Für das Toggenburg und die Welt

Spitzenleistungen von Toggenburger Frauen waren im Fokus, diskutiert wurde an der Tagung «Toggenburger Spitzen» aber weit über thematische und geografische Grenzen hinaus.

Ruben Schönenberger
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Drei «Toggenburger Spitzen» im Gespräch: Katja Bürgler-Zimmermann, Lucrezia Meier-Schatz und Ina Praetorius (von links).

Drei «Toggenburger Spitzen» im Gespräch: Katja Bürgler-Zimmermann, Lucrezia Meier-Schatz und Ina Praetorius (von links).

«Ich wünsche mir, dass das Toggenburg in zehn Jahren stärker zusammengewachsen ist und wir stolz auf unsere Region sein können.» Mit diesem Satz lieferte die ehemalige CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz so etwas wie den Grundtenor für die von der SP Toggenburg organisierte Veranstaltung «Toggenburger Spitzen» vom vergangenen Samstag: Es gibt Gründe, stolz auf das Thur- und Neckertal zu sein, aber manchmal könnten sich die Toggenburgerinnen und Toggenburger stärker zusammenraufen.

Was das Thur- und Neckertal zu bieten hat, kam insbesondere in der von FM1-Moderatorin Lara Abderhalden geleiteten Podiumsdiskussion zur Sprache, an der neben Meier-Schatz auch die evangelische Theologin Ina Praetorius und die Musikpädagogin Katja Bürgler-Zimmermann teilnahmen. So beschrieb die in Deutschland aufgewachsene Praetorius, wie ihr Vater das damalige Feriendomizil Wildhaus ausgesucht hatte: «Er wollte, dass wir am schönsten Ort der Schweiz Ferien machen. Und hat Wildhaus gefunden.» Meier-Schatz strich insbesondere den Neckertaler Baumwipfelpfad, den Klangweg und das Wandern dem Necker entlang heraus. Und Bürgler-Zimmermann beschrieb, wie sie im Studium in Luzern gemerkt habe, was man am Toggenburg eigentlich habe.

Alle drei waren sich aber auch einig, dass man mehr machen könnte. Meier-Schatz bezeichnete den Zustand einiger Häuser als katastrophal fürs jeweilige Dorfbild. Bürgler-Zimmermann zog diesbezüglich einen Vergleich mit dem Appenzellischen, wo die Häuser gepflegter und die Bewohnerinnen und Bewohner stolz darauf seien. Praetorius fügte jedoch an, man solle die Liegenschaften nicht einfach pflegen, um riesige Touristenströme anzuziehen. Man solle sie um der Pflege willen pflegen. «Schliesslich hat es auch Vorteile, wenn wir nicht die ganz grossen Touristenströme bei uns haben.»

«Wo jemand zu Hause ist, ist ja egal»

Die Veranstaltung hatte aber nicht das Toggenburg alleine im Blickfeld. Insbesondere Meier-Schatz und Praetorius gingen in ihren Referaten vor der Diskussion auf das grössere Bild ein. Bei der ehemaligen CVP-National­rätin war die wachsende Bedeutung von Stakeholdern, also ­Anspruchsgruppen, das Haupt­thema. Diese würden sich bei zweifelhaften oder zumindest kritischen Geschäften zunehmend Gehör verschaffen, erklärte sie unter anderem am Beispiel von Greenpeace-Aktivisten, die sich bei einer Aktionärsversammlung der Credit Suisse vom Dach abseilten. Das berge ein zunehmendes Reputationsrisiko für die Firmen und damit auch für die ganze Schweiz, da beispielsweise sieben der zehn grössten Konzerne im Rohstoffhandel hierzulande beheimatet seien.

Praetorius ging in ihrem Referat der Frage nach, wie ein ­gutes Leben für alle möglich sei. «Für alle» war dabei wörtlich zu nehmen. «Wo jemand zu Hause ist, ist ja egal», sagte die Theologin. Eigentlich sei die Antwort ganz einfach: «Alle tun, was sie am besten können und ihnen Spass macht. Das setzen sie dafür ein, dass es allen sieben Milliarden Menschen auf der Welt gut geht und unser Lebensraum erhalten bleibt.»

Lehre des Haushaltens, nicht des Geldverdienens

Dabei kam auch die unbezahlte Arbeit zur Sprache. Praetorius wie Meier-Schatz bemängelten, dass diese keinen Eingang in bestehende Messgrössen wie das Bruttoinlandprodukt (BIP) finde. «Wenn ich Schweine aufziehe, sieht man das im BIP. Wenn ich Kinder aufziehe, nicht», erläuterte Meier-Schatz und fragte sich, warum das so sei. Praetorius ergänzte: «Und warum das so wenigen auffällt.» Trotzdem, darauf legte Praetorius Wert, wolle sie nicht der Wirtschaft per se die Schuld geben, sondern der aktuellen Wirtschaftsform. Ökonomie heisse dem Wortsinn nach schliesslich «Lehre des Haus­haltens» und nicht «Lehre des Geldverdienens».

Zur Abrundung des fast ganztätigen Anlasses übergaben die Verantwortlichen rund um Organisator Bruno Facci und Moderatorin Petra Kohler den Ball an Bürgler-Zimmermann, die sogleich alle Teilnehmenden auf die Bühne bat. Ein Crashkurs in «Johle und Gradhebä» erwartete die Teilnehmer. Der Erfolg von Bürgler-Zimmermann war offensichtlich: Kaum war der Kurs ­beendet, diskutierten die Teilnehmenden schon über die Gründung eines eigenen Chors.