Das Fischsterben in der Thur bei Bütschwil bleibt ein Rätsel

Forscher haben erste Ergebnisse zur Untersuchung über das Bachforellensterben in der Thur präsentiert. Die Gründe haben sie nicht gefunden. Aber zwei Ursachen konnten sie immerhin ausschliessen.

Lara Wüest
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Noch besteht Hoffnung, dass die Bachforellen in der Thur gerettet werden können. (Bild: Getty Images)

Noch besteht Hoffnung, dass die Bachforellen in der Thur gerettet werden können. (Bild: Getty Images)

Emotional werden will Michael Kugler, Mitarbeiter beim kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei, nicht. Denn das ist nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist es, die Arbeit der verschiedenen Akteure, die nach der Ursache des Bachforellensterbens in der Thur unterhalb von Bütschwil suchen, zu koordinieren. Trotzdem sagt er:

«Irgendwann stellt sich uns die Frage, was wir noch machen können.»

Zusammen mit dem Amt für Wasser und Energie sowie Experten der Universität Bern und des Schweizerischen Zentrums für Ökotoxikologie der Eawag in Dübendorf versucht das Amt für Natur, Jagd und Fischerei seit letztem Sommer der Ursache für das Fischsterben auf den Grund zu gehen (Ausgabe vom 14. Mai). Es ist eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Am Dienstag haben die Forscher zum ersten Mal die Ergebnisse mit dem Kanton besprochen. Diese sind ernüchternd. «Konkrete Resultate haben wir kaum», sagt Kugler.

Und doch sind die Fachleute einen kleinen Schritt vorwärtsgekommen. Denn zwei mögliche Ursachen zumindest konnten sie ausschliessen. «Wir sind sicher, dass es nicht das Reovirus ist», sagt Kugler. Und auch Schwermetalle kämen voraussichtlich nicht in Frage. Noch etwas können die Forscher mit Sicherheit sagen: Die Fische waren übermässig gestresst. «Das konnten wir in ihren Hormonen nachweisen», so Kugler. Warum ist aber unklar, die Ursachen können vielfältig sein.

Biologische Ursache derzeit am wahrscheinlichsten

Der Verdacht auf das Reovirus geht auf München zurück. Auch dort starben Bachforellen aus unerklärlichen Gründen an ähnlichen Symptomen wie in der Thur. Und auch sie wiesen Organschäden an Herz und Leber sowie Blutarmut auf. Forscher der Technischen Universität München konnten eine neuartige Version des Reovirus im Wasser nachweisen und vermuteten daraufhin, dass dieses die Ursache für das Sterben der Tiere sei. Reoviren sind eine grosse Familie von Viren, die Pflanzen, Tiere und Menschen befallen können. Manche rufen keine Erkrankungen hervor, andere infizieren die Atemwege oder den Magen-Darm-Trakt. Das Virus, welches die Forscher in München fanden, war bisher unbekannt. Die Bachforellen aus der Thur wurden nun ebenfalls auf dieses Reovirus getestet. Die Tiere waren jedoch nicht davon befallen. «Darüber sind wir froh», sagt Kugler. Denn, wenn ein Virus einmal in einem System sei, bringe man es kaum mehr hinaus.

Trotzdem kommen nach wie vor zahlreiche Gründe für das Fischsterben in Frage. «In der chemischen Analyse konnten wir mehrere hundert unbekannte chemische Substanzen und Moleküle nachweisen», sagt Kugler. Die Forscher fanden Anzeichen dafür, dass eine dieser chemischen Substanzen der Übeltäter sein könnte.

Die Wissenschafter halten diese Möglichkeit aber für weniger wahrscheinlich als eine andere: Gemäss Kugler deutet einiges darauf hin, dass das Bachforellensterben eine biologische Ursache hat. Biologisch heisst zum Beispiel: ein Virus, ein Bakterium, eine Alge oder ein Toxin, also ein Gift, das von diesen Organismen produziert wird. Ganz ausschliessen, dass es nicht doch ein bisher unbekanntes Virus ist, können die Fachleute also nicht. Das Fazit von Kugler bleibt deshalb ein vorsichtiges: «Bisher sind das alles erst Wahrscheinlichkeiten.»

Mittel womöglich bald erschöpft

In einem nächsten Schritt erstellen die Forscher nun eine Zusammenfassung, in der sie ihre Resultate gewichten. Danach stehen weitere vertiefte Analysen an. Zudem werden die Mitarbeitenden von den Ämtern für Energie und Wasser sowie desjenigen für Natur, Jagd und Fischerei die Situation in der Thur im Sommer genau beobachten und dokumentieren. «Vielleicht gelingt es uns dann, die Suche weiter einzuschränken», sagt Kugler.

«Wir hoffen, dass wir bald nur noch in eine Richtung forschen müssen.»

Wie lange die Suche noch weitergeht, ist aber ungewiss. Gewiss ist einzig: Wenn die vertieften Analyseverfahren keine Klarheit bringen, sind die Mittel des Kantons langsam erschöpft. «Die Möglichkeiten sind beschränkt», sagt Kugler. Irgendwann muss die Suche also womöglich eingestellt werden.