Ebnat-Kappler sorgt für frisches Blut in der Gothic-Szene

Patrick Näf aus Ebnat-Kappel nimmt am Samstag als Dunkelsucht an der Qualifikation für den Ostschweizer Bandwettbewerb bandXost im Gare de Lion teil.

Corinne Bischof
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Für Patrik Näf alias Dunkelsucht ist die Musik ein Weg, seine Emotionen zu verarbeiten. (Bild: PD)

Für Patrik Näf alias Dunkelsucht ist die Musik ein Weg, seine Emotionen zu verarbeiten. (Bild: PD)

In der heutigen Zeit gibt es unendlich viele Musikstile. Von Indie Rock über Hip-Hop, New Wave, Synthie und Trap scheint die Welt alles schon einmal gehört zu haben. Doch Patrick Näf alias Dunkelsucht aus Ebnat-Kappel schafft es immer wieder, mit seiner unkonventionellen Musik zu überraschen.

Die Lieder von Dunkelsucht sind eine Mischung aus Industrial und Elektro Pop, die Liedtexte handeln von der Angst, vom Tod und der dunklen Einsamkeit. Im Lied «Die letzte Nacht» heisst es beispielsweise:

«In dieser Nacht wird es zu Ende gebracht und diese Nacht wird in deinem Blut verbracht.»

Patrick Näf macht keine Musik, die für alle Ohren bestimmt ist. Er bewegt sich in der vergessenen Welt aus den Anfängen der 2000er-Jahren, schwingt zwischen Gothic und Techno – und ist dabei international erfolgreich.

Die grösste Fanbase kommt aus Deutschland

Schon als Jugendlicher zog es Patrick Näf in die unbekannte, düstere Welt der Gothic-Szene. Während sich andere Jugendliche schon Monate im Voraus auf Konzerte von Justin Bieber, One Direction oder Ed Sheeran freuten, reiste Patrick Näf quer durch die Schweiz auf der Suche nach Bands, die seine Musik spielten. «Das war nicht einfach», meint Patrick Näf.

«In der Schweiz gibt es vielleicht fünf bekannte Bands in der Gothic-Szene.»

In Deutschland hingegen ist die Musik populärer, breiter gefächert und zieht deutlich mehr Menschen an. «In der Schweiz ist das alles klein, dafür aber familiärer», erzählt Patrick Näf. Auf den Konzerten begegnete er immer wieder denselben Leuten. Irgendwann begann Patrick Näf, selber Musik zu machen. Es begann mit einer App, später folgte eine Software und heute spielt er regelmässig in Zürich in Aarau. Als Vorband von L’âme imortelle zog es ihn letztes Jahr über die Grenzen nach Deutschland. Dort, wo heute die meisten seiner Fans zuhause sind.

Die Musik von Dunkelsucht ist nicht Patrick Näfs alleiniges Werk. Sein Freund Tim Lindner schloss sich mit ihm zusammen und steht heute mit einem Synthesizer auf der Bühne. Durch einen Bekannten aus der Gothic-Szene erhielt Patrick Näf den Kontakt zu einem Produzenten und anfangs 2017 veröffentlichte er seine erste EP namens «Es ist an der Zeit». Darauf folgte das Album «Mind Steps» und die Single «Die Sterne sehen». Patrick Näfs Lieder sind aber nicht nur düster und dunkel. «Die Variation meiner Songs ist gross», sagt Patrick Näf. Manchmal seien es harte Beats und manchmal auch ruhige Songs.

Düster und dunkel aber sehr facettenreich

Was Patrick Näfs Musik so einzigartig macht, sind seine Songtexte. Sie handeln vom Tod, von Blut und Mord und einer tief steckenden Einsamkeit. Doch Patrick Näf ist wider aller Erwartungen ein aufgestellter, fröhlicher, aber ruhiger Mensch.

«Die Musik ist für mich einen Weg, viele angestaute Emotionen herauszulassen.»

Auch sei er selten dunkel oder extrem angezogen, wie es viele andere täten. «Ich bin ein normaler Mensch. Ich bin gelernter Bäcker und studierter Lebensmitteltechnologe und abends stehe ich auf einer Bühne», meint Patrick Näf.

Die Geschichten in seinen Liedern stammen meist aus seiner Fantasie und sind übertrieben und und direkt ausgedrückt. Die Bühne, das ist seine Welt. Dort glänzt Patrick Näf mit seiner Präsenz, seiner Stimme und seinen melancholisch-harmonischen Songs. «Meine Freunde sagen oft, dass sie mich auf der Bühne nicht wiedererkennen», erzählt Patrick Näf. Doch die Szene, in der sich Patrick Näf bewegt, ist eine aussterbende. Die Leute, welche Gothic-Konzerte besuchen, sind oft über dreissig Jahre alt.

Musik an die Jugend bringen

Patrick Näf ist mit seinen 22 Jahren deutlich unter dem Altersdurchschnitt. Und genau das will er ändern: «Ich will meine Musik wieder an die Jugend bringen», meint Patrick Näf. Deshalb hat er sich dazu entschieden, an einer Qualifikation für den Ostschweizer Bandwettbewerb bandXost teilzunehmen. Diese findet am kommenden Samstag im Gare de Lion in Wil statt. «Ich habe keine grossen Erwartungen», meint Patrick Näf.

«Wenn meine Musik auch nur jemanden erreicht, bin ich glücklich.»

Dabei hätte Dunkelsucht durchaus Potenzial. Schon zwei Mal hat Patrick Näf an Bandwettbewerben teilgenommen und erreichte dabei jeweils den dritten Rang.

Bei bandXost will sich Dunkelsucht den Leuten in der Ostschweiz zeigen und für etwas Abwechslung und Aufmerksamkeit sorgen. «Ob die Musik beim Publikum ankommt, ist immer schwer abzuschätzen», sagt Patrick Näf.

bandXost

Dunkelsucht spielt am Samstag, 6. Oktober, um 20 Uhr in der zweiten Qualifikationsrunde vom bandXost im Gare de Lion in Wil. Mehr Infos über die Qualifikationsrunde unter www.bandxost.ch/#qualifikation; www.facebook.com/Dunkelsucht.