Freeskier Joel Gisler zwischen Malerberuf und Spitzensport

Seit den Olympischen Spielen in Pyeongchang muss der Halfpipe-Freeskier Joel Gisler aus Libingen pausieren. Im Winter 2018/19 wird er möglicherweise gegen Ende der Saison ein Comeback versuchen dürfen.

Urs Huwyler
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Der im vergangenen Jahr verunfallte Freeskier Joel Gisler arbeitet derzeit wieder in seinem erlernten Beruf als Maler. (Bild: Urs Huwyler)

Der im vergangenen Jahr verunfallte Freeskier Joel Gisler arbeitet derzeit wieder in seinem erlernten Beruf als Maler. (Bild: Urs Huwyler)

Am 20. Februar 2018 stürzte Joel Gisler aus Libingen an den Olympischen Spielen in Pyeongchang beim ersten Jump des zweiten Qualifikations-Runs. Die Bilder gingen um die Welt. Durch den Aufprall auf der Kante der Halfpipe verletzte sich die Nummer eins im Schweizer Team an der rechten Schulter, zog sich eine Schnittwunde am Knie und eine schwere Gehirnerschütterung zu.

Im März glaubte der Freeskier, er werde bald wieder auf Schnee und in der Halfpipe trainieren können. Der Weltcup anfangs Dezember in den USA sollte zum ersten Höhepunkt im Winter 2018/2019 werden. Doch Joel Gisler, der vor Olympia schon beim Training in Laax auf den Kopf gestürzt war, musste und muss seit Pyeongchang den Sport-Betrieb einstellen. Er arbeitet im Bütschwiler Malereibetrieb Meier in seinem erlernten Beruf, updatet den Körper im Fitnesscenter oder polysportiv. «Inzwischen kann ich etwas frei Skifahren», stellt er einen kleinen Fortschritt fest.

Kopfschmerzen als ständiger Begleiter

Während die Kollegen auf Schnee trainierten, hielt sich der im Februar 2018 verunfallte Freeskier Joel Gisler auch auf dem Velo fit. (Bild: Urs Huwyler)

Während die Kollegen auf Schnee trainierten, hielt sich der im Februar 2018 verunfallte Freeskier Joel Gisler auch auf dem Velo fit. (Bild: Urs Huwyler)

Während die SC Speer-Vereinskollegen Jan Scherrer, Beda Klee und Cedric Noger Weltcuppunkte sammeln, ist aus dem Spitzenathleten Gisler ein malender Freizeitsportler geworden. Das Problem sind nicht die Schulter oder das Knie. «Ich habe immer wieder Kopfschmerzen. Solange ich nicht beschwerdefrei bin, kann ich nicht trainieren. Das wäre zu gefährlich. Die Gesundheit geht vor.» Dies sagte der am 25. Februar 25 Jahre alt werdende Toggenburger bei der Abreise aus Südkorea – und auch jetzt, zehn Monate später. Da stellt sich die Frage nach der medizinischen Betreuung. Beim Jahrestreffen des Micarna-Teams wunderten sich einige Sportlerinnen und Sportler über die lange Pause. Bei den Alpinen, war zu hören, wäre die «Wiederherstellung» wohl abgeschlossen. Feuz, Holdener oder Gisin ziehen sich im Februar eine Gehirnerschütterung zu und sind im Dezember noch nicht einsatzfähig? Unvorstellbar.

Wiedereinstieg mit Trainingsrückstand

Bei Joel Gisler erfolgten die Zusatzabklärungen in einem auf Gehirnerschütterungen bei Sportlern spezialisierten Center - möglichst frühe und sichere Wiederaufnahme des Routinetrainings und des Wettkampfsports - rund acht Monate nach dem (unterschätzten) schweren Sturz. Im Januar muss der nun in Zürich physiotherapeutisch begleitete Langzeit-Verletzte zur Kontrolle. «Dann hoffe ich», so der Weltcup-Zweite von China, «auf grünes Licht.»

Die aktuelle Saison ist allerdings gelaufen. Zwar fällt die Entscheidung an der WM in Park City erst am 9. Februar, «aber es wird einige Zeit dauern, bis ich die Sicherheit und das Selbstvertrauen wieder gefunden habe, um mich an schwierige Sprünge zu wagen. Die WM kann ebenso wenig ein Thema sein wie ein Podestplatz im Weltcup. Ob ich diesen Winter überhaupt in die Pipe zurückkehre, lasse ich offen.»

Peking 2020 könnte ein Fernziel sein

An der Freude und dem Ehrgeiz für ein Comback fehlt es Joel Gisler nicht. «Ich würde gerne weiterhin Wettkämpfe bestreiten. Aber wie gesagt, die Gesundheit steht an erster Stelle. Risiko ja, jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Vom Sport leben werde ich nie können. Eine Rolle spielt, wie die Perspektiven bei Swiss Ski aussehen.» Wenn diese positiv sind, dann müssten die Olympischen Spiele Peking 2020 das Fernziel sein.

Derzeit deutet wenig darauf hin, als besässen die wenigen «Ski-Piper» verbandsintern einen hohen Stellenwert. Wer die Homepage von Swiss Ski durchforstet, erhält den Eindruck, Joel Gisler sei nicht mehr aktiv. Wer seinen Namen eingibt, erhält eine Info vom 19. Februar. «Ich möchte mich nicht beklagen. In der Vergangenheit wurde ich gut unterstützt», betont der ehemalige Alpine. Dass er schon heraushören konnte, bei einem allfälligen Rücktritt solle er sich einfach melden, stimmt ihn zumindest etwas nachdenklich.