat entschied sich schliesslich für einen Mercedes Sprinter mit 28 Plätzen und einem Gewicht von 5,5 Tonnen. Es kostete etwas mehr als 100000 Franken.

Nach 52 Lektionen geschafft

Für das Ehepaar Wohlgensinger war klar, dass es die Carprüfung machen würde. «Auch wenn wir Bedenken hatten, ob das in unserem Alter geht», gab Elmar Wohlgensinger zu. Sie büffelten wieder Theorie, trabten für die Theorieprüfung in St.Gallen-Winkeln an, absolvierten 52 Fahrlektionen à 45 Minuten und schafften nacheinander die Prüfung. Cäcilia Wohlgensinger an ihrem 51. Geburtstag kurz vor Weihnachten, Elmar Wohlgensinger etwas früher. Während zwölf Wochen waren sie mit dieser Herausforderung beschäftigt gewesen. «Ja, es war schon anspruchsvoll; vor allem die Zeit, die wir investieren mussten, aber wir schafften es gut», sagten beide.

Cäcilia und Elmar Wohlgensinger fahren Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis zur Oberstufe, die zur Schule Mosnang gehören und im Gebiet Wiesen-Dreien-Mühlrüti-Hulftegg wohnen. Sechs Kindergärtler und 25 Primarschulkinder werden nach Mühlrüti gefahren und acht Oberstufenschüler bis zur Posthaltestelle in Dreien. 17 Kindergärtler von Dreien werden nach Mosnang gefahren. Die Schulanfangszeiten sind so angesetzt, dass die Schulbusfahrer alle Kinder zur richtigen Zeit an ihrem Beschulungsort aussteigen lassen können. Die Kinder versammeln sich an bis zu 22 Einstiegsstellen, nachdem sie schon einen kürzeren oder längeren Schulweg zu Fuss hinter sich haben.

Schulbusfahrer sind Bezugspersonen

«Zwischendurch müssen wir auch Kinder von Dreien nach Mosnang fahren, weil es in Dreien keine Turnhalle hat oder sie müssen in die Handarbeit und ins Werken nach Mosnang oder ins Hallenbad nach Bütschwil. Weil wir sowieso zu Hause sind, können wir uns die Arbeit gut einteilen und abwechslungsweise fahren», erklärte Elmar Wohlgensinger. Rund 30000 Kilometer kommen so pro Jahr zusammen.

«Wir sind Bezugspersonen für die Kinder», erzählte Cäcilia Wohlgensinger nach der Übergabe des Busses. Die Kommunikation mit den Kindern sei wichtig; angefangen vom Aufbau des Vertrauens bei den Kleinsten bis zum Interesse für die Grossen. «Wir kennen die Eltern, sehen die Kinder heranwachsen, sind per Du und haben selbst mit den Grossen keine Probleme. Die Jüngsten sind Goldschätze. Sie zeichnen oder backen für uns und die Eltern sind dankbar, dass die Kinder bei uns gut aufgehoben sind», schwärmt die Fahrerin.

Anspruchsvolle und andere Fahrweise mit Car

Damit sich die Eltern weiterhin auf das Ehepaar verlassen können, haben sie es auf sich genommen, die Carprüfung zu machen; mit allem, was dazu gehört, wie etwa die Kundenbetreuung an Bord, das richtige Verstauen des Gepäcks, die vorsichtige Fahrweise. «Ungewohnt war der Überhang hinten und vorne, den man beim Abbiegen einkalkulieren musste, aber sonst war das grössere Auto gut zu fahren gewesen und auch das Parkieren. Der Vorteil war, dass wir gemeinsam lernen konnten. Theorie büffelten wir gemeinsam und über die Praxis konnten wir uns austauschen», erklärte Elmar Wohlgensinger. Gefahren seien sie sowohl auf dem Land wie in der Stadt.

Die Gemeinde Mosnang hat die Ausbildung finanziert, dafür mussten sich Wohlgensingers für mindesten drei weitere Jahre Schulbusfahrdienst auf Gemeindegebiet verpflichten. Am Donnerstag wurden die Kinder überraschend mit dem neuen Bus abgeholt. «Sie dachten, dies sei erst nach den Sportferien der Fall», freute sich Cäcilia Wohlgensinger auf die Reaktionen.