Friedliches Duell ums Gemeindepräsidium von Wildhaus-Alt St.Johann: Herausforderer Renato Pedrolini und Amtsinhaber Rolf Züllig brachten unterschiedliche Betrachtungsweisen ans Licht

Vor den Gesamterneuerungswahlen am 27. September stellte sich die Kandidierenden in Wildhaus-Alt St.Johann vor. Es gibt viele Kampfwahlen, sowohl ums Gemeindepräsidium als auch ums Schulpräsidium und um den Gemeinderat bewerben sich mehr Kandidierende als Sitze offen sind.

Adi Lippuner
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Renato Pedrolini (links) fordert Amtsinhaber Rolf Züllig in den Wahlen zum Gemeindepräsident heraus.

Renato Pedrolini (links) fordert Amtsinhaber Rolf Züllig in den Wahlen zum Gemeindepräsident heraus.

Bild: Adi Lippuner

Der amtierende Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann Rolf Züllig und sein Herausforderer Renato Pedrolini, beide parteilos, haben sich am Montagabend dem Publikum und den Fragen der Moderatoren gestellt. Der Grossaufmarsch in der Mehrzweckhalle Chuchitobel zeigte, dass die Bevölkerung wissen will, wer in Zukunft für die Geschicke der Gemeinde verantwortlich sein wird.

Die Diskussion unter der Leitung von Thomas Schwizer, Redaktionsleiter «Werdenberger und Obertoggenburger» und Sabine Camedda, Reporterin «Toggenburger Tagblatt» machte klar, dass der Blick von Aussen auf ein Amt und langjährige Erfahrung als Gemeindepräsident zu unterschiedlichen Betrachtungsweisen führen können.

Bahnen müssen selbst eine Lösung finden

Renato Pedrolini nutzte die Gelegenheit, um sich bei der Bevölkerung bekannt zu machen und präzisierte die bereits im Vorfeld des Abends geäusserte Kritik. So geht ihm das ganze Verfahren rund um die Rückzonung und die Raumplanung zu langsam. Er möchte als Gemeindepräsident einen halben Tag mit einer offenen Türe für die Bevölkerung einführen.

Beim Zwist der beiden Bergbahngesellschaften stellt sich Renato Pedrolini auf den Standpunkt, dass die privatwirtschaftlichen Unternehmen den Weg selbst finden müssen. Eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde, wie vom Souverän beschlossen, sieht er eher kritisch.

Menschliche Schicksale durch Verlust von Bauland

Amtsinhaber Rolf Züllig stieg mit dem Zitat: «Das Leben ist schön, aber niemand hat gesagt, dass es einfach ist», in die Diskussion ein. Zur Rückzonung gab er zu bedenken, dass dies für Betroffene ein harter Einschnitt sein kann.

«Ich habe während der vergangenen Zeit mit rund 80 Menschen in meinem Büro gesprochen. Mit dem Verlust von Bauland sind Schicksale verbunden und solange die Frage der Entschädigung durch den Kanton nicht geregelt ist, werden wir das Ganze kaum umsetzen können.»

Auch die Kritik seines Herausforderers, dass andere Gemeinden, beispielsweise im Neckertal mit der Rückzonung schon viel weiter seien, wies Rolf Züllig zurück. «Keine Gemeinde im Kanton ist weiter als wir.»

Ungleiche Ansicht über die Rolle der Gemeinde im Tourismus

Das Hotel Acker in Wildhaus, auch immer wieder ein Gesprächsthema ist aus Sicht von Renato Pedrolini «kein schöner Anblick», für Rolf Züllig «eine leidige Angelegenheit, aber der Besitzer will genau den Preis lösen, den er sich vorstellt.» Weitere Themen wie Hochwasserschutz, für Pedrolini bisher gut gelöst, für Züllig mit der Sanierung der Wildhauser Thur und der Umlegung von Strassen ein «grosser Brocken der ohne Unterstützung von Bund und Kanton durch die Gemeinde nicht gestemmt werden kann», wurden weitere Themen angeschnitten.

Unbestritten ist für beide, dass der Tourismus in der Gemeinde einen hohen Stellenwert hat. Nicht einig sind sich Pedrolini und Züllig diesbezüglich über die Aufgabe der Gemeinde. Für Renato Pedrolini hat sich Toggenburg Tourismus mit dem Thema zu befassen, Rolf Züllig präzisierte, dass diese Organisation für die Vermarktung zuständig sei, die Angebote seinen von den Leistungsträgern zu erbringen.

Begehrter Gemeinderat: Neun Kandidierende für drei Sitze

Acht von neun Kandidierenden für den Gemeinderat und in der Bildmitte die beiden Bewerber für das Schulratspräsidium, stellen sich und ihre Motivation fürs Amt der Bevölkerung vor.

Acht von neun Kandidierenden für den Gemeinderat und in der Bildmitte die beiden Bewerber für das Schulratspräsidium, stellen sich und ihre Motivation fürs Amt der Bevölkerung vor.

Bild: Adi Lippuner

Für die vier Sitze, die nebst dem Gemeindepräsidium zu besetzten sind, bewerben sich elf Kandidaten, wobei nur ein bisheriger antritt. Die neue Schulratspräsidentin oder der neue Schulratspräsident, zur Wahl stellen sich Michaela Näf und Roger Widmer, werden in der Einheitsgemeinde von Amtes wegen Einsitz im Gemeinderat nehmen.

Für die restlichen drei Sitze bewerben sich, nebst Walter Hofstetter (bisher) auch Ingrid Abderhalden, Simon Ammann, Karl Bollhalder, Werner Bollhalder, Rita Elmer, Peter Hofstetter, Thomas Stolz und Christiana Sutter. Sie alle erhielten nach der Podiumsdiskussion Gelegenheit, sich vorzustellen.

Nicht anwesend war Simon Ammann, der sich ebenfalls zur Wahl stellt. Aus dem Publikum wurde bedauert, dass sich in der von der Landwirtschaft geprägten Gemeinde weder ein Bauer noch eine Bäuerin für den Gemeinderat zu Verfügung stellt.

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