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Interview

Freilichttheater im Guggenloch: Das Publikum kann beim Theaterbesuch die Natur erleben und spüren

Im Juni wird im Guggenloch bei Lütisburg das Spiel «Wild– Ein Stück unter freiem Himmel» aufgeführt. Das Publikum soll beim Besuch Abstand vom Alltag erhalten, sagt Regisseurin Andrea Schulthess.
Sascha Erni
Regisseurin Andrea Schulthess steht zuhinterst im Guggenloch. Im Stück «Wild» spazieren die Zuschauerinnen und Zuschauer durch die Ursprünglichkeit des Ortes. (Bild: Sascha Erni)

Regisseurin Andrea Schulthess steht zuhinterst im Guggenloch. Im Stück «Wild» spazieren die Zuschauerinnen und Zuschauer durch die Ursprünglichkeit des Ortes. (Bild: Sascha Erni)

Wie kamen Sie auf die Idee, in Lütisburg im Guggenloch ein Freilichttheater als Spaziergang durch die Natur zu inszenieren?

Andrea Schulthess: Ich habe diesen Ansatz, dass die Zuschauer in einem Raum unterwegs sind, als Theatermacherin in früheren Stücken schon oft umgesetzt. Ich mag diese Theater-Form sehr. Letzten Sommer verbrachte ich sehr viel Zeit in der wilden Natur. Also fragte ich mich: Wenn Menschen mehr Raum hätten, in der Natur zu sein, welche Gedanken würden sie dann entwickeln? Würden wir der Komplexität der heutigen Themen anders begegnen? Im Stück laden wir das Publikum ein, sich in der zauberhaften Atmosphäre im Auenwald mit der Natur auseinanderzusetzen. Liebevoll, poetisch, lebendig soll es werden. Mit einem unterhaltsamen Blick auf die Rolle von uns Menschen unter all den Pflanzen, Tieren, Landschaften, Felsen und Flüssen.

Dann ist Ihr Anliegen ein Ähnliches wie das der Klimabewegung?

Jein. Es ist ein anderer Blick auf diese Themen, ein künstlerischer, philosophischer vielleicht auch. Ein Blick, der der Welt nicht aktivistisch begegnet, sondern schauend, fühlend, tastend. Wir fragen uns, wie Kontakt entsteht. Was der Mensch ist. Wie er zu dem wurde, wie er jetzt ist. Wir versuchen zu verstehen. Wie er handelt, wenn er Angst hat, zum Beispiel. Oder was uns so abgespalten vom Ganzen handeln lässt. Da gibt es auch immer wieder viel zu lachen, wenn wir sehen, wie wir als Menschen ticken.

Zur Person

Regisseurin Andrea Schulthess ist 1971 in Bern geboren und aufgewachsen. Sie arbeitete nach dem Studium zur Diplompädagogin zuerst als Lehrerin, sattelte dann aber mit einem Studium an der Zürcher Hochschule für Musik und Theater um. Andrea Schul­thess ist seit 1997 als freischaffende Regisseurin, Stückentwicklerin und Schauspielerin tätig und wohnt heute in Lütisburg. Weitere Informationen zu ihren Tätigkeiten und ihrer Person auf der Website www.theaterkreationen.ch. (rb)

Entstand so die Idee, im Stück sogenanntes Waldbaden einzubauen?

Das Publikum soll in der Vorstellung Abstand vom Alltag erhalten und den Ort vollumfänglich erleben können. Das Waldbaden hat in Japan Tradition und kommt nun auch langsam in Europa an. Und wie so oft hat sich eine eigentlich gute Idee zu einem kommerziellen Trend entwickelt.
Sie sagen, es gehe Ihnen auch um das Verhältnis des Menschen zur Natur.

Können Sie das etwas ausführen?

Uns ist im künstlerischen Leitungsteam bei der Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Stücks klar geworden, dass Tiere und Pflanzen in einer grotesken Weise abgespalten von uns Menschen wahrgenommen werden. Als Objekte, über die wir verfügen. Und dass hierin ein grosses Missverständnis liegt. Es ist alles miteinander verwoben, ist ein umfassendes biologisches Wesen. Da klingelt bei vielen wohl der Eso-Alarm. Mit Esoterik hat «Wild» jedoch nichts zu tun. Beim Recherchieren stiessen wir auf aktuellstes Forschungsmaterial aus der Biologie, besonders Anthropologie, aus Physik und Psychologie, welches uns zutiefst berührte und inspirierte.

«Wild» hat ein grosses Ensemble. Wie haben Sie diese Personen gefunden?

Wir haben 27 Darstellerinnen und Darsteller, zwischen vier und etwa 60 Jahre alt. Ein Grossteil der Leute lebt hier im Guggenloch oder im Toggenburg. Das Leitungsteam hat sich aus meinem Netzwerk ergeben. Zum Beispiel mit meinen Freilichtspielen am Chössi-Theater in Lichtensteig oder für «Heinrich und Henrietta», das ich anlässlich der 777-Jahr-Feier von Lichtensteig inszeniert hatte. Bisher läuft es rund; auch die Gemeinde, der Kanton sowie einige Stiftungen unterstützen uns.

Bei einem Freilichtspiel spielt das Wetter eine Rolle.

Bei gutem Wetter können pro Aufführung rund 80 Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf den theatralen Ausflug, wie wir «Wild» gerne nennen. Sollte es aber richtig heftiges Hochwasser geben, können wir das Stück nicht aufführen. Wir zeigen dann ein Schlechtwetterprogramm: musikalische Kleinode und Interviews hier in der alten Säge. Wer vor der Vorstellung essen mag – im Restaurant Essenzia im Guggenloch wird für das leibliche Wohl gesorgt. Auf alle Fälle empfehlen wir gutes Schuhwerk.

Hinweis

Wild – Ein Stück unter freiem Himmel. Kreation Andrea Schulthess und Angela Pina Ganzoni. Musik Angela Pina Ganzoni, Regie Andrea Schulthess. Vom 6. bis 30. Juni im Guggenloch bei Lütisburg.
www.wildmond.ch

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