Film im Wattwiler Kino soll die Botschaft vermitteln: «Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen»

Im Kino Passerelle waren der Produzent und eine Schauspielerin vom Film «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» zu Gast.

Jan Zikeli
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Kinoleiter Peter Bötschi moderiert die Gesprächsrunde mit dem Filmproduzenten Ditti Bürgin-Brook (rechts).

Kinoleiter Peter Bötschi moderiert die Gesprächsrunde mit dem Filmproduzenten Ditti Bürgin-Brook (rechts).

Bild: Jan Zikeli

Vor dem Kinobesuch am Samstagabend wurden die Besucher des Kinos Passerelle in Wattwil mit einer offerierten Bündner Gerstensuppe auf den Premierenabend von «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» eingestimmt. Graubünden, genauer Soglio, ist nämlich eine wichtige Station für die flüchtende Familie im Film.

Die junge Schauspielerin Hannah Kampichler, welche aus Graubünden stammt, spielt die beste Freundin der Protagonistin und führte zusammen mit Peter Bötschi, dem Leiter des Kinos, vor fast ausverkauften Rängen in den Film ein. Die schweizerisch-deutsche Koproduktion unter der Regie von Oscarpreisträgerin Caroline Link basiert auf dem autobiografischen Bestseller-Roman von Judith Kerr. Das 1971 erschienene Buch «When Hitler stole the pink rabbit» verfasste Judith Kerr seinerzeit für ihren achtjährigen Sohn. Das Kinder- und Jugendbuch gilt in Deutschland bereits als Standardwerk für die Einführung in die Themen des Nationalsozialismus und der Flüchtlingsproblematik.

Familie muss aus Deutschland fliehen

Die Geschichte beginnt 1933 in Berlin kurz vor Hitlers Machtergreifung. In einer symbolhaften Szene versteckt sich die Protagonistin Anna Kemper, gespielt von Riva Krymalowski, an einem Faschingsfest vor einer Gruppe Hitlerjungen.

Die Szene deutet bereits auf die folgenden Geschehnisse und das Schicksal der vierköpfigen Familie hin. Der Vater der Familie Kemper, verkörpert durch Oliver Masucci, ist ein jüdischer Intellektueller, Theaterkritiker und politischer Kommentator. Aufgrund seiner kritischen Haltung sowie seiner Schreibtätigkeit sieht er und schliesslich auch seine Familie sich dazu gezwungen, aus Deutschland zu flüchten. Die neunjährige Anna Kemper muss plötzlich Abschied von ihrem Zuhause und von ihrem rosa Plüschkaninchen nehmen.

Sehnsucht nach der Heimat

Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Zürich findet sich die Familie in Graubünden wieder, das den Beginn eines Lebens in der Fremde, geprägt von Herausforderungen und Entbehrungen, markiert. Denn mit dem unsteten Leben im Exil geht auch ein sozialer Abstieg der Familie einher. Diese ist kurz darauf gezwungen, nach Paris weiterzuziehen, da Vater Arthur in der um Neutralität bemühten Schweiz nicht publizieren kann.

Die Familie zeigt viel Anpassungs- und Durchhaltevermögen. Aber auch Paris ist nicht die letzte Station für die Flüchtlingsfamilie. Zwischen Sehnsucht nach der Heimat und dem Wunsch in der Fremde Akzeptanz sowie Beständigkeit zu finden, entfaltet der Film seine Bedeutungskraft.

Wichtigkeit der Familie aufzeigen

Der Produzent Ditti Bürgin-Brook wollte in seinem Film einerseits die Wichtigkeit der Familie und deren Zusammenhalt aufzeigen, andererseits einen Bezug zur aktuellen Flüchtlingsthematik herstellen, wie er in der Gesprächsrunde im Anschluss an die Vorstellung verriet. Man solle mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Kino gehen und die Botschaft mitnehmen, die er mit den Worten «hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen» auf den Punkt bringt.

Sein Ziel hat Ditti Bürgin-Brook, der auch schon den «Schellen-Ursli» produziert hat, mit dem Film erreicht. Zentral ist dabei die Familie Kemper, die nie den Lebensmut verliert. Vermittelt wird dies vor allem durch ein Schauspielerensemble, das mit seiner Leistung überzeugt. Allen voran die junge Riva Krymalowski, mit der Caroline Link beim Casting ein wahrer Glücksgriff gelungen ist und die «den Film auf ihren Schultern trägt», so der Produzent.