Freiwilligen-Engagement im Neckertaler Wald: Voller Einsatz auch bei Starkregen

Freiwillige von Service Civil International engagieren sich mit einem Umwelteinsatz für das Landschaftskonzept Neckertal.

Urs M. Hemm
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Die Teilnehmer des Einsatzes zeigen die gesammelten Wassertiere der Umweltwissenschafterin Livia May. Sie versucht, die Tiere zu bestimmen. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Teilnehmer des Einsatzes zeigen die gesammelten Wassertiere der Umweltwissenschafterin Livia May. Sie versucht, die Tiere zu bestimmen. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Kleiderwahl war an diesem Dienstag für die kleine Gruppe Freiwilliger von Service Civil International (SCI, siehe Kasten) nicht einfach: Sonnenschein wechselte sich mit Gewittern mit Starkregen ab – entweder trieb ihnen die schwüle Hitze den Schweiss auf die Stirn oder der Regen durchnässte sie. Ungeachtet der Witterung verrichteten sie aber unverdrossen Aufräumarbeiten im Grünholz, einem Wald- und Naturschutzgebiet zwischen Nassen und Dottenwil.

Die sieben jungen Erwachsenen aus der Türkei, Russland, Serbien, Spanien und Tschechien haben sich freiwillig für einen Umwelteinsatz im Rahmen des Landschaftskonzepts Neckertal (LKN, siehe Kasten) gemeldet.

Wichtige Nachpflegearbeiten

Seit dem 29. Juli leisten sie an verschiedenen Orten im Perimeter des LKN Nachpflegearbeiten. So haben sie beispielsweise im Rotholz zwischen Hemberg und Bächli nach einem Holzschlag Teile der Schlagfläche geräumt oder unterhalb der Wilket Jungwuchs geschnitten. «Solche Nachpflegearbeiten sind wichtig. Denn ohne diese wären zuvor gelichtete Flächen innert kürzester Zeit wieder von der Vegetation überwuchert», sagt Johannes Langer. Er ist Landschaftspfleger und begleitet die Gruppe während ihres Einsatzes im Neckertal, der noch bis Ende dieser Woche dauert.

Landschaftspfleger Johann Langer bespricht angesichts des Wetters das weitere Vorgehen mit Sandra Gerlach und Markus Wortmann. (Bild: Urs M. Hemm)

Landschaftspfleger Johann Langer bespricht angesichts des Wetters das weitere Vorgehen mit Sandra Gerlach und Markus Wortmann. (Bild: Urs M. Hemm)

«Für uns ist es wichtig», sagt Sandra Gerlach, Projektleiterin Umwelteinsätze LKN, «dass die Teilnehmer bei ihrem Einsatz möglichst viel über die Natur lernen und verstehen, warum wir das hier alles machen.» Deshalb stand an diesem Morgen neben dem Waldaufräumen Umweltbildung auf dem Programm. Aus diesem Anlass sind auch der Projektverantwortliche für das LKN, Markus Wortmann, und Livia May, beide von der Scherrer Ingenieurbüro AG, mitgekommen.

War es eine Fügung oder passte die Natur- und Umweltwissenschafterin Livia May ihr Thema dem Wetter an? Jedenfalls studierte sie mit den Teilnehmern die in einem kleinen Bach vorkommenden Wassertiere wie Insekten, Spinnen und Krustentiere. Dazu schickte Livia May die Freiwilligen mit kleinen Bechern bewaffnet aus, um solche Klein- und Kleinstlebewesen aus dem nahen Bach zu fangen, um sie danach studieren zu können.

Interessiert verfolgen die Freiwilligen die Ausführungen vom Livia May. (Bild: Urs M. Hemm)

Interessiert verfolgen die Freiwilligen die Ausführungen vom Livia May. (Bild: Urs M. Hemm)

Durch zahlreiche Rückfragen bekundeten die Teilnehmer ihr Interesse an der Materie und prüften nicht nur das Wissen der Umweltwissenschafterin, sondern auch ihr Fachvokabular in Englisch. Da Livia May aber einen Teil ihres Studiums in Schottland absolviert hatte, meisterte sie diese Herausforderung ohne grösseren Probleme.

Gemeinsame Arbeit verbindet

Während ihres Aufenthaltes leben die sieben Freiwilligen und ihr Schweizer SCI-Betreuer Pascal Hausammann bei einer Familie in Ganterschwil. «Wir leben zusammen mit dieser Familie wie in einer grossen WG», sagt Hausammann. Das gemeinsame Einkaufen und Kochen entspreche genau dem Geist von SCI, indem verschiedene Kulturen zueinanderfinden und zusammen etwas erreichen. «Es gab bei solchen internationalen Einsätzen schon oft Jugendliche, die aus Ländern kamen, welche sich im Krieg befanden. Bei ihrer gemeinsamen Arbeit haben sie dann aber schnell herausgefunden, dass sie gar nicht so verschieden sind und ein Miteinander sehr gut funktioniert.»

Landschaftskonzept Neckertal

Seit zwölf Jahren engagieren sich die Gemeinden Neckertal, Oberhelfenschwil und Hemberg für das Projekt Landschaftskonzept Neckertal. Ziel des Projekts ist es unter anderem, die gesamte Landschaft ökologisch aufzuwerten, um Pflanzen und Tieren − je nach deren Bedürfnissen − optimale Lebensräume bieten zu können. Dabei gilt besondere Aufmerksamkeit dem Auslichten von Waldflächen sowie der Gestaltung von fliessenden Übergängen zwischen geschlossenem Wald und Offenland.
Selbstredend brauchen einmal ausgelichtete Flächen regelmässige Pflege, welche im Falle des Landschaftskonzepts Neckertal oftmals durch befristete, freiwillige Umwelteinsätze von Schulen, Vereinen oder Unternehmen geleistet wird.

SCI – Freiwilligenarbeit für den Frieden seit 1920

Service Civil International (SCI) ist eine der grössten internationalen Freiwilligenorganisationen. Mit der Organisation und Koordination von Freiwilligeneinsätzen auf der ganzen Welt fördert sie den interkulturellen Austausch und unterstützt gemeinnützige Projekte.
Jedes Jahr nehmen weltweit Tausende von Freiwilligen an internationalen Workcamps von SCI teil. Bei SCI kann sich jeder freiwillig engagieren, unabhängig von kulturellem, nationalem, religiösem oder sozialem Hintergrund. Der Schweizer Zweig von SCI (SCI Schweiz) setzt sich als Non-Profit-Organisation für den interkulturellen Austausch, eine nachhaltige Entwicklung und für gewaltfreie Konfliktlösungen ein. Er ist als Verein organisiert.