Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Für den FC Neckertal-Degersheim auf Spiele des FC St.Gallen verzichtet – Nach zehn Jahren gibt Simon Nef das Präsidium ab

Nach rund zehn Jahren als Präsident des FC Neckertal-Degersheim hat der 35-jährige Simon Nef im Januar das Amt an Stephen Bosshard weitergereicht. Im Gespräch blickt der Metallbauer auf seine Amtszeit zurück.
Beat Lanzendorfer
Der 35-jährige Simon Nef hat im Januar das Präsidentenamt dem 27-jährigen Stephen Bosshard übergeben, der aber weiterhin die 1. Mannschaft in der 3. Liga verstärkt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der 35-jährige Simon Nef hat im Januar das Präsidentenamt dem 27-jährigen Stephen Bosshard übergeben, der aber weiterhin die 1. Mannschaft in der 3. Liga verstärkt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Haben Sie früher auch selber Fussball gespielt?

Simon Nef: Nein, aktiv nicht. Ich war jedoch vor meiner Zeit beim FC Neckertal-Degersheim mehrmals pro Woche mit einer Gruppe «Plauschfussballer» aller Alterskategorien auf dem Fussballplatz in Mogelsberg.

Wie sind Sie zum FC Neckertal-Degersheim gekommen?

Mein jüngster Bruder war vor 15 Jahren D-Junior beim FC Neckertal-Degersheim. Der Fussballclub suchte damals mit einem Schreiben Trainer und Betreuer. Ich dachte mir, mal reinzuschauen schadet nichts. Sofort zog es mir den Ärmel rein und ich durfte als Betreuer mit Trainer Peter Bosshard die Db-Junioren trainieren. Peter Bosshard war übrigens auch der Brandstifter, der in mir das Feuer für den FC Neckertal-Degersheim entfachte, mir die Freude zeigte, Freizeit und Leidenschaft in diesen Fussballclub zu investieren. Ein super Lehrmeister auch in Sachen Organisation und Führung. Von dieser Zeit konnte ich im Präsidentenamt oftmals profitieren.

Vom Betreuer zum Präsidenten, kann man Ihre Laufbahn so beschreiben?

Fast. Angefangen habe ich als Betreuer. Nach drei Jahren wurde ich mit 22 Jahren zum Vizepräsidenten in den Vorstand gewählt. 2007 habe ich dann aus zeitlichen Gründen das Betreueramt abgegeben. Ein Jahr später gab Präsident Peter Siegwart nach fünfjähriger Tätigkeit seinen Rücktritt bekannt. Wir konnten damals keinen Nachfolger finden. Ich wusste, als Vizepräsident muss ich interimistisch das Präsidentenamt übernehmen. Also dachte ich mir: Interimistisch oder fix als Präsident, was ist der Unterschied.

Den Fussballclub leiten musst du jetzt sowieso. Daraufhin habe ich mich zur Verfügung gestellt und wurde gewählt.

Nun waren Sie über zehn Jahre Präsident des Vereins. Was waren für Sie die persönlichen Höhepunkte?

Der Aufstieg der Herren in die 3. Liga, der nach dem letzten Meisterschaftsspiel mit einer grossen Feier über die Bühne ging. Aber auch die vielen Erfolge der Juniorenmannschaften bis in die Coca Cola Junior League, die erfolgreiche Frauenmannschaft mit dem zweifachen Gewinn des Ostschweizer Cupfinals, der Neubau des «Matchbeizlis», das Hallen-Adventsturnier in Degersheim, der Lottoabend oder etwa der Fan-Car zu Auswärtsspielen. Besonders stolz bin ich über die Tatsache, dass wir die Kurve gekriegt haben und junge Menschen motivieren konnten, die sich im Vorstand und als Trainer einbringen. Es freut mich auch ungemein, dass mir mit Stephen Bosshard mein persönlicher Wunschkandidat für das Amt des Präsidentenamt zugesagt hat.Das war das grösste Geschenk, das ich zum Abschied bekommen konnte.

Sie waren 24, als Sie das Amt übernommen haben. Stephen Bosshard, Ihr Nachfolger, ist 27. Was ist Ihre Meinung, weshalb finden sich im Neckertal immer wieder junge Menschen, die im Fussballclub schon früh Verantwortung übernehmen?

