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Fledermaus-Situation im Toggenburg ist kritisch: «Akzeptanz bei Konflikten mit Fledermäusen ist auf einem bedenklich tiefen Niveau»

Der Nesslauer René Güttinger setzt sich seit bald 40 Jahren für die Erhaltung von Lebensräumen für Fledermäuse ein. Vor allem in jüngerer Zeit gestaltet sich das aber immer schwieriger. Schuld daran ist die zunehmend intensive Landnutzung durch den Menschen.
Corinne Bischof
Das Grosse Mausohr ist eine der 22 Fledermausarten, die im Toggenburg auf der Suche nach mehr Lebensraum sind. (Bild: René Güttinger)

Das Grosse Mausohr ist eine der 22 Fledermausarten, die im Toggenburg auf der Suche nach mehr Lebensraum sind. (Bild: René Güttinger)

Über Fledermäuse kursieren viele Gerüchte. Die angeblich blutsaugenden Tiere sind vielen unbekannt, fremd und unheimlich. Kein Wunder, schliesslich sind sie der wichtigste Bestandteil jeder Vampirgeschichte. Die meisten wissen kaum etwas über das nachtaktive Säugetier, das auch im Toggenburg zu Hause ist. René Güttinger aus Nesslau nimmt die Tiere seit mittlerweile 38 Jahren genauer unter die Lupe. Der studierte Zoologe und Wildtierbiologe ist der operative Leiter des Fledermausschutzes in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden. Ausserdem hat er mit Gleichgesinnten vor rund 15 Jahren den Verein Fledermausschutz ins Leben gerufen.

Die Fledermäuse verbinden zwei Interessen

Als René Güttinger Anfang der 1980er-Jahre Student der Biologie war, wusste kaum jemand etwas über die Fledermaus. Sowohl in der Schweiz als auch in ganz Europa wurde wenig Forschung über die Säugetiere betrieben. Trotzdem standen die gefährdeten und teils vom Aussterben bedrohten Tiere schon damals unter Schutz – auch wenn heute niemand mehr weiss, wie das zu Stande kam.

Auf René Güttinger muss die Unbekanntheit des Tieres aber eine ganz spezielle Faszination ausgeübt haben. Als einer der ersten begann er, gemeinsam mit Studienkollegen über das fremde Tier zu forschen. Er habe schon immer ein starkes Interesse an der Natur gezeigt, erzählt René Güttinger. «Aber auch daran, wie der Mensch die Kulturlandschaft nutzt und gestaltet, mit Auswirkungen für Tiere, Pflanzen und Lebensräume», fügt er hinzu.

Mit den Fledermäusen hat René Güttinger etwas gefunden, was seine beiden Interessen stark verbindet. «Wenn man die Fledermäuse studiert, landet man unumgänglich bei der Erforschung ihres Lebensraumes mitten in der Kulturlandschaft», erzählt René Güttinger. Dieser Lebensraum wird heute vom Menschen bestimmt. «Wir haben die Möglichkeit, den Fledermäusen alles zu geben – oder alles zu nehmen», sagt René Güttinger ganz klar.

Trotz grossen Einsatzes vermehrte Rückschritte

Als operativer Leiter des Fledermausschutzes St. Gallen, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden ist er dafür verantwortlich, die Quartiere und Jagdlebensräume der Fledermäuse in der Region zu erhalten und zu fördern.

Als Quartiere mögen Fledermäuse warme und ruhige Plätze, wie beispielsweise in Dachböden, in Dachspalten, unter Holzverkleidungen, in Mauerspalten oder Baumhöhlen. Als Jagdgebiet bevorzugen sie abwechslungsreiche, möglichst naturnahe Landschaften mit einem ausreichenden Beuteangebot. Vor allem in letzter Zeit sieht es für die unter Schutz stehenden Tiere sowohl im Toggenburg als auch in der ganzen Region wieder kritisch aus. Und das, obwohl René Güttinger und der Verein Fledermausschutz, der von Freiwilligen getragen wird, seit Jahren grossen Einsatz zur Erhaltung der Lebensräume leisten.

«Die Akzeptanz bei Konflikten mit Fledermäusen ist heute wieder auf ein bedenklich tiefes Niveau gesunken, was wohl den generellen Stellenwert des Naturschutzes in der Bevölkerung widerspiegelt, sobald man selber betroffen wird», meint René Güttinger nachdenklich. Insgesamt jedoch fällt für ihn die langjährige Bilanz positiv aus. Sie hätten in der Vergangenheit viel erreicht, beispielsweise beim Erhalt und bei der Neuschaffung von Fledermausquartieren und Jagdgebieten sowie bei der Überwachung des Bestandes wichtiger Kolonien.

Das Problem ist der moderne Mensch

Die Probleme, welche den Fledermäusen das Leben heute immer mehr erschweren, kommen vom modernen Menschen. «Die Naturvielfalt ist immer noch auf dem absteigenden Ast. Nicht nur um die Lebensräume der Fledermäuse, sondern allgemein», meint René Güttinger. Es ist eine Tendenz, die er schon lange spürt. «Dass die Liebe zur Natur heute bei vielen Menschen nur ein pseudonymer Drang ist, merkt man spätestens, wenn es darum geht, das eigene Haus den völlig harmlosen Tieren zuliebe etwas umzugestalten», erzählt René Güttinger. Immer wieder erhalte er Anrufe von Bewohnern, welche über Fledermäuse klagen, die in der eigenen Hausfassade wohnen.

Für René Güttinger ist klar: Es ist nicht seine Aufgabe, die Fledermäuse zu vertreiben, nur weil sie nicht in das Landschaftsbild von diesen Leuten passen. «Wir Fledermausschützer sind in gewisser Art und Weise auch Psychologen», erzählt René Güttinger. Denn die Beratung am Telefon ist eine der wichtigsten Aufgaben. «Meistens sind die Probleme, welche die Leute mit Fledermäusen haben, keine wirklichen Probleme», erklärt René Güttinger. Vielen fehle einfach das Wissen und das Bewusstsein für die bedrohte Tierart.

Man muss sich des Problems bewusst sein

Fledermäuse jagen nachts im Wald sowie im offenen Kulturland im Schutz der Dunkelheit und der Bäume. Offene Flächen von mehr als 200 Metern überfliegen sie oft nicht mehr. «Das ist ein Problem, wenn man bedenkt, wie viele Bäume heutzutage immer noch abgeholzt und nicht mehr ersetzt werden», meint René Güttinger. Doch nicht nur der Lebensraumverlust in der Landschaft macht den Fledermäusen das Leben schwer, sondern auch die immer weiter um sich greifende permanente Lichtverschmutzung.

«In den Dörfern und vielen Aussenquartieren leuchten heute die ganze Nacht über Strassenlampen und andere Lichtquellen», meint René Güttinger. Ein Luxus, der für viele nachtaktive Säugetiere ein unüberwindbares Hindernis darstellt und dadurch zur eigentlichen Barriere wird. «Fledermäuse sind nachtaktiv. Das Wichtigste, was die rund 22 Arten verschiedenen Fledermausarten in der Ostschweiz unterstützen würde, ist ein Umdenken in der Bevölkerung. «Man muss sich des Problems einfach bewusst sein», sagt René Güttinger, «dann ist man auch eher bereit, aktiv etwas für die Tiere zu tun».

Hinweis

Mehr Informationen via Website www.verein-fledermausschutz.ch. Die Nummer 079 775 41 66 berät bei Problemen und Fragen im Zusammenhang mit Fledermäusen.

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