Firstresponder sind als organisierte Ersthelfer schnell vor Ort – dies hilft dem Patienten und erleichtert die Arbeit des Rettungsdienstes

Fast alle Feuerwehren im Toggenburg verfügen über Firstresponder. Sie sind schnell im Einsatz und helfen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Sabine Camedda
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17 Personen aus der Feuerwehr und dem Samariterverein Ebnat-Kappel sind als Firstresponder ausgebildet.

17 Personen aus der Feuerwehr und dem Samariterverein Ebnat-Kappel sind als Firstresponder ausgebildet.

Bild: PD

In einem Notfall zählt jede Minute. Deshalb ist es wichtig, dass Ersthelfer schnell vor Ort sind und Massnahmen ergreifen. In vielen Toggenburger Gemeinden übernehmen sogenannte Firstresponder diese Aufgabe. Diese Gruppen bestehen aus Feuerwehrleuten und Mitgliedern der Samaritervereine.

Firstresponder

Der Begriff hat sich für jene Ersthelfer durchgesetzt, die ausserhalb des regulären Rettungsdienstes in Gruppen organisiert sind und eine Form von koordinierter Ersthilfe leisten. So soll für medizinische Notfallpatienten das Zeitintervall bis zum Eintreffen eines Rettungsmittels mit einfachen Erstmassnahmen überbrückt werden.

Die Firstresponder sind in der Reanimation und im Einsatz des Defibrillators geschult. Sie verfügen über eigenes Einsatzmaterial wie einen Defibrillator und einen Notfallrucksack. Sie sind in der Regel innerhalb von drei Minuten am Einsatzort. Die Alarmierung von Firstrespondern erfolgt über die Sanitätsnotrufzentrale 144.

Im Toggenburg verfügen mittlerweile fast alle Feuerwehren über ausgebildete Firstresponder. An mehreren Orten gehören diesen Gruppen auch Mitglieder der örtlichen Samaritervereine an. (sas)

Bei einem Alarm begeben sie sich schnell an den Einsatzort und beginnen mit lebensrettenden Sofortmassnahmen. Damit überbrücken sie die Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft und die Betreuung des Patienten übernimmt.

«Unsere Firstrespondergruppe muss aus der Feuerwehr kommen»

Seit etwa einem halben Jahr sind Firstresponder in den Gemeinden Nesslau und Ebnat-Kappel einsatzbereit. Den Stein ins Rollen brachte ein Feuerwehroffizier, welcher einen Flyer zum Thema in die Feuerwehr trug. «Für uns vom Feuerwehrkommando war von Anfang an klar, dass eine Firstrespondergruppe aus der Feuerwehr kommen muss und wir Mitglieder vom Samariterverein hinzunehmen, damit wir eine schlagkräftige Gruppe bilden können», sagt Marcel Egli, Feuerwehrkommandant von Ebnat-Kappel.

Der administrative Aufwand könne über die Feuerwehr abgedeckt werden, es sei ein Depot fürs Material definiert, die Gruppe könne mit dem kleinen Mannschaftstransporter der Feuerwehr ausrücken und die Firstresponder kennen sich bereits untereinander, nennt er mehrere Gründe.

Gute Ausbildung, viel Weiterbildung und Training

17 Personen gehören der Gruppe nun an. In mehreren Kursen haben sie sich auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. «Zwei Mitarbeiter der Rettung St.Gallen haben uns an einem Ausbildungstag an diese Aufgabe herangeführt», erzählt Margrit Zürcher, Präsidentin des Samaritervereins Ebnat-Kappel.

Dabei haben sie nicht nur lebensrettende Sofortmassnahmen wie Herzmassage, der Umgang mit dem Defibrillator oder das Einsetzen eines Larynxtubus für die Beatmung trainiert. «Wir haben erfahren, wann wir Firstresponder alarmiert werden und wurden auf mögliche Situationen am Einsatzort vorbereitet», fügt Marcel Stalder, Vizekommandant der Feuerwehr Ebnat-Kappel hinzu.

