Frauen sollen mutiger sein: FDP-Frauen diskutieren über Herzensangelegenheiten in Politik und Wirtschaft

Frau kann. Darin waren sich die Frauen der FDP-Podiumsdiskussion einig. Aber will Frau denn auch?

Dinah Hauser
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Andrea Abderhalden, Karin Anderegg, Imelda Stadler, Susanne Vincenz-Stauffacher und Erika Forster (von links) diskutieren über Frauen und Politik. Moderator war Ruben Schuler.

Andrea Abderhalden, Karin Anderegg, Imelda Stadler, Susanne Vincenz-Stauffacher und Erika Forster (von links) diskutieren über Frauen und Politik. Moderator war Ruben Schuler.

Bild: Dinah Hauser

Darf man als Frau neben dem Muttersein auch noch andere Herzensangelegenheiten haben wie Politik oder Wirtschaft? Das ist eine der provokativen Fragen, mit denen Regula Kündig, Geschäftsleiterin Alzheimer St.Gallen/beide Appenzell, in ihrer Begrüssungsrede Lust auf die nachfolgende Podiumsdiskussion machte. Die FDP Toggenburg habe über 30 Frauen angefragt für den Kantonsratswahlkampf. Vier hätten sich auf die Hauptliste setzen lassen. Wie sich in der Diskussion herausstellte, braucht es mehr Überzeugungsarbeit bei Frauen als bei Männern und Frauen seien weniger mutig.

Parteien und Frauen in der Pflicht

Fünf Frauen, die in Politik und Wirtschaft aktiv sind, hatte die FDP Toggenburg in die Morga AG in Ebnat-Kappel eingeladen: Erika Forster (Ständeratspräsidentin 2009/10), Susanne Vincenz-Stauffacher (National- und Kantonsrätin, selbstständige Rechtsanwältin), Imelda Stadler (Gemeindepräsidentin, Kantonsratspräsidentin 2018/19), Karin Anderegg (Geschäftsführung Morga AG) und Andrea Abderhalden (Geschäftsleitung Jörg Abderhalden AG, Gemeinderätin). Der Einladung der FDP folgten rund 30 Personen, darunter auch eine Handvoll Männer. Ruben Schuler, Vizepräsident der FDP Toggenburg, stellte sich als Hahn im Korb der Moderation.

Er fragte die Diskussionswilligen, wer in der Verantwortung stehe, Frauen in die Politik zu holen. Erika Forster sieht die Parteien in der Pflicht. Sie gab aber auch zu bedenken: «Früher waren die Frauen nicht so stark berufstätig. Wir hatten noch Zeit neben dem Haushalt, uns für die Politik einzusetzen.» Susanne Vincenz-Stauffacher sieht ebenfalls die Parteien in der Pflicht, während sich Imelda Stadler fragte, ob man das den Parteien überhaupt zumuten kann. Beide betonten aber, dass es ein Zusammenspiel aller Beteiligten brauche; alleine könne man kaum etwas bewirken.

Könnte eine Quote als Krücke funktionieren?

Bewusst provokant fragte Ruben Schuler: Was nützen mehr Frauen in der Politik? Susanne Vincenz-Stauffacher sagte: «Die Politik ist ausgeglichener. Frauen bringen andere Sichtweisen und Schwerpunkte ein.» Und in der Wirtschaft? Für Karin Anderegg sind Frauen ebenfalls eine Bereicherung. «Jedoch unterscheiden wir bei uns nicht nach Geschlecht, sondern nach der Qualität der Arbeit und den Qualifikationen.» Erika Forster sagte, man müsse aber die Unterschiede der Branchen beachten: «Einige Branchen finden kaum qualifizierte Frauen.»

Braucht es eine Frauenquote im Kaderbereich? Nein, sagte Karin Anderegg.

«Ich will nicht die Quotenfrau sein. Ich will aufgrund meiner Qualitäten arbeiten.»

Susanne Vincenz-Stauffacher sagte: «Eigentlich sollte es keine Quote geben müssen.» Sie fragte sich aber gleichzeitig: «Könnte es funktionieren, wenn man vorübergehend eine Quote als eine Art Krücke einführt?» Gremien wären dann gezwungen, gezielt Frauen zu suchen, auch ausserhalb ihres Netzwerks, in welchem oftmals Stellen vergeben werden. Imelda Stadler sprach sich gegen eine Quote aus. «Es liegt an uns selber, zu handeln.» Auch soll ein Exotinnenstatus vermieden werden. Daran knüpfte Susanne Vincenz-Stauffacher an:

«Dass es so weit kommt, da sind wir mit schuldig.»

Einige Frauen würden es geniessen, Exotin unter Männern zu sein und sie forderte mehr Solidarität unter Frauen. Andrea Abderhalden wusste von einem Negativbeispiel zu berichten: «Beim Wahlkampf unterstützen mich alle angefragten Vereine ausser dem Frauenverein.» Zudem wurden Ideen laut, die vor allem die Rahmenbedingungen betreffen: mehr flexible Arbeitszeiten, mehr Teilzeitstellen im Kaderbereich und längere Kitabetreuung am Abend, aber auch die Bereitschaft der Frau, der Familie und des Umfelds, sich zu organisieren und mitzuhelfen.

Staat soll Hürden senken

Auch die Lohnungleichheit wurde kurz angesprochen. Was weitaus mehr zu diskutieren gab und schon vor Ruben Schulers letzter Frage mehrmals aufgegriffen wurde: Kita – Staats- oder Unternehmensangelegenheit? Für Karin Anderegg ist das Staatsaufgabe.

«Den Betrieben sind die Hände gebunden.»

Es sei am Staat, erst die Hürden zu senken. Die anderen Teilnehmerinnen stimmten dem zu, die Rahmenbedingungen passen nicht. Imelda Stadler appellierte erst einmal an die Eigenverantwortung und fände eine gute Mischung von Staats- und Privatbetrieben gut. Bisher gäbe es ja schon Blockzeiten und eine Tagesstruktur in der Schule. Auch Susanne Vincenz-Stauffacher fand die Einbindung von Privaten und die Eigenverantwortung wichtig. Sind denn nicht die Gemeinden überfordert? Imelda Stadler sieht gemeindeübergreifende Lösungen als angebracht und erwartet künftig intensive Diskussionen. Erika Forster wollte nichts weiter anfügen, ausser: «Wir haben schon einiges erreicht. Auch die Männer haben mitgeholfen.»