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Free Friday im Lichtensteiger Coworking-Space: Es ist weniger stressig als im Grossraumbüro

Diesen Monat ist das Macherzentrum in Lichtensteig freitags gratis. Ein Einblick zeigt: Die Atmosphäre ist angenehm, selbst wenn es scheint, als ob ein Anwesender Gedanken lesen könnte.
Timon Kobelt
Im Macherzentrum in Lichtensteig wird fleissig gearbeitet. Der Coworking-Space soll einerseits eine Anlaufstelle für Pendler sein, andererseits können sich Menschen ein Netzwerk aufbauen. (Bild: Timon Kobelt)

Im Macherzentrum in Lichtensteig wird fleissig gearbeitet. Der Coworking-Space soll einerseits eine Anlaufstelle für Pendler sein, andererseits können sich Menschen ein Netzwerk aufbauen. (Bild: Timon Kobelt)

Womöglich gibt es günstigere Tage als den Freitag, den 13., um einen Selbstversuch zu wagen. Doch bei einem Ausflug ins Macherzentrum im ehemaligen Postgebäude in Lichtensteig wird schon nichts schiefgehen. Im September stehen in der Ostschweiz Coworking-Angebote freitags gratis zur Verfügung – Free Friday heisst die Aktion. Das «Toggenburger Tagblatt» entschied sich dazu, einen Redaktor ins Macherzentrum zu entsenden, um die Arbeitsatmosphäre vor Ort zu testen.

Schon bei der Ankunft schlägt der vermeintliche Unglückstag zu: Der Laptop der Redaktion ist in Wattwil liegen geblieben. Wichtig zu wissen ist, dass das Macherzentrum nur den Raum zur Verfügung stellt, Arbeitsgeräte wie Computer müssen selbst mitgebracht werden. Doch als es auch die elektronische Recherchemaschine nach Lichtensteig geschafft hat, steht einem spannenden Arbeitstag nichts mehr im Wege.

Im Macherzentrum sind alle per Du

Die Begrüssung durch die anwesenden «Macher», wie sie sich nennen, fällt herzlich aus. Alle sind per Du. An diesem Morgen arbeiten fünf Personen im Coworking-Space, vier davon gehören dem Kernteam des Macherzentrums an. «Deck dich ruhig mit Kaffee und Gipfeli ein», sagt Manuela Ambühl, «und nimm dir einen Arbeitsplatz, wo es für dich passt.» Wichtige Information für Büroerprobte: Zwei Kaffees pro Tag sind gratis. Es befindet sich ein Sparsäuli neben der Maschine, das man anhand der Preisliste füttert, sofern die zwei Tassen nicht ausreichen. «Bei uns Machern basiert Vieles auf Eigenverantwortung», erklärt Manuela Ambühl.

Nach der Stärkung beginnt die Arbeit. Die Konzentration fällt einem nicht schwer. Zwar sind zwischendurch Stimmen von einem Telefongespräch zu hören, doch das kennen alle, die in einem Grossraumbüro arbeiten, wobei es im Macherzentrum gewiss weniger hektisch zugeht. Die Macher sind zumeist in ihre eigene Arbeit vertieft. Doch zwischendurch tauschen sie sich spontan über ein Problem oder eine Idee aus. Der Umgang ist sehr locker, man fühlt sich sofort gut aufgehoben.

Matthias Hüberli, Michel Ganouchi und Manuela Ambühl (von links) tauschen sich in der «Denker-Lounge» aus. (Bild: Timon Kobelt)

Matthias Hüberli, Michel Ganouchi und Manuela Ambühl (von links) tauschen sich in der «Denker-Lounge» aus. (Bild: Timon Kobelt)

Die Büroeinrichtung ist unorthodox: Zunächst hat es Arbeitsplätze auf der Seite der ehemaligen Postschalter, wo früher die Kunden gewartet haben. Dahinter, in der einstigen Schalterhalle, befinden sich weitere Computer. Gemäss Manuela Ambühl könnten zehn Personen im Macherzentrum arbeiten. Vier Arbeitsplätze seien fix vermietet. Nebst den Arbeitsplätzen ist in der Schalterhalle eine «Denker-Lounge» zu finden. Die bequemen Sitzpolster laden zu etwas gemütlicheren Sitzungen ein. Auch ein klassisches Sitzungszimmer mit Touch-Screen und eigener Kaffeemaschine ist im Gebäude vorhanden sowie eine grüne Polstergruppe, die der Kreativität auf die Sprünge helfen soll. Die Arbeitsumgebung hat durchaus ihren Charme.

Die spannenden Menschen machen den Reiz aus

Mittagspause. Es gibt im Macherzentrum zwar eine Küche, aber nichts um mitgebrachtes Essen aufzuwärmen. «Dann musst du deine Lasagne mit der Kaffeemaschine warm machen», sagt Michel Ganouchi lachend. Unheimlich, denn tatsächlich ist es Lasagne, welche der Wärme bedarf. Er könne keine Gedanken lesen, versichert der Unternehmensberater, der ursprünglich aus Zürich kommt. Er habe nur geraten. Schliesslich geht es zum Mittagessen ins Restaurant. Auch Matthias Hüberli ist dabei. Die Gespräche während des Essens sind spannend. Matthias Hüberli verdient als selbstständiger Anwalt sein Geld, während Michel Ganouchi Unternehmen hilft, dass sie für potenzielle Arbeitnehmer attraktiv sind. Der Austausch mit interessanten Personen sei das grösste Plus des Macherzentrums, betont der Unternehmensberater:

«Ich habe in meinem Berufsleben zwar schon viel gesehen und erlebt. Doch hier bin ich wieder auf ganz neue Ansätze gestossen.»

Zurück im Coworking nimmt die Arbeit ihren Lauf. Telefongespräche zu führen ist kein Problem, solange man die eigene Lautstärke im Zaum hält. Nur die Verbindung ist nicht überall im Gebäude gleich stark – je nach Telefonanbieter. Drucken geht ebenfalls. Per WLAN kann der Laptop verbunden werden.

Die finanzielle Hemmschwelle senken

Der Nachmittag vergeht rasch. Es kommt nochmals eine Person vorbei, die nicht dem Kernteam des Macherzentrums angehört. Dennoch bringen Manuela Ambühl und Michel Ganouchi im Gespräch die Hoffnung zum Ausdruck, dass noch mehr Leute den Free Friday nutzen. «Wir wollen damit die Leute neugierig machen und gleichzeitig die finanzielle Hemmschwelle senken», sagt die Finanzexpertin. An die richtigen Menschen heranzukommen, sei aber gar nicht so einfach. Michel Ganouchi hofft, dass die Community anwächst.

«Das Miteinander ist uns ganz wichtig. Man kann hier mit Menschen ins Gespräch kommen, die gleich ticken und tolle Ideen haben.»

Sie würden weiterhin lukrative Gratisaktionen anbieten, um Leute anzuziehen. Als Gegenleistung müsse man lediglich ab und an ein Ämtli für das Macherzentrum übernehmen. «So verstehen sich alle als ein Teil des Ganzen», sagt der 50-Jährige.

Hinweis

Die nächsten zwei Freitage stehen die Türen der Coworkings in der Ostschweiz für alle offen. Mehr Infos unter www.mediazeit.ch/freefriday

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