Zusammen mit Marc Baudisch, dem Leiter für externe Schulungen der Rettung St.Gallen, repetierten und erweiterten die neuen Firstresponder ihr Wissen. «Wir sind sehr dankbar, dass wir mit allen unseren Fragen und Bedenken zu Marc Baudisch gehen konnten», sagt Marcel Stalder. Pro Jahr führen die Firstresponder drei bis vier praktische Übungen durch. Dazu kommt verpflichtend ein Weiterbildungskurs, der regional angeboten wird. Wer sich im Thema vertiefen will, hat optional weitere Möglichkeiten für Weiterbildungen bei der Rettung St.Gallen.

Der Erfolg hängt von der Arbeit im Team ab

Die Firstresponder werden aufgeboten, wenn ein Mensch einen Herzstillstand erleidet, wenn er zu ersticken droht, bei einem Stromschlag oder bei Ertrinken und wenn eine Person bewusstlos aufgefunden wird. «Der erste, der am Ort eintrifft, beginnt mit der Reanimation», erklärt Marcel Egli das Vorgehen.

Einen Chef in der Gruppe gebe es nicht. «Wir arbeiten als Team und das macht schliesslich den Erfolg unseres Einsatzes aus», ist er überzeugt. Bei einem Ernstfall sei von Anfang an klar, dass das Leben des Patienten an einem seidenen Faden hängt. Es sei darum beruhigend zu wissen, dass man beim Helfen nicht alleine sei.

Koordiniertes und ruhiges Arbeiten am Patienten

Schon seit über zehn Jahren engagiert sich ein Dutzend Feuerwehrleute aus Bütschwil-Ganterschwil als Firstresponder. Die Erfahrungen seien gut und die Einsätze mittlerweile auf sehr hohem Niveau, sagt der Orts-Feuerwehrkommandant Stefan Blaser. Dennoch dürfe nicht verschwiegen werden, dass trotz schneller und professioneller Hilfe der Rettungskräfte die Chancen auf einen langfristig positiven Krankheitsverlauf gering sind.

Die Firstresponder von Ebnat-Kappel stehen noch ganz am Anfang. Ein erster Einsatz hat auch ihnen gezeigt, dass sie gut auf ihre Aufgabe vorbereitet sind. «Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern von Rettung St.Gallen lief reibungslos. Es hat sich von selber ergeben, wer welche Aufgaben übernimmt», sagt Marcel Egli. Weil sie mehr Personen am Einsatzort seien, könne gleichzeitig mehr gemacht werden, was letztlich dem Patienten zugutekommt.

Erste Minuten sind wichtig für die Reanimation

Für den Rettungsdienst sei es gerade in den ersten Minuten wichtig, dass bereits Firstresponder vor Ort sind und mit der Reanimation begonnen haben, fügt Stefan Blaser hinzu. «So können sich die Rettungssanitäter auf anderes wie das Krankheitsbild, Medikamente oder Infusionen konzentrieren.»

Der erfahrene Firstresponder Stefan Blaser bestätigt, dass die Zusammenarbeit in einem Ernsteinsatz zwischen Firstrespondern und Rettungsdienst sehr koordiniert ablaufe. «Da wir mittlerweile auf sehr erfahrene Firstresponder zählen können, ist es uns möglich, den Rettungsdienst bestmöglich zu unterstützen. So kann ruhig gearbeitet werden.»

Jeder sollte wissen, wie im Notfall richtig zu reagieren

Für Marcel Egli, Margrith Zürcher und Marcel Stalder ist klar, dass trotz dieses zusätzlichen Glieds in der Rettungskette jede Person wissen sollte, wie in einem Notfall richtig zu reagieren. «Jeder kann Ersthelfer sein. Je früher Herzmassage und Defibrillator zur Anwendung kommen, desto grösser sind die Überlebenschancen des Patienten», betont Margrith Zürcher. Aus diesem Grund bietet der Samariterverein regelmässig Grundausbildungen und Repetitionen in Ersthilfe.