Freiwilligeneinsatz
Eine ganz andere Naturerfahrung: Zehn junge Menschen engagieren sich für die Biodiversität im Neckertal

Während zweier Wochen arbeitet das Landschaftskonzept Neckertal mit internationalen Freiwilligen sowie den Helfern vom Service Civil International Schweiz zusammen. Ein Ziel: Die Artenvielfalt unterstützen.

Felicitas Markoff
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Die beiden 18-jährigen Jasmijn Dewitte (links) und Hannah Camenzind haben trotz des Regens Freude an ihrer Arbeit.

Die beiden 18-jährigen Jasmijn Dewitte (links) und Hannah Camenzind haben trotz des Regens Freude an ihrer Arbeit.

Bild: Felicitas Markoff

Ein kühler und nasser Herbsttag. Eine zehnköpfige Gruppe arbeitet auf einer steilen Wiese in der Winzlisau auf dem Gemeindegebiet von Oberhelfenschwil. Sie besteht aus Freiwilligen, die sich noch diese Woche als Freiwillige beim Landschaftskonzept Neckertal engagieren.

Einige haben für das zweiwöchige Projekt einen weiten Weg zurückgelegt, sind aus Indien, Algerien oder Belgien ins Toggenburg gereist. Auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und der Schweiz sind unter den Gruppenmitgliedern zu finden. Gemeinsam setzten sie sich dafür ein, lebenswerte Lebensräume für Bäume, Pflanzen und Tiere zu schaffen. Gleichzeitig erleben sie den interkulturellen Austausch innerhalb der Gruppe. «Mit solchen Projekten erleben die Teilnehmer eine ganz andere Naturerfahrung. Denn bei vielen Menschen ist das Naturgefühl fast vollständig verloren gegangen», sagt Sandra Gerlach, die das Projekt «Mehr Biodiversität im Neckertal» begleitet.

Wiese hat Potenzial als Lebensraum für Tiere und seltene Pflanzen

Die Freiwilligen haben an diesem Herbsttag die Aufgabe, geschnittenes Gras zu rechen und es auf einen Haufen zu befördern. Da die Wiese zu steil ist, kann das Gras nicht mit einem Traktor abtransportiert werden. Doch wie wird die Biodiversität mit dem zusammengerechten Gras verbessert? Sandra Gerlach arbeitet für das Landschaftskonzept Neckertal und somit eng mit den international Freiwilligen zusammen. Sie erklärt:

«Die Wiese würde durch das verbleibende Gras mit Nährstoffen angereichert, ähnlich wie eine Düngung. Wir wollen aber einen mageren Boden, damit auch seltene Pflanzen überleben können.»

Gerlach bezeichnet den steilen Hang in der Winzlisau als sogenannten Potenzialstandort für mehr Biodiversität. «Sobald eine Wiese als Arbeitsort für die Freiwilligen in Frage kommt und bewirtschaftet wird, muss das Gebiet nach spätestens fünf Jahren wieder gepflegt werden, damit es nicht einwächst», sagt Gerlach.

Sandra Gerlach arbeitet mit den Freiwilligen eng zusammen und unterstützt sie bei ihrem Einsatz im Neckertal.

Sandra Gerlach arbeitet mit den Freiwilligen eng zusammen und unterstützt sie bei ihrem Einsatz im Neckertal.

Bild: Felicitas Markoff

Zusammen arbeiten und wohnen

Hannah Camenzind kommt aus Bern und macht bei diesem Projekt mit, weil sie gerne draussen an der frischen Luft ist und sich darüber freut, neue Leute kennen zu lernen. Es sei interessant, als Gruppe spannende Aktivitäten zu erleben, sagt die 18-Jährige. Dass man bei diesem Projekt mit Freiwilligen aus der ganzen Welt zusammenarbeitet, gefällt ihr besonders gut. Über diese Art von Freiwilligenarbeit sagt Hannah Camenzind:

«Man sieht, was man als Gruppe zusammen erreicht hat.»

Innerhalb der Gruppe reden die Freiwilligen englisch. Die Bernerin hatte vor dem Projekt Angst, ihr Englisch könnte dafür nicht gut genug sein. Es hat sich aber herausgestellt, dass sie sich gut mit den anderen Helfern unterhalten kann. Die 18-Jährige berichtet, dass sie ähnliche Arbeiten wie bei diesem Projekt, bereits in der Vergangenheit geleistet habe, zum Beispiel auf einem Bauernhof.

Jasmijn Dewitte ist 18 Jahre alt und kommt aus Belgien. Sie macht bei diesem Projekt mit, weil sie gerne reist und neue Leute kennen lernt. Sie möchte aber vor allem etwas Nützliches tun. Die Belgierin empfindet das Rechen als ruhige Arbeit, bei der man sich gut mit den anderen unterhalten kann. Sie nutzt dabei die Gelegenheit, die anderen Gruppenmitglieder besser kennen zu lernen.

Zehn Freiwillige sorgen mit ihren Aufräumarbeiten in der Winzlisau bei der Achsäge im Neckertal für mehr Biodiversität.

Zehn Freiwillige sorgen mit ihren Aufräumarbeiten in der Winzlisau bei der Achsäge im Neckertal für mehr Biodiversität.

Bild: Felicitas Markoff

Die Freiwilligen arbeiten aber nicht nur miteinander, sie wohnen während des Projekts auch gemeinsam in einer Unterkunft. Dort wird gemeinsam gekocht und gegessen.

Über 1000 Freiwillige

2021 wurden bereits acht Einsätze mit 156 Personen durchgeführt. Solche Freiwilligenprojekte werden seit 2006 realisiert. Bisher haben sich über 1000 Freiwillige daran beteiligt. Insgesamt wurde an 170 Tagen gearbeitet, das entspricht knapp 19'070 Personenarbeitsstunden, die von den Freiwilligen geleistet worden sind.

«Für dieses Projekt arbeiten die freiwilligen Helferinnen und Helfer vom Service Civil International, kurz SCI Schweiz, bereits zum 7. Mal mit uns zusammen», sagt Gerlach. SCI Schweiz setzt sich als Non-Profit-Organisation für interkulturellen Austausch, gewaltfreie Konfliktlösung und nachhaltige Entwicklung ein. Er vermittelt motivierte Freiwillige in Workcamps und Langzeiteinsätzen weltweit.

Die Helferinnen und Helfer rechen das geschnittene Gras zusammen und machen verschiedene Haufen. Diese Haufen werden am Rand der Wiese deponiert.

Die Helferinnen und Helfer rechen das geschnittene Gras zusammen und machen verschiedene Haufen. Diese Haufen werden am Rand der Wiese deponiert.

Bild: Felicitas Markoff

Damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei dem Projekt mitmachen können, mussten sie zuvor einen Coronatest machen. Auch haben die Projektverantwortlichen ein Hygienekonzept entwickelt. So wird bei jedem Arbeitsort genügend Wasser und ökologisch abbaubare Seife zur Verfügung gestellt.

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