Als ich das Präsidentenamt übernahm, konnten praktisch keine jungen Trainer oder Funktionäre gefunden werden. Ich kannte bereits die ganzen Juniorenmannschaften, deren Spieler, und wusste, nur die Geduld, das Vertrauen gewinnen und das Arbeiten an vorderster Front werden uns junge Kandidaten in die verschiedenen Ämter bringen. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei allen Anlässen gleich das OK-Präsidum übernommen habe. Ich wollte immer wissen, wo der Schuh drückt und was wir verbessern können. Mir war auch das menschliche Verhältnis untereinander auf Augenhöhe äusserst wichtig, ebenso die Ehrlichkeit, wenn mir einmal ein Fehler unterlaufen ist. Und nicht zuletzt die Wertschätzung für all die geleisteten Arbeitsstunden. Dankbarkeit kann man auch vorleben.

Was verstehen sie unter Dankbarkeit vorleben?

Dankbar sein und dies mit verschiedenen Gesten zum Ausdruck bringen. Zum Beispiel dem Matchbeizliteam eine Runde spendieren, ein Juniorenspiel besuchen oder sich bei den Trainern über die aktuelle Situation erkunden und falls nötig die erforderlichen Schritte einleiten. Ich habe in den zehneinhalb Jahren jedes Spiel der ersten Mannschaft besucht und dadurch so manche Partie des FC St. Gallen verpasst.

Wenn man etwas mit Herz und Leidenschaft macht, steht man seinem Club zu jeder Tages- und Nachtzeit aber gerne Verfügung.

Haben Sie einmal ausgerechnet, wie viel Zeit Sie wöchentlich in das Amt investierten?

Ich weiss es nicht. Vielleicht zehn Stunden. Einige sind auch noch während der Autofahrt oder bei der Arbeit hinzugekommen. Vor den Anlässen wie dem Lottoabend und dem Hallenturnier waren es bestimmt mehr.

Gab es auch etwas, das Sie umsetzen wollten, das sich aber letztendlich nicht realisieren liess?

Da kommt mir der nicht vorhandene Allwetterplatz in den Sinn. Der Club und ich haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben.

Gibt es denn schon konkrete Pläne?

Die gibt es noch nicht. Das Ziel wäre aber, dass wir in den nächsten fünf bis sechs Jahren in Degersheim einen Allwetterplatz realisieren können. Wir benötigen einen, ohne wird es in Zukunft kaum gehen.

Die 1. Mannschaft belegt in der laufenden Meisterschaft in der 3. Liga den vierten Platz. Können Sie sich vorstellen, dass im Neckertal irgendwann 2.-Liga-Fussball gespielt wird?

Das wäre megacool. Mir und dem Verein ist aber wichtig, dass wir den Erfolg aus eigener Kraft respektive mit eigenen Junioren erarbeiten können. Wir kaufen keine Spieler und zahlen auch keine Entschädigungen. Bei uns zahlt jeder Spieler noch einen Jahresbeitrag. Das ist unsere Einstellung: Wer in unserem Fussballclub Mitglied ist, schätzt das Familiäre und will kein Geld.

Wie steht es eigentlich um den Nachwuchs im Neckertal?

Zurzeit bauen wir hier ein Netzwerk auf, um wieder vermehrt Junioren aus dem Neckertal zu gewinnen. Erste Erfolge sind bereits sichtbar.

Sie haben frühzeitig Ihren Abschied als Präsident angekündigt. Nun übernimmt Stephen Bosshard. War es schwierig, ihn davon zu überzeugen?

Nein. Schon lange vor meiner Rücktrittserklärung habe ich mögliche Nachfolger im Umfeld des Vorstandes und des Vereins beobachtet. Die Arbeitsweise, wie jemand auftritt, wie er handelt, das hat schon lange vorher stattgefunden. Stephen Bosshard war mein persönlicher Wunschkandidat, er wusste es einfach «noch» nicht. Ich habe zuerst seine Freundin gefragt. Mir war es wichtig, dass er bei einer Zusage überzeugt ist, und es nicht aus einer gewissen «Bringschuld» gegenüber dem Verein macht. Er kommt jetzt voller Tatendrang und hat Freude an seinem neuen Job. Eine ganz tolle Erleichterung für mich persönlich. Der Verein ist in guten Händen.

Stephen Bosshard kommt jetzt voller Tatendrang und hat Freude an seinem neuen Job. Eine ganz tolle Erleichterung für mich persönlich. Der Verein ist in guten Händen.

Sie bleiben dem Club als Vorstands-Mitglied erhalten und betreuen das Ressort Anlässe. Um was für Anlässe handelt es sich?

Ich werde weiterhin den Lottoabend, das Hallen-Adventsturnier, den Jahrmarktstand und die Altpapiersammlungen in den Gemeinden Neckertal und Degersheim als OK-Präsident betreuen.

Welche Schlagzeile würden Sie Ihrem Nachfolger wünschen?

Stephen Bosshard gibt den Kickoff auf dem neuen Allwetterplatz. Das wäre doch was.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.